Die Europäische Kommission greift den Landwirten in Ungarn, Bulgarien und Estland unter die Arme. Nach einem katastrophalen Erntejahr 2025 wurden millionenschwere Hilfsgelder freigegeben, um die Existenz zahlreicher Betriebe zu sichern.
Brüssel. Die EU-Mitgliedstaaten haben gestern einem Vorschlag der Kommission zugestimmt, insgesamt 21,5 Mio. Euro an Soforthilfe für die EU-Landwirtschaft zu mobilisieren. Grund dafür sind extreme Wetterereignisse, die die Agrarerträge im vergangenen Jahr schwer erschüttert haben. Die Mittel stammen aus der sogenannten EU-Agrarreserve, wovon anteilig 10,8 Mio. Euro an Ungarn ausgezahlt werden. Die nationalen Regierungen dürfen diese Summen mit eigenen Mitteln um bis zu 200 % aufstocken, was ungarischen Landwirten bis zu 32,4 Mio. Euro an Hilfen bereitstellen könnte.
Hinter dem Beschluss stehen dramatische Ernteverluste. Europaweit führten extreme Hitzewellen und Dürren zu schlechten Ernteergebnissen. Die staatliche Wasserwirtschaftsbehörde Országos Vízügyi Főigazgatóság (OVF) verzeichnete 2025 für Ungarn eine schwere Dürre, die laut ungarischem Zentralamt für Statistik (KSH) insbesondere starke Ernteausfälle bei Mais (29%) und Weizen (10%) mitverantwortet. Die OVF stellt fest, dass Frequenz und Intensität der Dürren in Ungarn einen beunruhigenden Trend zeigen, was auch in Zukunft ungarische Landwirte vor Probleme stellen wird.
„Wenn […] Dürre den Boden in Bulgarien und Ungarn plagt, leiden nicht nur die Felder. Es leiden Familien und die Zukunft unserer bäuerlichen Gemeinschaften“
betonte auch der EU-Agrarkommissar Christophe Hansen. Die veranschlagte Hilfe ist Teil der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023-2027, die jährlich 450 Millionen Euro für Marktstörungen bereithält. Hansen mahnte, dass Nothilfe allein nicht ausreiche: Angesichts des Klimawandels müsse massiv in das Risikomanagement und neue Versicherungsmodelle investiert werden, damit extremes Wetter nicht automatisch den Ruin für die Bauern bedeute.
Die nationalen Behörden sind verpflichtet, die Gelder bis zum 30. September 2026 direkt an die Landwirte auszuzahlen. Die Länder müssen detailliert Bericht erstatten, wie die Mittel verteilt werden und wie sichergestellt wird, dass es nicht zu Überkompensationen oder Wettbewerbsverzerrungen kommt.
Quellen: Europäische Komission, Ungarisches Wasserwirtschaftsbehörde, ungarisches Zentralamt für Statistik
Photo: Agricultural subsidies as a % of agricultural output, SEDACmaps, CC SA 3.0






