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(c) Pester Lloyd / 39 - 2010
POLITIK 01.10.2010
Golden Reis
Arbeitet die Präsidentin der EU-Lebensmittelaufsicht für die GenTech-Lobby?
Harsche Kritik und die Aufforderung zum sofortigen Rücktritt erreicht die Präsidentin der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, Prof. Diana Bánáti aus
Ungarn. Wie Recherchen von Greenpeace ergaben, sitzt Bánáti nämlich gleichzeitig im Vorstand des ILSI (International Life Sciences Institut), einer großen
Lobby-Vereinigung der Gentech-Industrie, die von sich freilich sagt, dass sie gar keine Lobby ist.
Gen-Tech-Lobby unterwanderte EU-Behörde
Der aus der Doppelfunktion hervorgehende
und offensichtliche Interessenskonflikt wurde von Diana Bánáti verschwiegen, so José Bové, Mitglied der Grünen Fraktion im Europäischen Parlament. „Die Gentech-Industrie hat ihre Leute
inzwischen bis in die Spitze der wichtigsten Lebensmittelbehörde, der europäischen EFSA, geschleust. In dieser Form ist die EFSA nicht mehr als eine Alibi-Einrichtung
zur Scheinprüfung von Gentech-Pflanzen. In Anbetracht der Lage brauchen wir ein sofortiges EU-weites Moratorium auf alle weiteren
Gentech-Zulassungen“, kommentiert Philipp Strohm, Gentechnik-Sprecher von Greenpeace.
Die Ungarin Prof. Diana Bánáti ist seit Juli 2008 Präsidentin der
europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Die Aufgabe der EFSA ist es, auf wissenschaftlicher Basis die Sicherheit von Lebensmitteln für rund 500 Millionen Menschen in Europa zu
prüfen und - in Kooperation mit der Industrie - Empfehlungen für die Mitgliedsstaten auszusprechen. ILSI hingegen, ist eine der größten privaten Lobby-Vereinigungen der Gentechnik-Industrie.
Sie besteht aus Mitgliedern wie Monsanto, Bayer, BASF oder Syngenta, Dupont, Coca Cola, Nestlé, Unilever, Groupe Danone und andere. Nicht ganz überraschend hat die EFSA seit ihrem
Bestehen noch keine einzige Gentech-Pflanze abgelehnt. Der Beurteilung der EFSA entsprechend, schlägt die Europäische Kommission die jeweilige
Pflanze den Mitgliedstaaten zur Zulassung vor. Hier gab es in der Vergangenheit häufig Streit, da einige Staaten, darunter Österreich, ein Risiko im Anbau von gentechnisch
veränderten Organismen sehen.
Gesundheitlich, ökologisch und ethisch bedenklich
Auch wenn der Einfluss gentechnisch veränderter Pflanzen auf die Gesundheit noch
weitgehend unerforscht ist, man sich über die Wechselwirkungen auf andere Arten streiten kann, unbestreitbar ist die ethische Frage: mit dem Versprechen auf
Ertragssteigerungen begeben sich vornehmlich Bauern in Entwicklungsländern in die Abhängigkeit von teurem, patentgeschützten Saatgut und kommen so vom Regen in die Traufe.
Grüne und NGO´s fordern den Rücktritt von Prof. Bánáti, die auch ein Institut in
Budapest leitet und eine Professur an der Corvinus-Universtität inne hat, - sowohl wegen des offenbaren Interessenskonfliktes, als auch wegen der intransparenten
Informationspolitik der EFSA-Präsidentin. So wurde, nach dem die Vorwürfe gestern bekannt wurden Daten auf der Website der EFSA geändert. Vorher stand zu lesen, das
ILSI sei ein "öffentliches" Forschungsinstitut, seit Abend ist das in "privates Forschungsinstitut" geändert. Auf der EFSA-Webseite http://www.efsa.europa.eu wurde zudem ein langes Statement über die Unabhängigkeit der Institution veröffentlicht, man
will belegen, dass man das EU-übliche Verfahren zur Überprüfung der Mitglieder eingehalten hat.
ILSI: Frau Professor ist die glaubwürdigste, unabhängige Expertin...
Die Lobbyisten reagierten in einer Presseaussendung auf ihrer Webseite mit dem üblichen
(Gen?)-Honig und behaupten rundweg, dass man gar keine Lobbyvereinigung ist. ILSI bringe lediglich Wissenschaftler aus der Industrie, den Behörden und der Forschung
zusammen um "faktenbasierte, objektive" Arbeit zu leisten. ILSI habe einen Ethikcodex, der Lobbying verbietet, man mache in seinen Publikationen auch keine
Politikempfehlungen, wobei man sich dann fragt, was ILSI dann überhaupt macht, da sie ja ganz offenbar eine private Prallelstruktur zur EFSA aufgebaut hat. Kernsatz der
Pressemitteilung, zu lesen auf http://www.ilsi.org ist, dass ILSI die Expertise von den
besten und unabhängigsten Wissenschaftlern auf dem Gebiet sucht, zu den Frau Bánáti gehört. Allein dieser Satz aus diesem Hause sollte genügen, mehr als skeptisch ob der
Unabhängigkeit der EU-Behördenpräsidentin zu werden.
Abb. 1: Greenpeace, Abb 2: EFSA
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