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Miklós Fenyő ist tot – Abschied von der Ikone des ungarischen Rock&Roll

Budapest. Fenyő Miklós ist tot. Der Musiker, Songwriter und Mitbegründer der ungarischen Rock-and-Roll-Tradition starb in den frühen Morgenstunden, wie seine Familie über die offizielle Facebook-Seite mitteilte. „Mit tiefstem Schmerz teilen wir euch mit, dass Miklós in den frühen Morgenstunden in einen ewigen Traum gesunken ist. Seine Musik, seine Texte, seine Bühnenwerke, seine Bücher, sein gesamter Geist bleiben für immer bei uns.“ Zugleich bat die Familie um Respekt vor ihrer Trauer. Der Fernsehsender TV2 reagierte mit einer kurzfristigen Programmänderung.

Mit Fenyő Miklós endet ein Kapitel der ungarischen Popkultur, das über Jahrzehnte hinweg Klang, Haltung und Sprache geprägt hat. Er war nicht nur Interpret, sondern ein Stilbildner, der Energie, Ironie und Lebenslust in einer Zeit etablierte, in der Leichtigkeit politisch nicht vorgesehen war.

Ein Leben zwischen Budapest und New York

Fenyő Miklós wurde am 12. März 1947 in Budapest geboren. Seine Kindheit wurde früh von der Geschichte unterbrochen: 1956 verließ die Familie Ungarn, der neunjährige Miklós besuchte Schulen in New York, bevor er als Jugendlicher zurückkehrte. Die Schulzeit in Budapest verlief nicht geradlinig – vom Landler Jenő Villamosipari Technikum wurde er verwiesen, das Abitur legte er erst später im Könyves-Kálmán-Gymnasium ab, mit bereits über 20 Jahren.

Musikalisch begann alles früh_ Mit fünfzehn spielte er in der Band Sztár, mit siebzehn gründete er The Devilst, später Syconor. Der entscheidende Schritt folgte 1967 mit der Gründung von Hungária. Spätestens mit dem Sieg beim „Ki Mit Tud“ 1968 war klar, dass hier etwas Neues begann. Titel wie „Csavard fel a szőnyeget“ oder „Ha szól a Rock and roll“ machten Rock and Roll in Ungarn massentauglich – frech, laut, bewusst jugendlich.

Hungária und der Sound einer Generation

Hungária war nie eine stabile Formation, doch Fenyő blieb ihr konstanter Mittelpunkt. Unter seinem Einfluss verband die Band musikalische Einflüsse der Beatles mit einer bewusst „jampihaften“ Attitüde. Gold- und Platinplatten, Tourneen und eine Sprache, die Vagheit und Poesie des Alltags aufgriff, machten ihn zu einer Identifikationsfigur.

Die Auflösung der Band 1983 traf ihn hart. „Ich war naiv“, sagte er später rückblickend und sprach offen über verletzte Erwartungen und eigene Fehler. Doch auch danach blieb er produktiv: als Solokünstler unter dem Namen MIKI, mit Ausflügen in zeitgenössische Stilrichtungen wie Breakdance, später mit der Formation Modern Hungária. Sein Leben kreiste ausschließlich um Musik – und um die Frage, wie viel Öffentlichkeit ein Künstler braucht. „So lange bin ich für die Öffentlichkeit da, wie das Publikum es verlangt“, sagte er einmal. Das Publikum verlangte es bis zuletzt.

Schreiben, Rückschau und ein offenes Ende

In Interviews sprach Fenyő Miklós oft über Treue, Handschlagqualität und Freundschaft – Werte, an denen er sich selbst maß, auch wenn er einräumte, früher schnell gekränkt gewesen zu sein. Mit zunehmendem Alter wich die Empfindlichkeit einer Gelassenheit, ohne dass der innere „Kamasz“ verloren ging, wie er an seinem 75. Geburtstag sagte.

Neben der Musik schrieb er auch. Zwei Bühnenwerke blieben in der Schublade, wichtiger wurde ihm zuletzt das literarische Projekt. 2025 erschien sein autobiografisch geprägter Roman „Mélyvíz, csak megúszóknak“. Darin wie auch im Gespräch beschrieb er sich selbst mit denselben Worten, die auch seine Musik kennzeichnen: „Vagány, klassz, fiatal, erős.“

Quellen: Index.hu
Photo: Miklós Fenyő. Matepyt – Áthozva a hu.wikipedia projektből a Commonsba.

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