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(c) Pester Lloyd / 52 - 2009 GESELLSCHAFT 22.12.2009
Vaterlandslose Gesellen
Stereotyp und Bedrohung: Wie sich die Mehrheitsgesellschaft ihre "Zigeuner" erschaffen hat
Der Antiziganismus-Forscher Markus End erläutert im Gespräch mit dem Pester Lloyd aktuelle Gründe und historische Hintergründe des Hasses auf
Roma und wie sich die Mehrheitsgesellschaft "ihre Zigeuner" selbst gebastelt hat. Roma-feindliche Einstellungen sind zwar kein ungarisches,
sondern ein europäisches Problem.Doch in Ungarn sind Stereotype und Chauvinismus besonders deutlich, sozusagen lehrbuchhaft, erkennbar. Einen einfachen Ausweg daraus gibt es nicht.
Muszierende Roma in Ungan 1928, archiviert im Deutschen Bundesarchiv
Es ist ein bisschen stiller geworden um die Roma-feindlichen Zustände in
Ungarn, seit die spektakulären Morde mit der Festnahme der Verdächtigen anscheinend ein Ende genommen haben. Vorurteile und Hass gegen Roma
bleiben jedoch an der Tagesordnung. In einer Umfrage durch die EU 2008 halten 90 % der ungarischen Roma ihre Diskriminierung in Ungarn für weit
verbreitet und im europäischen Vergleich für am Ausgeprägtesten. Die Roma-feindlichen Einstellungen sind jedoch kein ungarisches, sondern ein
europäisches Problem, denn sie gehören zur gesamteuropäischen Geschichte und Gegenwart.
Um dieses so weitläufige Phänomen angemessen zu beschreiben, spricht die
soziologische Forschung daher seit neuestem von „Antiziganismus“. Über die Ursachen dieses Antiziganismus besteht noch längst keine Einigkeit. Markus
End jedenfalls, der sich derzeit als Doktorand am Zentrum für Antisemitismusforschung (TU Berlin) mit dem Thema beschäftigt und den
Sammelband "Antiziganistische Zustände" mitherausgegeben hat, sieht diese in den Grundstrukturen der europäischen Tradition selbst begründet:
Nationalismus und Arbeitsethos. Weshalb sich das Problem hartnäckiger hält, als einem lieb sein kann...
P.L.: Herr End, Was verstehen Sie unter Antiziganismus?
‚Antiziganismus‘ ist eine relativ
neue Wortschöpfung für ein Phänomen, das zwei Ausprägungen aufweist. Auf der einen Seite beinhaltet es die Stereotype und die Vorurteilsstruktur gegenüber sogenannten ‚Zigeunern‘. Mit
‚Zigeuner‘ sind hier ausschließlich die Vorstellungen gemeint, die sich eine Mehrheitsgesellschaft in ihren Köpfen und Schriften
zurechtgelegt hat. In der Realität ergeben sich aus diesen Vorstellungen aber fast immer reale Handlungen, von diskriminierenden staatlichen Strukturen bis
zu offener physischer Gewalt, von denen zumeist Roma betroffen sind. Dies ist die zweite Seite des Antiziganismus.
P.L.: Roma werden in ganz Europa seit hunderten von Jahren verfolgt. Auch
heute, 70 Jahre nach dem Höhepunkt der Verfolgung in dem Völkermord an europäischen Sinti und Roma, ist Diskriminierung, behördliche
Andersbehandlung und Gewalt gegen Roma alles andere als eine Ausnahmeerscheinung. So wurden in Frankreich im September bei
Polizeikontrollen Roma durch Stempel auf den Arm als solche markiert, in Italien mischte sich 2008 die Hetze gegen Rumänen mit der gegen
„Zigeuner“, was kurze Zeit später zahlreiche Brandstiftungen in Romasiedlungen zur Folge hatte, und in Ungarn kamen bei regelrechten
Serienmorden 8 Roma ums Leben. Was haben Roma an sich, das die Europäer so gegen sie aufbringt?
