„Ungarischer Salon“ war der Titel des Konzertes von dem Ensemble Lewandowski in Mitte Juni an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Die Veranstaltung hatte einige Bezüge zu Ungarn: klassische Operetten, temperamentvolle Csárdás, feurige Zigeuner- und stimmungsvolle Tanzmusik bildeten einen Teil des breiten Repertoires. Der Gründer des Ensembles, der gebürtige Pole Boguslaw Lewandowski, als Geiger und Mitglied der Bamberger Symphoniker, zählt seit Jahrzehnten als ein bekennender Ungarn-Freund. Er liebt Salonmusik und gilt als großer Bewunderer der traditionellen und virtuosen Musik der ungarischen Zigeuner.
Aber nicht nur die flotten Klänge verzauberten die Zuschauer. Lewandowski verstand es gut, das Publikum mit charmanter Moderation, gewürzt mit humorvollen kurzen Geschichten aus der Musikwelt, durch eine imaginäre Reise zu begleiten, die nicht nur nach Ungarn, sondern auch nach Rumänien, Türkei, Irland und Argentinien führte.
Eine weitere Verbindung zu Ungarn könnte ebenfalls erwähnt werden: Bamberg, die oberfränkische Bischofsstadt ist seit 1992 Partnerstadt von Esztergom mit lebendigen kulturellen Beziehungen.
Die vorgeführten Werke stammten von Komponisten des 19. Jahrhunderts, wie der tschechische Antonín Dvořák, der argentinische Astor Piazzolla, der niederländische Arie Maasland, der wohlbekannte ungarische Operetten-Komponist Emmerich Kálmán, der britische Edward Elgar oder der gebürtige, nach Amerika ausgewanderte Österreicher Fritz Kreisler.
Kontrabass hinter Glastür
Wenn schon ungarische Klänge, dann bitte auch mit ungarischem Musiker: Mátyás Németh ist Kontrabassist und Mitglied des Ensembles.
Er studierte am Konservatorium in Győr und auch in zwei deutschen Städten: Karlsruhe und Bremen. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Hamburg, wo er beim NDR Elbphilharmonie Orchester spielte. Als Solo-Kontrabassist war er Mitglied der Essener Philharmoniker.
Seit 2009 lebt er in der oberfränkischen Bischofsstadt Bamberg und ist Mitglied der Bamberger Symphoniker. Auf zahlreiche Auftritte in den bedeutendsten Konzertsälen der Welt kann er zurückblicken: Carnegie Hall in New York, Berliner Philharmonie, Mailänder Scala, Kultur- und Kongresszentrum in Luzern, Musikverein in Wien oder Teatro Colón in Buenos Aires, um nur einige zu erwähnen.
Seine Liebe zu dem größten und tiefsten Streichinstrument hat eine liebevolle Geschichte:
„Mein Großvater besaß eine Streichinstrumentensammlung, aus der wir Enkelkinder die Geigen, Bratschen und das Cello spielen durften. Für uns blieb der Kontrabass hinter einer Glastür verschlossen. Als ich elf Jahre alt war, öffnete er eines Tages mit der Absicht mich zu trösten die Glastür, und ich durfte den Kontrabass ausprobieren. Das war Liebe auf den ersten Blick.“
Der junge Kontrabassist macht gerne musikalische Ausflüge in verschiedenen Stilrichtungen, sei es Zigeunermusik oder Gypsy-Jazz. In diesen zwei Genres findet er Leidenschaft, Virtuosität sowie Improvisationsfreiheit und bewusst kombiniert diese miteinander. Das Ergebnis aus diesen Inspirationsquellen gepaart mit künstlerischer Schaffenslust geben die Besonderheit aller Konzerte, die er mit seinem eigenen Trio „The Caravans“ zusammenstellt und auf verschiedenen Bühnen präsentiert.
Photo: Ildiko Kühn, Ungarischer Salon – ein Konzert des Ensembles Lewandowski an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Die Musiker ( von links nach rechts ) : Mátyás Németh, Kontrabass; Beate Roux, Klavier; Boguslaw Lewandowski, Violine; Michael Hamann, Violine und Zazie
Lewandowski, Viola.






