Budapest. Eine rassistische Entgleisung des Bau- und Verkehrsministers Lázár János hat eine politische Debatte ausgelöst, die weit über die konkrete Aussage hinausweist. Auslöser war ein Satz auf einem öffentlichen Forum, in dem Lázár erklärte, mangels Migranten müssten nun „die Zigeuner“ die Toiletten in Zügen reinigen, weil sich „die Ungarn“ für diese Arbeit nicht meldeten. Die Wortwahl wie auch die implizite Zuschreibung sorgten für Empörung. Magyar Péter, Vorsitzender der Tisza Párt, sieht darin keinen Ausrutscher, sondern ein politisches Signal.
„Kein Versprecher, sondern Kalkül“
Magyar reagierte auf die Äußerung mit scharfen Worten und erklärte, Lázár habe „jede Grenze überschritten“ und müsse aus dem öffentlichen Leben verschwinden. In einem Facebook-Posting ging er jedoch weiter: Die herabwürdigende Bemerkung sei Teil einer bewussten Annäherung an die rechtsextreme Partei Mi Hazánk Mozgalom. Aus mehreren Richtungen sei zu hören, dass Lázár als möglicher gemeinsamer Ministerpräsidentenkandidat einer künftigen Fidesz-Mi Hazánk-Koalition gehandelt werde. Die Demütigung von Minderheiten passe in dieses Bild, so Magyar, der daran erinnerte, dass Lázár zuvor bereits die ungarischen Minderheiten in der Slowakei, Arme und Frauen verbal attackiert habe.
Der Tisza-Vorsitzende verwies zudem auf frühere Überschneidungen zwischen Fidesz und Mi Hazánk. Vertreter der von László Toroczkai geführten Partei erhielten wiederholt Sendezeit in regierungsnahen Medien, was aus Magyars Sicht auf eine strategische Öffnung hindeutet. In diesem Szenario, so seine Spekulation, könnte Viktor Orbán im Falle einer Wahlniederlage in das Amt des Staatspräsidenten wechseln, während Lázár die Regierung führt. Über ähnliche Gedankenspiele hatte bereits im Dezember das Wirtschaftsmagazin Bloomberg berichtet, Orbán selbst wies dies damals zurück.
Toroczkai weist Koalitionsgerüchte zurück
Toroczkai reagierte umgehend auf Magyars Vorstoß und dementierte auf X jede Koalitionsabsicht mit dem Fidesz. Seine Partei werde eigenständig bleiben, erklärte er, und werde sowohl vom Regierungslager als auch von der Tisza Párt umworben, weil beide um die Stimmen eines wachsenden radikal-nationalen Elektorats fürchteten. Lázár versuche mit „markigen Sprüchen“ nationalradikal zu wirken, während Orbán sich gleichzeitig an die AfD annähere, den aus Toroczkai Sicht erfolgreichsten internationalen Partner der Mi Hazánk.
Nach Darstellung des Parteichefs gehe diese Nervosität auf die Erwartung eines Dreiparteienparlaments nach den kommenden Wahlen zurück. Zugleich beklagte Toroczkai, seine Partei werde von mächtigen Medienstrukturen marginalisiert. In den regierungsnahen Sendern komme er nicht vor, zugleich werde er auch auf globalen Plattformen wie Facebook eingeschränkt, wo ihm nicht einmal eine eigene Seite gestattet sei.
Quellen: HVG.hu
Photo: Wikicommons, Elekes Andor, CC-BY-SA 4.0




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