Der letzte Teil der Frage scheint mir falsch gestellt zu sein. Wie ich bereits
eingangs zu erklären versucht habe, ist es sehr wichtig streng zu trennen zwischen der antiziganistischen Vorstellung der Mehrheitsgesellschaft, die sich
in vielerlei Hinsicht ihre ‚Zigeuner‘ zusammengebastelt hat und den realen Menschen, also Roma, Sinti, Jenischen oder Irish Travellern, die vom Stereotyp
des ‚Zigeuners‘ betroffen sind. Diese Gruppen, wie bspw. ‚die Roma‘, haben nichts an sich, das die Europäer und Europäerinnen gegen sie aufbringt. Noch
dazu muss festgehalten werden, dass in jenen Fällen, in denen Stereotyp und Lebensverhältnisse zusammenfallen, oft der Antiziganismus selbst dafür
verantwortlich ist: Dies gilt für die häufig hohe Arbeitslosigkeit genauso wie für die häufig schlechte Bildung oder für notdürftige Zeltlager in Städten.
Die Probleme zu Artikulieren ist wichtig, aber findet selten statt.
Viele Roma haben sich schon lange selbst aufgegeben.
Ein besonders deutliches Beispiel
ist die Vertreibung der Roma aus dem Kosovo. Diese repräsentierten zuvor eine verhältnismäßig gut integrierte Mittelschicht, häufig mit Immobilienbesitz. Nach der Vertreibung durch
nationalistische albanische Gruppen leben viele Kosovo-Roma auf der Flucht, häufig in Arbeitslosigkeit und Armut. Zahlreiche von ihnen sind seit der
Staatsgründung des Kosovo staatenlos. Damit entsprechen sie nun dem Cliché-Bild. So hat sich die Mehrheitsgesellschaft ihre ‚Zigeuner‘ nicht nur in
ihren Vorstellungen, sondern auch ganz real selbst gebastelt.
Ein letzter Aspekt in der Frage des Verhältnisses zwischen Stereotyp und
Realität ist, dass die Mehrheitsgesellschaft dazu tendiert, nur jene Roma als Roma zu erkennen, die ins Stereotyp fallen. Wer beruflich erfolgreich ist, fest
integriert und gebildet entgeht häufig dem stereotypisierenden Blick. Und viele Roma haben ebenfalls gelernt, dass es klug ist, ihr Selbstverständnis als Roma
zu verschweigen. Das ist ein weiterer Grund dafür, dass sich das Vorurteil oft selbst bestätigt.
P.L.: Wie kommt es dann, dass die Stereotype über Roma überall gleich sind?
Wenn Antiziganismus mit den Menschen, die als ‚Zigeuner‘ gesehen werden, nichts zu tun hat, wo liegen dann die Ursachen des Antiziganismus?
Die Ursachen des Antiziganismus liegen meines Erachtens in den sozialen
Verhältnissen der Mehrheitsgesellschaften begründet. Die Bedrohungsvorstellung durch die angebliche Nichtsesshaftigkeit der ‚Zigeuner‘
bspw. steht in engem Zusammenhang zur Durchsetzung der Territorial- und später der Nationalstaaten in Europa. Dabei wurden feste Grenzen und eine
eindeutige nationale Identität sehr wichtig. Diese Entwicklung war jedoch schon immer ambivalent und uneindeutig. In manchen Staaten finden sich
mehrere ‚Nationen‘, manche ‚Nationen‘ waren lange Zeit auf mehrere Staaten aufgeteilt.
Die Armut der Anderen als Bedrohung des eigenen Lebensentwurfes? Antiziganismus ist ein weitläufiges Problem...
Das Konzept selbst ist in sich
widersprüchlich: Einerseits soll erst der Staat die Staatsbürgerschaft verleihen, andererseits sollen die Nationen aber bereits Tausende Jahre vorher existiert haben.
