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Kinderstimmen am Heldenplatz – Das Festivalorchester bespielt Budapests steinernste Buehne

Schubert, Prokofjew und erstmals ein eigener Kinderchor: Das Budapest Festival Orchestra laedt zum Gratis-Konzert auf den Hősök tér.

Budapest. Wenn Iván Fischer am 12. September um 18.30 Uhr den Taktstock hebt, wird der Hősök tér zum offenen Konzertsaal ohne Ticketverkauf. Das Budapest Festival Orchestra (BFZ) lädt zum kostenlosen OpenAir auf den Heldenplatz – mit Schuberts „Unvollendeter“, Prokofjews „Cinderella“-Suite und erstmals mit einem eigenen Kinderchor des Orchesters.

Laut Mitteilung an die Nachrichtenagentur MTI eröffnet Schuberts 8. Symphonie den Abend. Danach gehört die Bühne den Jüngsten: Der Kinderchor des Orchesters singt Arvo Pärts „Nyári keringő“ auf Estnisch, ehe das Orchester mit der „Hamupipőke“-Suite, Prokofjews Märchenpartitur zu Aschenputtel, schließt. Dirigieren wird Iván Fischer. „Bitte bringen Sie dieses Jahr auch Ihre Kinder mit auf den Heldenplatz! Wir spielen auch für sie. Es wird Märchen geben, märchenhafte Musik, und Kinderstimmen werden zu hören sein“, sagte Fischer laut MTI.

„Bitte bringen Sie dieses Jahr auch Ihre Kinder mit auf den Heldenplatz! Wir spielen auch für sie. Es wird Märchen geben, märchenhafte Musik, und Kinderstimmen werden zu hören sein“, sagte Iván Fischer.

Die Zugangsschwelle ist niedrig. Der Eintritt ist frei, eine Registrierung entfällt, die Veranstalter empfehlen früh zu kommen, um gute Plätze zu bekommen. Vor Ort werden nach MTI-Angaben innovative Papierstühle bereitgestellt, die man nach dem Konzert mitnehmen darf.

Vom Friedensappell zur Familienbühne

Dass eines der führenden Orchester Europas auf einem der symbolträchtigsten Plätze Ungarns gratis spielt, ist etabliert. Verlässlich dokumentiert sind große, frei zugängliche Open-Airs des BFZ auf dem Hősök tér in den Jahren 2023 und 2024. 2023 feierte die Stadt „Budapest 150“ – 150 Jahre seit der Vereinigung von Buda, Pest und Óbuda – mit einem Jubiläumskonzert, das sich programmatisch an kanonischen ungarischen Werken orientierte, von Bartók über Kodály bis Dohnányi. Bürgermeister Gergely Karácsony begrüßte das Publikum.

2024 bekam derselbe Ort ein anderes Vorzeichen. Laut dem englischsprachigen MTI-Dienst Hungary Matters spielte das Orchester am 31. August ein Gratis-Konzert „In hope for peace“ – mit Gästen aus der Ukraine, aus Russland, Israel und Palästina, beschlossen vom Finale aus Mahlers Dritter Symphonie.

2026 erhält das Format einen neuen Akzent. Diesmal steht kein großes Motto im Vordergrund, sondern der neue Kinderchor. Daten zu Größe, Altersstruktur oder Probenalltag liegen noch nicht vor, gesichert ist aber, dass sein Debüt nicht im Rahmen eines Nebenprojekts stattfindet, sondern auf der Hauptbühne des Heldenplatz-Konzerts.

Heldenplatz als Schauplatz nationaler Rituale

Der Hősök tér ist keine neutrale Kulisse. Seit dem späten 19. Jahrhundert als Pantheon ungarischer Staatsgründung angelegt, fungiert er als Bühne nationaler Selbstvergewisserung – mit Millenniumsdenkmal, Reiterstatuen und viel Stein. Heute teilt er sich diese Rolle mit dem Kossuth tér vor dem Parlament.

Am 6. April dieses Jahres fand hier das Konzert „End the System“ statt, das nach Darstellung von Le Monde zehntausende Menschen anzog – mit Sprechchören gegen Ministerpräsident Viktor Orbán und gegen russische Einflussnahme. Davor und danach wurde die weite Fläche immer wieder für Massenereignisse genutzt, von Fanzonen bis zu politischen Kundgebungen.

Niedrigschwellige Hochkultur

Die Konzerte auf dem Heldenplatz gehören zu einer breiteren Öffnungsstrategie des BFZ. Der städtische Kulturbericht 2022/23 nennt die kostenlosen Auftritte des Orchesters ausdrücklich als Instrument sozial zugänglicher Kulturpolitik, neben Konzerten in Senioreneinrichtungen und an Orten, an denen klassische Musik sonst kaum live zu hören ist. Dazu kommen seit Jahren sogenannte „Kakaókonzerte“ für Kinder, inklusive autismusfreundlicher Angebote, sowie Familientage mit Instrumenten zum Ausprobieren.

Mit dem Kinderchor auf dem Hősök tér verbindet das Orchester diese pädagogische Arbeit unmittelbar mit seinem prominentesten Open-Air. Arvo Pärts „Nyári keringő“ in estnischer Sprache, gesungen von Kindern, steht dabei zwischen Schuberts romantischer Unruhe und Prokofjews Märchen-Ballett.

Quellen: MTI, Hungary Matters, 24.hu
Photo: Das Budapest Festival Orchestra verwandelt den Heldenplatz für einen Abend in einen offenen Konzertsaal – mit Schubert, Prokofjew und Kinderchor, Logo

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