Die ungarische Regierung stellt Weichen für den Haushalt 2027, während EU-Mittel freigegeben werden. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd.
Budapest. Ungarns Premierminister Magyar Péter kündigte an, dass die Regierung den Haushaltsplan für 2027 noch im Oktober 2026 vorstellen wird. Dieser Plan soll unter anderem Gehaltserhöhungen für Beschäftigte im öffentlichen Sektor sowie umfangreiche Programme wie das Wekerle‑Sándor‑Wohnungsprogramm, ein landesweites Wasserhalteprogramm und ein mehrjähriges Eisenbahnentwicklungsprogramm enthalten. Eine bedeutende Maßnahme ist die Streichung eines 337 Milliarden Forint schweren Vertrags für den Bau der Südkreisbahn.
Zusätzlich hat Magyar Péter angekündigt, dass Ungarn im kommenden siebenjährigen EU-Haushalt möglicherweise zwei Milliarden Euro mehr an Unterstützung anstrebt. Der Haushaltsentwurf wird somit nicht nur die nationalen Investitionspläne, sondern auch die Verhandlungen um EU-Mittel beeinflussen. Die ungarische Regierung will im Haushaltsentwurf eine zusätzliche Finanzierung von 500 Milliarden Forint für das Gesundheitswesen vorsehen, um Rückstände im Sektor aufzuholen.
Datentabelle
| Wert | Veränderung zur Vorwoche |
|---|---|
| BUX | +0,7 % |
| WIG 20 | +0,9 % |
| ATX | +0,2 % |
| DAX | +2,1 % |
| Euro Stoxx 50 | +0,5 % |
| S&P 500 | −1,9 % |
| Shanghai Composite | −2,6 % |
EU-Finanzierung und Rechtsstaatlichkeit
Die Freigabe von EU-Mitteln stellt einen wichtigen Fortschritt für Ungarn dar. Laut dem irischen Staatsminister für europäische Angelegenheiten, Thomas Byrne, haben die EU-Mitgliedstaaten die „signifikanten und greifbaren Fortschritte“ Ungarns in Bezug auf die Rechtsstaatlichkeit anerkannt. Diese Fortschritte führten zur Schließung des Konditionalitätsverfahrens, wodurch 4,2 Milliarden Euro an EU-Mitteln freigegeben wurden.
Darüber hinaus haben der ungarische Finanzminister Kármán András und Ministerpräsident Magyar Péter bestätigt, dass die Teilnahme an EU-Programmen wie Erasmus+ und Horizont Europa künftig wieder möglich sein soll. Nach Regierungsangaben werden im Zuge der Schließung des Konditionalitätsverfahrens rund 1.500 Milliarden Forint an EU-Mitteln für Ungarn zugänglich.
Marktentwicklungen und Unternehmensnachrichten
Die Entwicklungen an den Märkten spiegeln die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Herausforderungen in Ungarn wider. Die Aktien der OTP Bank stiegen am Montag um 3,3 Prozent auf 41.620 Forint, was zur positiven Entwicklung des BUX-Index um 0,9 Prozent beitrug. Der Umsatz der OTP-Aktien betrug 21,7 Milliarden Forint.
Im Gegensatz dazu meldete Bayer Construct für das erste Halbjahr 2026 einen Rückgang des Nettoumsatzes um 25 Prozent auf 91,8 Milliarden Forint und einen Gewinnrückgang von über 60 Prozent auf 4,4 Milliarden Forint; das Unternehmen hat zudem nach eigenen Angaben Insolvenz beantragt. Positiv hingegen ist die hohe Nachfrage nach ungarischen Staatsanleihen, die bei einer Auktion 90 Milliarden Forint an 10-jährigen Anleihen verkaufte, obwohl nur 20 Milliarden Forint angeboten wurden. Der durchschnittliche Zinssatz fiel auf 5,36 Prozent.
Datentabelle
| Wert | Veränderung zur Vorwoche |
|---|---|
| OTP Bank | +5,3 % |
| Magyar Telekom | +5,1 % |
| Zwack Unicum | +1,4 % |
| Richter Gedeon | +1,0 % |
| Waberer’s | −2,1 % |
| 4iG | −2,5 % |
| Rába | −5,0 % |
| Opus Global | −15,5 % |
Energiepreise und Inflation
Die Entwicklungen im Energiesektor haben direkte Auswirkungen auf die Inflation in Ungarn. Um den Herausforderungen durch hohe Kraftstoffpreise und sinkende Nachfrage zu begegnen, hat die ungarische Regierung eine vorübergehende Dieselsteuererleichterung für Frachtbetreiber eingeführt, die voraussichtlich etwa 6 Milliarden Forint kosten wird.