‚Blutrecht‘ und ‚Bodenrecht‘ werden miteinander vermischt. Diese Ambivalenzen werden nun in der Vorstellung der Mehrheitsgesellschaft unter anderem den ‚Zigeunern‘
zugeschrieben. Sie repräsentieren dabei einen angeblich vormodernen Gegenpol zu dieser nationalstaatlichen Entwicklung. Sie ignorieren scheinbar
die staatlichen Grenzen und lassen sich nicht in die angeblich fest verwurzelten nationalen Identitäten einteilen. Werden sie verfolgt und beseitigt wird auf
diese Art und Weise symbolisch die ‚nationale Ordnung der Welt‘ wieder hergestellt. Das heißt im Klartext, dass sich bspw. die ungarische Identität
ganz eindeutig in Abgrenzung zu ‚den Zigeunern‘ herstellt. Zum Zweiten macht es all jenen, die sich nicht so eindeutig mit der Nation identifizieren
klar, dass sie damit potentiell mit Verfolgung zu rechnen haben, weil sie sich ‚zigeunerisch‘ verhalten. So wird der Vorwurf des ‚vaterlandslosen Gesellen‘ zu einer offenen Drohung.
Auf eine ähnliche Art und Weise entstehen die Stereotype der ‚zigeunerischen
Faulheit‘ und der ‚Zigeunerkriminalität‘. Diese Vorstellungen stehen in engem Zusammenhang mit der Durchsetzung der Arbeitsgesellschaft in Europa seit
dem siebzehnten Jahrhundert. ‚Fleiß‘ und später ‚Produktivität‘ werden zu zentralen Tugenden der europäischen Gesellschaften. ‚Wer nicht arbeitet soll
auch nicht leben‘ könnte dieses neue Motto genannt werden.
‚Zigeuner‘ werden in den antiziganistischen Vorstellungen der
Mehrheitsgesellschaft widerum zum vormodernen Gegenpol stilisiert. Ihnen wird genau das vorgeworfen, nicht zu arbeiten und trotzdem zu leben, indem
sie vorgeblich wie ein ‚Parasit‘ am Leib der ‚Wirtsgesellschaft‘ – oder mit nationalsozialistischen Termini ausgedrückt am ‚Volkskörper‘ – leben würden.
Auch hier tauchen beide oben erwähnten Funktionen wieder auf: Zum Ersten benötigt der Stolz auf die eigene ‚ehrliche Arbeit‘, auf den ‚Fleiß‘ zur
Abgrenzung die Vorstellung von der ‚zigeunerischen Faulheit‘. Wenn diese ‚ehrliche Arbeit‘ – wie in Krisenzeiten – nicht dazu führt, dass die
Volkswirtschaft rund läuft, werden folglich unter anderem ‚die Zigeuner‘ dafür verantwortlich gemacht. Zum Zweiten werden auch hier Drohungen an all jene
ausgesprochen, die sich vermeintlich ‚zigeunerisch‘ verhalten. In vielen Diskursen werden Begriffe wie ‚Asoziale‘, ‚Bettler‘ und eben ‚Zigeuner‘ beinahe synonym verwendet.
Eine ähnliche Analyse lässt sich für viele andere zentrale Stereotype des
Antiziganismus durchführen: Patriachale Vorstellungen einer tugendhaften Weiblichkeit, die sich dem Mann unterzuordnen hat bspw., benötigen als
Gegenbild die Vorstellung der triebgesteuerten hochsexualisierten ‚Zigeunerin‘ à la Carmen, die die Männer um den Verstand bringt und somit ihre Vorherrschaft bedroht.
P.L.: Heißt das: Die dominierende Identität stärken bedeutet immer, die
Roma zu schwächen?Oder auf Ungarn bezogen: Die Berufung auf „ungarische Werte“ und der „physische und psychische Schutz des Ungarntums“ – die
Existenzrechtfertigung der „Ungarischen Garde“ - führt im Ergebnis zur Ausgrenzung und Abwertung von Roma?
Diese Frage würde ich mit ‚ja‘ beantworten. Solche Äußerungen meinen in
letzter Konsequenz implizit oder explizit immer, dass all jene Gruppen, die in diesem Sinne nicht zum ‚Ungarntum‘ gezählt werden, beseitigt, kontrolliert,
eingeschränkt, beherrscht oder gar vernichtet werden müssen. Dabei sind die als ‚Zigeuner‘ gedachten Roma nicht die einzige Gruppe, die als Gegenbild zu
einer ungarischen Identität fungieren. Bei der „ungarischen Garde“ findet sich bspw. auch ein ausgeprägter Antisemitismus sowie eine starke antislowakische Einstellung.
Beerdigung einer Mutter, die 2009 in Ungarn von Extremisten erschossen worden ist.
