Kräftige Lohnzuwächse übertreffen erneut die Inflation, während Börse schwächelt und der Forint stabil bleibt.
Budapest. Die Bruttolöhne in Ungarn sind im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,7 Prozent auf durchschnittlich 764.100 Forint gestiegen. Das geht aus den am Donnerstag veröffentlichten Daten des Zentralen Statistikamts (KSH) hervor. Noch dynamischer entwickelte sich der Nettolohn, der um 11,0 Prozent auf 535.900 Forint zunahm. Ausschlaggebend waren neben den Lohnsteigerungen vor allem die ausgeweiteten Steuervergünstigungen für Familien mit Kindern sowie die Ausweitung der Einkommensteuerbefreiung auf weitere Mütter.
Da die Verbraucherpreise im Mai lediglich um 1,8 Prozent stiegen, erhöhte sich der Reallohn um 9,0 Prozent. Damit setzte sich die seit Monaten anhaltende Phase steigender Kaufkraft fort.
Auch der Medianlohn entwickelte sich robust. Er lag mit 615.600 Forint um 9,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahres und vermittelt ein aussagekräftigeres Bild der Einkommensentwicklung als der Durchschnittswert, der durch besonders hohe Einkommen beeinflusst wird.
Ohne die rund 66.700 Beschäftigten in öffentlichen Beschäftigungsprogrammen, deren durchschnittlicher Bruttolohn bei lediglich 158.600 Forint lag, erreichte der durchschnittliche Bruttolohn 776.900 Forint.
Öffentlicher Sektor führt – Börse gibt nach
Zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen zeigten sich nur geringe Unterschiede. Im Unternehmenssektor stiegen die Bruttolöhne um 8,5 Prozent auf durchschnittlich 772.300 Forint. Im öffentlichen Sektor legten sie um 9,4 Prozent auf 788.400 Forint zu. Beschäftigte im Non-Profit-Bereich erhielten durchschnittlich 792.900 Forint brutto, ein Anstieg von 8,9 Prozent.
Für den Zeitraum Januar bis Mai belief sich der durchschnittliche Bruttolohn auf 776.400 Forint, der Nettolohn auf 543.600 Forint. Die Jahreszuwächse von 12,4 beziehungsweise 14,6 Prozent wurden allerdings durch die im Januar ausgezahlten Sonderprämien für Angehörige der Sicherheitskräfte zusätzlich nach oben verzerrt.
An den Finanzmärkten fiel das Bild deutlich verhaltener aus. Der Leitindex BUX der Budapester Börse verlor am Mittwoch 1,74 Prozent und schloss bei 140.857 Punkten. Besonders stark geriet die OTP Bank unter Druck, deren Aktie knapp drei Prozent einbüßte. Auch MOL, Richter und Magyar Telekom verzeichneten Kursverluste. Während die Börsen in Warschau und Prag ebenfalls nachgaben, entwickelte sich der Pariser CAC 40 leicht positiv.
Der Forint zeigte sich dagegen nahezu unverändert. Am frühen Abend notierte die ungarische Währung bei 358,17 Forint je Euro und bewegte sich damit praktisch auf dem Niveau des Vortages. Gegenüber dem US-Dollar und dem Schweizer Franken gab der Forint geringfügig nach.
Die jüngsten Lohndaten zeigen zwar weiterhin einen deutlichen Einkommensanstieg, beantworten jedoch nicht die Frage, wie diese Zugewinne innerhalb der Bevölkerung verteilt werden. Dazu veröffentlichte Pester Lloyd bereits am Mittwoch die Analyse Ungarns Einkommensungleichheit erreicht neuen Höchststand, in der eine GKI-Studie eine zunehmende Konzentration von Einkommen und Vermögen bei den wohlhabendsten Haushalten dokumentiert.
Quellen: MTI.hu
Foto: Bertalan Soós/Wikipedia