Zusätzlich wird die Mehrwertsteuer auf Holz von 27 auf 5 Prozent gesenkt. Diese Maßnahmen sind Teil der Strategie der Regierung, die Energiepreise zu stabilisieren und die Inflation zu kontrollieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Rückgang der Immobilienpreise in Ungarn um 1,4 Prozent im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zum ersten Quartal, was den ersten Rückgang seit vier Jahren darstellt. Trotz dieses Rückgangs stiegen die Preise im Jahresvergleich weiterhin um 10,2 Prozent.
Börse und Märkte
Der BUX-Index verzeichnete in der vergangenen Woche einen Anstieg um 0,7 Prozent und schloss bei 145.471 Punkten. Der positive Trend wurde unter anderem durch die starken Kursgewinne der OTP Bank unterstützt, deren Aktien um 5,3 Prozent auf 42.430 Forint stiegen. Insgesamt lagen 6 von 14 Einzelwerten im Plus, während 7 im Minus schlossen.
Die Aktien der MOL stiegen um 0,4 Prozent auf 5.075,0 Forint, während Magyar Telekom um 5,1 Prozent auf 2.692,0 Forint zulegte. Im Gegensatz dazu erlebte Opus Global einen Rückgang um 15,5 Prozent und schloss bei 213,0 Forint.
Auf den internationalen Märkten stieg der DAX in der vergangenen Woche um 2,1 Prozent auf 25.623 Punkte. Der Brent-Ölpreis lag bei 109,9 USD/Barrel, was im Wochenvergleich einem Anstieg von 4,9 Prozent entspricht. Der Erdgaspreis TTF stieg gegenüber der Vorwoche um 7,5 Prozent und liegt nun bei 87,55 EUR/MWh. Der S&P 500 hingegen fiel auf Wochensicht um 1,9 Prozent auf 7.659,4 Punkte.
Indizes
| Wert | Punkte | Woche |
|---|---|---|
| BUX Budapest | 145.471 | ▲ +0,7 % |
| WIG 20 Warschau | 4.247,2 | ▲ +0,9 % |
| ATX Wien | 6.557,3 | ▲ +0,2 % |
| DAX Frankfurt | 25.623 | ▲ +2,1 % |
| Euro Stoxx 50 Euroraum | 6.204,2 | ▲ +0,5 % |
| S&P 500 New York | 7.659,4 | ▼ −1,9 % |
| Shanghai Composite Schanghai | 3.716,3 | ▼ −2,6 % |
Budapester Wertpapierbörse
| Wert | Kurs | Woche |
|---|---|---|
| OTP Bank HUF | 42.430 | ▲ +5,3 % |
| MOL HUF | 5.075,0 | ▲ +0,4 % |
| Richter Gedeon HUF | 12.470 | ▲ +1,0 % |
| Magyar Telekom HUF | 2.692,0 | ▲ +5,1 % |
| 4iG HUF | 1.550,0 | ▼ −2,5 % |
| Opus Global HUF | 213,0 | ▼ −15,5 % |
| Waberer’s HUF | 4.180,0 | ▼ −2,1 % |
| AutoWallis HUF | 122,0 | ▼ −0,4 % |
| Alteo HUF | 3.770,0 | ▼ −2,1 % |
| Masterplast HUF | 2.900,0 | – +0,0 % |
| ANY Biztonsági Nyomda HUF | 6.140,0 | ▼ −1,6 % |
| Zwack Unicum HUF | 29.300 | ▲ +1,4 % |
| Rába HUF | 3.110,0 | ▼ −5,0 % |
| Graphisoft Park EUR | 14,85 | ▲ +0,3 % |
Rohstoffe und Energie
| Wert | Kurs | Woche |
|---|---|---|
| Brent-Öl USD/Barrel | 109,9 | ▲ +4,9 % |
| Erdgas TTF EUR/MWh | 87,55 | ▲ +7,5 % |
| Gold USD/Unze | 4.181,1 | ▼ −0,8 % |
Devisen (EZB-Referenzkurse)
| Wert | je 1 Euro | Woche |
|---|---|---|
| EUR/HUF Forint | 363,1 | ▼ −0,5 % |
| EUR/PLN Złoty | 4,370 | ▼ −0,3 % |
| EUR/CZK Krone (CZ) | 24,323 | ▼ −0,2 % |
| EUR/RON Leu | 5,331 | ▼ −0,2 % |
| EUR/USD US-Dollar | 1,1253 | ▲ +0,4 % |
| EUR/CHF Franken | 0,9272 | ▼ −0,4 % |
Schlussstände, Veränderung zur Vorwoche. Bei den Devisen bedeutet ein Plus einen festeren Euro und damit eine schwächere Landeswährung. Quellen: Yahoo Finance, EZB-Referenzkurse (frankfurter.dev). Stand: 18. Oktober 2026, 18:05 Uhr. Alle Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.