P.L.: Die Ausführungen sind sehr theoretisch und gründen sich auf eine
lange Vorgeschichte. Gibt es nicht naheliegendere Gründe für den Hass gegen Roma? In Ungarn zum Beispiel. In der Wirtschaftskrise hat der Antiziganismus Konjunktur...
Das muss sich nicht widersprechen. Was ich bis jetzt geschildert habe, ist der
allgemeine gesellschaftliche Hintergrund des Antiziganismus. Damit ist aber noch sehr wenig darüber ausgesagt, in welchen historischen Situationen er sich
stärker oder schwächer ausgeprägt zeigt. Aber die Verknüpfung mit der Idee der ‚ehrlichen Arbeit‘ deutet bereits darauf hin, dass es in einer
Wirtschaftskrise, in der diese Idee ins Wanken gerät, wahrscheinlich ist, dass der Hass auf den vorgestellten Gegenpol der ‚ehrlichen Arbeit‘ zunimmt. Das
geht bis hin dazu, dass die ‚Zigeunerkriminalität‘ für einen Teil der Krise verantwortlich gemacht wird.
P.L.: Was haben Antiziganismus und Kirche miteinander zu tun? Die Werte
bestimmter christlicher Kirchen, Enthaltsamkeit, Fleiß und Sparsamkeit – die protestantische Ethik –, enthalten viele der von Ihnen erwähnten Elemente.
Die konservativen bis rechtsextremen Bewegungen in Ungarn wie Jobbik berufen sich, neben der Nation, auch auf die Kirche. Ist nicht der Antiziganismus ein schlechtes Erbe der Religion?
Diese Frage muss in dreierlei Hinsicht beantwortet werden. Mit einem „Ja“ in
der Hinsicht, dass in der frühen Neuzeit der Antiziganismus sehr stark religiös geprägt war: ‚Zigeunern‘ wurde u.a. vorgeworfen mit dem Teufel zu
paktieren, die Nägel für die Kreuzigung Christi geschmiedet zu haben, der heiligen Familie auf dem Weg nach Bethlehem die Herberge verweigert zu
haben, von Kain abzustammen und ihre Religion ständig zu ihrem eigenen Vorteil zu wechseln. Diese religiösen Bilder – zur damaligen Zeit schwere
Vorwürfe – sind heute nicht mehr dominant, doch gehören sie weiterhin gewissermaßen zum kulturellen Gedächtnis.
In zweiter Hinsicht kann ich die Frage ebenfalls mit einem – eingeschränkten –
„ja“ beantworten. Religion im Allgemeinen und auch das Christentum weisen immer enge Verbindungen zu den sozialen Verhältnissen auf. Andererseits wird
Religion auch immer von den je aktuellen Geistesströmungen verschieden interpretiert. Sie haben ja selbst auf die „protestantische Ethik“ hingewiesen,
ein Begriff, der ja erst durch Max Webers Untersuchung seines Verhältnisses zum „Geist des Kapitalismus“ berühmt geworden ist. Religionen bilden bis zu
einem gewissen Grad also auch eine Art Legitimationsbasis für die jeweils vertretenen Ideologien und Positionen. Insofern beziehen sich die
Konservativen und Rechtsradikalen auf ihnen genehme religiöse Positionen und können auch damit ihren Antiziganismus begründen. Ich glaube allerdings
nicht, dass ihr Antiziganismus direkt aus der antiziganistischen Tradition des Christentums herrührt.
P.L.: Welchen Einfluss hatte der Systemwechsel auf den Antiziganismus? Im
Kádár-Regime wurden die Roma zwangsumgesiedelt und zur Arbeit gezwungen, jetzt ist die Arbeitslosigkeit ihr Hauptproblem. Doch der
Antiziganismus scheint in allen Ländern des ehemaligen Ostblocks zuzunehmen...
