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(c) Pester Lloyd / 10 - 2010 WIRTSCHAFT 08.03.2010
Railconquista
MÁV Cargo heißt jetzt Rail Cargo Hungaria
Die ehemalige Frachtabteilung der ungarischen Staatsbahn, MÁV Cargo, wurde nun auch namentlich an ihren neuen Eigentümer, die Rail Cargo Austria (RCA) angepasst
und firmiert jetzt als Rail Cargo Hungaria. Bis 2012 fallen nicht nur vertraglich festgeschriebene Investitionen von über 100 Mio EUR, sondern auch rund 50 Mio
EUR Sanierungskosten an. Doch die Österreicher planen langfristig, sie arbeiten an einem Markt, fast so groß wie die k+k-Monarchie, die sie bald auf der Schiene nachbilden können.
Kein unumstrittener Deal
Die Österreicher übernahmen das Unternehmen 2008 als Meistbietende einer
Ausschreibung für 102,5 Mrd. Forint (heute ca. 385 Mio EUR). Der Deal war nicht unumstritten. Es kam zu Ermittlungen ungarischer wie österreichischer Behörden, weil nicht
unbedeutende Summen an eine ungarische Lobbyagentur geflossen sein sollen, ohne dass dafür besondere Leistungen erbracht worden sind. Unrechtmäßiges konnte bisher jedoch nicht nachgewiesen werden.
Allein der Verdacht war aber unangenehm, zumal die RCA als Teil des ÖBB-Konzerns faktisch unter Staatskontrolle steht.
Im Zuge der Privatisierung mobilisierte eine einflussreiche ungarische Bahngewerkschaft
ihre Mitglieder immer wieder zu Streiks, bei denen sie einen Anteil an dem Privatisierungserlös forderten, was wiederum zu Zugsaufällen im Personenverkehr und zu
politischen Gemetzeln in Budapest führte. Und nicht zuletzt urteilten Fachleute spöttisch, dass sich die Österreicher womöglich für viel Geld einen ziemlichen Schrotthaufen eingekauft hätten.
Teure Sanierung für ein Zukunftsversprechen
Für die letzte These mag sprechen, dass man bei RCA bis 2012 mit 50 Millionen EUR
"Integrationskosten" rechnet, also erst ab 2013 überhaupt davon ausgeht, dass sich die ungarische Tochter selbst tragen kann. Andererseits muss man klar sehen, dass sich RCA
vor allem in einen hoffnungsfrohen Markt eingekauft hat, immerhin reklamiert sie für sich, "Nummer 2 im europäischen Schienengüterverkehr" zu sein (der ungarische Manager
meldete hingegen noch Platz 3).
"Unsere Züge fahren heute von Mailand und der Adria über Wien und Budapest bis an das
Schwarze Meer und die türkische Grenze.", erklärte Friedrich Macher, Sprecher des Vorstandes vor 350 geladenen Gästen in Budapest und umriss damit ziemlich genau die
Grenzen des alten k+k-Reiches, nimmt man einmal Tschechien, die Slowakei und Galizien aus, aber auch da ist ja bei den Privatisierungen noch nicht aller Tage Abend. Ungarn
spielt für die Österreicher eine wichtige Rolle in Richtung Ukraine und Rumänien und damit in zwei wesentliche Expansionsgefilde.
Für die Integration des ungarischen Staatsungetüms MÁV Cargo wurde
betriebsintern das Projekt "Joining Forces" ins Leben gerufen. Dort wurde eine Vielzahl an Einzelprojekten gestartet, um Organisation, Prozesse und Strukturen zu
optimieren, "die bereits Synergieeffekte im Wert von mehreren Millionen Euro" gebracht haben sollen. brachten. Durch die Optimierung der Verkehrsrouten gelang es
beispielsweise, die Beförderungskilometer bis zu den Bestimmungsbahnhöfen um 17% zu reduzieren, was neben den Traktions- auch die Infrastrukturkosten senkte und die Beförderungszeiten verkürzte.
Millionen für neue Technologien und Loks
Im Privatisierungsvertrag hat sich die RCA zu jährlichen Investitionen von 8,7 Mrd. Forint
Milliarden HUF (32,6 Mio EUR) verpflichtet. Darunter fallen z.B. 11 Taurus-Lokomotiven, der Aufbau einer SAP-Datenverwaltung und die Errichtung des Terminals Rail Port Arad,
der zur Markterweiterung in Rumänien dienen soll. Seit Herbst 2009 wirbt RCA in Ungarn auch weitere Lokführer an. Im Laufe des Jahres soll die Zahl der Lokführer 100
übersteigen und die Lokflotte wird auf 29 moderne Loks erweitert, heißt es bei der RCA.
Die RCA, als Teil des ÖBB hatte 2009 knapp 100 Mio Tonnen Güter bewegt, 32 Mio davon
gehen immerhin auf die Ungarn zurück, auch wenn das - vor allem krisenbedingt - 10 Mio Tonnen weniger waren als noch 2008. Der Jahresumsatz ging dabei von 86 Mrd. Forint
2008 auf 67,5 Mrd. (ca. 253 Mio EUR) Forint 2009 zurück.
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