Was in der kommenden Woche ansteht
In der kommenden Woche wird der ungarische Haushaltsentwurf für 2027 im Parlament vorgestellt.
Kurz notiert
Ungarn
- Di., 13. Okt. Fitch erwartet Rückgang des Ungarischen Defizits Fitch prognostiziert, dass das allgemeine Haushaltsdefizit Ungarns im Jahr 2026 bei 7,3% des BIP liegen wird, was deutlich über dem Median von 3,1% für BBB-bewertete Länder liegt. Für 2027 wird ein Rückgang auf 5,8% des BIP erwartet, während die Staatsverschuldung bis Ende 2028 auf 78,1% des BIP steigen könnte. Defizit 2026: 7,3% des BIP · Defizit 2027: 5,8% des BIP · Staatsverschuldung 2028: 78,1% des BIP Quelle: Budapest Business Journal
- Di., 13. Okt. VOSZ Geschäftsklimaindex sinkt im dritten Quartal Der Geschäftsklimaindex des VOSZ ist im dritten Quartal um fünf Prozentpunkte auf 58% gefallen. Nur 22% der VOSZ-Mitglieder planen, neues Personal einzustellen, während etwa 26% Investitionen planen. Geschäftsklimaindex 58% Quelle: Budapest Business Journal
- Di., 13. Okt. Zuwachs im Bauwesen durch Rückgang im Hochbau maskiert Die Bauausgaben im Bereich des Tiefbaus stiegen im Jahresvergleich um 102,4%, während der Hochbau um 9,6% zurückging. Im August fiel die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge um 55,2% im Vergleich zum Vorjahr. Quelle: Budapest Business Journal
EU-Ebene
- Mo., 12. Okt. BYD plant neue Fabrik in Frankreich statt in Ungarn Der chinesische Elektroautohersteller BYD erwägt den Bau einer neuen Fabrik in Frankreich, da die dortigen Energiepreise als wettbewerbsfähig gelten. Der Standort in Ungarn bleibt zwar bestehen, doch die Expansion in Frankreich könnte neue Impulse für das Unternehmen bringen. Stella Li, die stellvertretende Geschäftsführerin von BYD, äußerte sich dazu in einem Interview. Quelle: Világgazdaság
- Mo., 12. Okt. Spar reicht Beschwerde gegen ungarische Sondersteuer ein Die Supermarktkette Spar hat eine neue Beschwerde bei der Europäischen Kommission wegen der ungarischen Lebensmittel-Einzelhandelssteuer eingereicht, die ihrer Meinung nach ausländische Unternehmen benachteiligt. Die Steuerlast für ausländische Ketten beträgt 4,5 Prozent des Jahresumsatzes, während die Belastung für inländische Unternehmen deutlich geringer ist. 4,5 Prozent des Jahresumsatzes Quelle: Index
Alle Wirtschaftsartikel dieser Woche
- Di., 13. Okt. Ungarn erhält 4,2 Milliarden Euro und vollen Zugang zu EU‑Programmen
- Sa., 17. Okt. Was der nächste EU-Haushalt Ungarn tatsächlich einbringt
Die Wirtschaftswoche fasst die Meldungen der Woche zusammen; die verwendeten Quellen sind bei den Kurznotizen einzeln verlinkt. Kurse: Yahoo Finance, Schlussstände der abgelaufenen Handelswoche. Devisen: EZB-Referenzkurse. Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Text ist Wirtschaftsberichterstattung und keine Anlageberatung. Hinweise auf Fehler bitte an [email protected] – wir korrigieren transparent.
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