TISZA hat die die lange erwartete Spitzenkandidatenliste für die Wahlen am 12. April vorgestellt
Budapest. Monatelang galten Oppositionsführer Péter Magyar und seine Tisza-Partei als Ein-Mann-Projekt, das hautpsächlich von der rhetorischer Dynamik des Parteivorsitzenden denn von deren institutioneller Stärke getragen wurde. Nun, im Vorfeld der Parlamentswahlen am 12. April, präsentiert Magyar ein breiter aufgestelltes Team aus erfahrenen Unternehmern, Diplomaten und ehemaligen Beamten – nicht wenige aus dem Dunstkreis der Fidesz.

Magyar, 44-jähriger Jurist und selbst ehemaliges Fidesz-Mitglied, betrat im Februar 2024 spektakulär die politische Bühne und mobilisierte schnell große Menschenmengen bei regierungskritischen Protesten. Nach der Übernahme der kleinen Tisza-Partei führte er sie aktuell an die Spitze der Meinungsumfragen. Bisher blieben Fragen zur Besetzung einer möglichen Regierungsübernahme im April offen.
In den letzten Wochen präsentierte Tisza eine Reihe prominenter Persönlichkeiten. Darunter sind István Kapitany, ein ehemaliger leitender Angestellter von Shell International Petroleum und ehemaliger Vorsitzender des Ungarischen Managerverbands, sowie Anita Orbán, eine Ökonomin und Energieexpertin, die von 2010 bis 2015 als Sonderbeauftragte Ungarns für Energiesicherheit tätig war. Auch der ehemalige Generalstabschef Romulusz Ruszin Szendi wird mit der Partei in Verbindung gebracht.
Der Politikwissenschaftler Gabor Török erklärte gegenüber dem Nachrichtenportal 24.hu, die zentrale Schwäche von Tisza sei lange Zeit die öffentliche Wahrnehmung als Ein-Mann-Struktur rund um Magyar gewesen. Die Beteiligung von Persönlichkeiten wie Kapitany und Anita Orbán zeige nun klare Ambitionen zur Regierungsarbeit.
Politikwissenschaftler Daniel Rona meinte gegenüber Telex, der Beitritt etablierter Wirtschaftsakteure zu Tisza spiegele die Überzeugung wider, dass ein politischer Wandel in Ungarn nicht länger unrealistisch sei.
István Kapitany
Kapitanys Karriere umspannt Ungarns Übergang zur Marktwirtschaft in den späten 1980er Jahren bis hin zu leitenden internationalen Positionen bei Shell. Er wurde bereits mit dem Ungarischen Verdienstorden ausgezeichnet. Nachdem er im Januar 2025 seine beratende Funktion für Tisza bekannt gegeben hatte, kritisierten ihn Fidesz-Politiker heftig, er vertrete internationale Wirtschaftsinteressen anstatt nationale Prioritäten.
Anita Orbán, die einst einem eher euro-transatlantisch orientierten Flügel innerhalb von Fidesz angehörte, sah sich ähnlichen Angriffen ausgesetzt. Regierungsvertreter warfen ihr vor, gegen Ungarns Energieinteressen zu handeln.
Programm online präsentiert
Am 7. Februar 2026 präsentierte Tisza ihr 240-seitiges Wahlprogramm in einer einstündigen YouTube-Übertragung anstelle einer Großkundgebung. Das Programm verspricht die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit, die Neupositionierung Ungarns als verlässlicher Partner in der Europäischen Union und der NATO sowie Strukturreformen im Gesundheits- und Bildungswesen. Gleichzeitig signalisiert es Kontinuität in einigen Bereichen, darunter die unter Fidesz eingeführten Familien- und Rentenhilfeprogramme und die restriktive Migrationspolitik.
In der Außenpolitik lehnt das Dokument einen schnellen EU-Beitritt der Ukraine ab, fordert aber normalisierte Beziehungen und eine schrittweise Reduzierung der Energieabhängigkeit von Russland bis 2035. Magyar erklärte, dass Hunderte von Experten an der Erstellung des Programms mitgewirkt hätten, und wertete es als Beleg dafür, dass Tisza sich auf Regierungsarbeit und nicht auf Protest & Opposition vorbereite.

Aufgeheitze Wahlkampfrhetorik
Das Klima im Wahlkampf hat sich weiter verschärft. Magyar warnt in den sozialen Medien, dass kompromittierendes Material gegen ihn veröffentlicht werden könnte. Eine Website, deren Domain auf den Namen des stellvertretenden Tisza-Vorsitzenden Mark Radnai läuft, aber nicht von ihm betrieben wird, ist online gegangen – über dem Bild eines leeren Schlafzimmers nebulös die Nachricht „Demnächst verfügbar“. Ein ohnehin schmutziger und angespannter Wahlkampf wird weiter eskaliert.
Quellen: MTI, Wikipedia, 24.hu, Telex
Photo: MTI, Wikicommons, US Army



