Russische Angriffe mit Verbotener Clustermunition sind ein neuer Tiefpunkt der militärischen Eskalation.
Kyiv. Russland hat bei den nächtlichen Angriffen auf Kyiv ukrainischen Angaben zufolge drei ballistische Raketen mit Streumunition eingesetzt. Diese Raketen trugen nach ukrainischen Angaben Sprengköpfe, die in der Luft explodierten und Schäden auf einer Fläche von 400 mal 400 Metern verursachen. Eine der Raketen, eine ballistische Iskander-Rakete mit Streumunition-Sprengkopf, schlug unweit des historischen Kiewer Höhlenklosters ein, was zu großflächigen Zerstörungen und zahlreichen Verletzungen führte. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Zelensky kamen mindestens zwei Menschen ums Leben, 34 weitere wurden verletzt, darunter fünf Kinder.
Der Einsatz von Streumunition in dicht besiedelten Gebieten wie Kyiv wird von internationalen Beobachtern scharf kritisiert. Serhii Beskrestnov, ein ukrainischer Experte für Militärfunk und Drohnen, erklärte, dass die Raketen mit einem K5-Streusprengkopf bestückt waren, der über dem Boden detoniert und Dutzende explosiver Submunition verteilt. Der Angriff zielte laut Beskrestnov bewusst auf Zivilpersonen und die historische Altstadt von Kyiv ab, ohne einen militärischen Zweck zu erfüllen. Es geht um eine Terrorisierung der Bevölkerung von Kyiv.
Die Angriffe waren Teil eines großangelegten russischen Luftschlags gegen die ukrainische Hauptstadt und die umliegende Region in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober. Der Beschuss erfolgte in mehreren Wellen, wobei ballistische Raketen und Drohnen Wohnviertel, Verkehrsanlagen und medizinische Infrastruktur trafen. Die Stadtverwaltung von Kyiv meldete Schäden in den Bezirken Holosiivskyi, Obolonskyi, Pecherskyi, Sviatoshynskyi und Dniprovskyi.
Die ukrainische Luftwaffe erklärte, Russland habe 210 Drohnen eingesetzt, darunter 110 mit Strahltriebwerk, sowie Iskander-M-, S-400-, Zirkon- und Onyx-Raketen. Von diesen wurden 181 Drohnen vom Himmel geholt, darunter 87 mit Strahltriebwerk. Einschläge wurden an 32 Orten registriert, an weiteren acht Stellen schlugen Trümmerteile ein. Präsident Zelensky verurteilte die wiederholten Angriffe auf die Hauptstadt scharf.
Der Angriff erfolgte nur wenige Stunden, nachdem der US-Sondergesandte Steve Witkoff den russischen Präsidenten Vladimir Putin in Sankt Petersburg getroffen hatte. Washington bemüht sich derzeit erneut um diplomatische Schritte zur Beendigung des Krieges – während US-Präsident Trump populistische Diesellieferungszusagen mit Putin abspricht und dem ukrainischen Präsidenten Zelenskyj vorwirft durch Angriffe auf russische Raffinierien für den hohen Ölpreis verantwortlich zu sein.
Während des Besuchs bezeichnete Witkoff Putin als „Humanisten“, obwohl der russische Präsident vom Internationalen Strafgerichtshof aufgrund von Kriegsverbrechen gesucht wird. Dem Gerichtshof zufolge geht es um mutmaßlich rechtswidrige Verschleppung und Überführung ukrainischer Kinder.
Quellen: ORF, DW, Der Standard
Photo: Pester Lloyd (Grafik)
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