Ein Grund für das starke Anwachsen des Antiziganismus seit dem
Systemwechsel ist das Wiedererstarken nationalistischer Bestrebungen besonders in Ost- aber auch in Westeuropa. Politik wird an ‚ethnischen
Gruppen‘ orientiert und ‚ethnische Spannungen‘ diktieren die Tagesordnung. Diese Politik steht in der Tradition des Nationalismus, den ich bereits eingangs
als eine der Ursachen des Antiziganismus beschrieben habe. Veränderte Anforderungen durch die neue Wirtschaftsordnung und eine sich
verschlechternde ökonomische Situation haben zu massenhaften Entlassungen geführt, die in vielen Staaten gemäß ethnisierter Arbeitsteilung zuerst jene
getroffen haben, die in antiziganistischer Weise als ‚fremd‘ und noch dazu als ‚faul‘ wahrgenommen wurden: die Roma.
Dieses Haus in Nordostungarn wurde erst angezündet, der flüchtende Vater und sein Kind hingerichtet. Ungarn 2009.
P.L.: Herr End, heißt das alles
in allem, dass eine Beendigung der Diskriminierung nicht zu erwarten ist? Oder anders gefragt: auf welchen Wegen lässt sich der Antiziganismus überwinden? Welche
Erfolgsaussichten sehen Sie für Ungarn?
Ich bin in dieser Hinsicht leider eher pessimistisch. Die Ursachen des
Antiziganismus liegen tief in der europäischen Kultur und Tradition begraben. Diese vollkommen zu beseitigen erscheint derzeit nahezu unmöglich. Aber es
ist möglich auf politischem Wege zumindest die Bedingungen dafür, dass sich die Vorurteilsstruktur des Antiziganismus in praktische Handlungen wie
Sprengstoffanschläge, Polizeiwillkür und diskriminierende Schulpolitik – um nur drei zufällige aber für Roma in Ungarn alltägliche Beispiele zu nennen – zu
beschneiden. Dazu gehören eine Reihe von Defensivmaßnahmen wie durchsetzungsfähige Antidiskriminierungsgesetze, die Beendigung der
staatlichen Segregationspolitik, die politische Ächtung hetzerischer Medienberichterstattung und – nicht zuletzt – die vollständige Anerkennung der
Roma als Opfer der Massenvernichtung durchgeführt in gemeinsamer Arbeit durch die nationalsozialistischen Deutschen und die ungarischen Pfeilkreuzler.
Dies wären Maßnahmen, die in der Gegenwart politisch durchsetzbar wären.
Allerdings muss auch hier festgehalten werden, dass der ernsthafte politische
Wille, eine solche anti-antiziganistische Politik durchzusetzen einerseits meist nicht vorhanden ist und andererseits keinesfalls viele Stimmen bei den
anstehenden Wahlen einbringen würde. Ich befürchte also alles in allem eine weitere Verschlechterung der Situation der Roma in Ungarn.
P.L.: Warum können Roma nicht einfach in die ungarische Identität
aufgenommen werden? Immerhin war Ungarn mal ein „Vielvölkerstaat“, der den Roma, als sie 1498 in Deutschland für vogelfrei erklärt wurden, ein gastliches Asyl gewährt hat...
Bitte erlauben Sie mir, zuerst einmal an der These eines gastlichen Asyls in
Ungarn zu zweifeln. - Zu Ihrer Frage: Es spricht theoretisch nichts dagegen, die ungarische Minderheit der Roma als einen Teil der ungarischen Identität
anzunehmen. Es gibt keine unüberwindlichen kulturellen Gegensätze oder Ähnliches. Und alle Nationen weisen trotz aller nationalen Propaganda sehr unterschiedliche kulturelle Traditionen auf.
Das Problem liegt bei der ungarischen Mehrheitsbevölkerung, die Roma nicht
einfach als eine Gruppe von Menschen wahrnimmt, die seit Jahrhunderten unter systematischer Ausgrenzung und Verfolgung zu leiden hat, sondern eben als ‚Zigeuner‘.
Das Gespräch führte Frederic Heine
Zum Thema:
Im Pester Lloyd vor 100 Jahren:
Zigeunerstempeln
Brepohl vs. Bársony: Eine Debatte von gestern und heute
...man möchte doch den Zigeunern alle Wagen und Pferde
abnehmen, um sie dadurch zum Aufgeben des Nomadenlebens zu zwingen. Auch sollen ihnen alle Waffen und Messer abgenommen werden, ferner solle man jedem
Zigeuner an einem sichtbaren Teile des Körpers eine Nummer abstempeln, um so eine Kontrolle derselben zu ermöglichen... Zum Beitrag
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