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Repräsentation zählt: Queerer Frauenfußball in Budapest – ein Gespräch mit den Veranstalterinnen

Anlässlich des Pride Month organisierte das ungarische lesbische Magazin und Community-Netzwerk qLit am 13. Juni zum dritten Mal ein Frauenfußballturnier, das auf dem Kunstrasenplatz der Eötvös-Loránd-Universität (ELTE) in Budapest stattfand. Neun Teams, die jeweils aus acht Spielerinnen bestanden, traten gegeneinander an. Der Fokus lag nicht auf sportlichem Wettbewerb, sondern auf dem gemeinsamen Gemeinschaftserlebnis. Auch Einzelpersonen ohne eigenes Team waren willkommen und wurden spontan in bestehende Mannschaften integriert. qLit ist ein ungarisches Magazin für women loving women (lesbisch, bisexuell, queer usw., einschließlich cis und trans Frauen). Neben der Veröffentlichung journalistischer Inhalte zu Kultur, Beziehungen, Coming-out-Erfahrungen und breiteren gesellschaftlichen Themen organisiert die Initiative regelmäßig Veranstaltungen, die darauf abzielen, die Sichtbarkeit queerer Menschen zu erhöhen und Räume für Vernetzung innerhalb der Community zu schaffen. Die Organisatorinnen bezeichnen das Turnier als einen „lesbischen Fußballcup“, betonen jedoch, dass die Veranstaltung für alle Frauen offen ist. Viele Teilnehmerinnen kommen gemeinsam mit Freundinnen und Freunden, Familienmitgliedern und Kindern.

Für Dorka Szekeres, Mitgründerin des qLit-Magazins, hat Fußball auch eine persönliche Bedeutung. Sie spielte den Sport selbst als Jugendliche, gab ihn jedoch schließlich auf, da sie ihn damals nicht für „mädchenhaft“ genug hielt. Später outete sie sich als lesbisch. Heute sieht sie Veranstaltungen wie dieses Turnier als eine Möglichkeit, traditionelle Geschlechternormen herauszufordern und neue Räume für Frauen und queere Menschen zu schaffen.

Orsolya Vida, die seit drei Jahren bei qLit aktiv ist, bringt ebenfalls einen langen Hintergrund im Fußball in die Organisation ein. Sie spielte fast ein Jahrzehnt lang Fußball auf Vereins- und Universitätsebene und stieß ursprünglich durch die Organisation von Kneipenquizzen zur Community. Heute organisiert sie das Turnier.

Information: Die Wurzeln des Pride Month liegen in den sogenannten Stonewall-Aufständen vom 28. Juni 1969. Ausgelöst durch eine Polizeirazzia im Stonewall Inn in der Christopher Street in New York City führten die Ereignisse zu Protesten, die heute als Meilenstein im Kampf für die Rechte der LGBTQIA+-Community gelten.

Dorka Szekeres (links), Mitgründerin des qLit Magazines und Orsolya Vida, Organisatorin des Events.
Dorka Szekeres (links), Mitgründerin des qLit Magazines und Orsolya Vida, Organisatorin des Events.

Warum ist diese Veranstaltung und Repräsentation im Sport im Allgemeinen wichtig für die Community?

Dorka Szekeres: Im LGBTQ+-Sport werden Aktivitäten nicht nur in Ungarn, sondern in ganz Europa, oft von Männern dominiert. Deshalb ist es wichtig, Veranstaltungen nur für Frauen zu organisieren. Sie ermöglichen es uns, eigene Räume zu schaffen und für uns zu beanspruchen. Dieser Fußballcup ist eine Möglichkeit, das zu tun. Wir organisieren außerdem alle zwei Wochen Tischtennisveranstaltungen für unsere Community. Fußball ist eine perfekte Sommeraktivität, weil hier niemand professionell spielt. Es geht darum, Spaß zu haben, zusammen zu sein, die Atmosphäre zu genießen und Zeit im Freien zu verbringen. Menschen können spielen, Kontakte knüpfen oder einfach ein Picknick machen.

Wie würden Sie die Sichtbarkeit von lesbischen Frauen im ungarischen Sport beschreiben?

Orsolya Vida: In einigen Ländern und Sportarten ist es mehr oder weniger akzeptiert, offen lesbisch zu sein, aber das ist in Ungarn nicht wirklich der Fall. International kennen wir viele offen lesbische Fußballspielerinnen, aber in Ungarn gibt es nur sehr wenige öffentlich sichtbare Beispiele. Ich habe fast zehn Jahre lang Fußball gespielt, und viele der Frauen, mit denen ich gespielt habe, waren lesbisch. Sie waren in ihren Kreisen geoutet, hatten aber keine öffentliche Sichtbarkeit, sodass die meisten Menschen das nie von ihnen wussten.

Dorka Szekeres: Um ehrlich zu sein, wollten einige ehemalige Profispielerinnen, die heute hier in Budapest zu uns gestoßen sind, nicht auf öffentlichen Fotos erscheinen. Sie sind innerhalb der Community geoutet, und es gibt viele Frauen wie sie, aber das breitere gesellschaftliche Klima macht es vielen Athletinnen noch immer schwer, öffentlich offen mit ihrer Identität umzugehen.

Haben Sie aufgrund dieser Veranstaltung Hass oder Gegenreaktionen erlebt?

Dorka Szekeres: Nein, nicht wirklich. Wir sind nicht in erster Linie eine Interessenvertretungsorganisation und außerhalb der Community nicht sehr sichtbar. Der Großteil unserer Arbeit konzentriert sich darauf, Programme und Räume für Community-Mitglieder zu schaffen. Deshalb wurden wir nicht in derselben Weise ins Visier genommen wie andere lesbische und LGBTQ+-Organisationen, die politische Interessenvertretung betreiben. Diese Gruppen waren in den letzten Jahren erheblicher Feindseligkeit ausgesetzt, insbesondere wenn sie Themen ansprachen, die manche Menschen als kontrovers betrachten, etwa Familienfragen oder Kinderrechte. Das ist nicht der Hauptfokus unserer Arbeit.

Welche Hoffnungen haben Sie im Hinblick auf die neue Regierung?

Dorka Szekeres: Wir sind vorsichtig optimistisch. Obwohl Péter Magyar sich selbst als relativ konservativ beschrieben hat, umfasst die neue Regierung Menschen mit sehr unterschiedlichen Ansichten. Im Moment versuchen wir, potenzielle Verbündete zu identifizieren und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bei Themen zu erkunden, die für die LGBTQ+-Community wichtig sind. Es gab bereits einige ermutigende Signale, darunter direkte Aussagen, die gegenüber LGBTQ+-Menschen positiv waren. Wir wissen, dass die kommenden Jahre nicht einfach sein werden, aber es gibt Gründe zur Hoffnung.

Jubel während eines der Spiele auf dem Kunstrasenplatz der  ELTE Universität.
Jubel während eines der Spiele auf dem Kunstrasenplatz der ELTE – Universität.

Wenn Sie sofort eine Veränderung anstoßen könnten, was wäre der erste Schritt der neuen Regierung?

Dorka Szekeres: Auch wenn wir eine lesbische Organisation sind, sehen wir uns als inklusive Organisation. Für mich wäre die erste Priorität die Aufhebung des Gesetzes Nr. 33, das transgeschlechtliche Menschen daran hindert, ihren Geschlechtseintrag rechtlich zu ändern. Der Schaden, den dieses Gesetz verursacht hat, betrifft die gesamte LGBTQ+-Community.

Orsolya Vida: Ein weiteres wichtiges Thema ist das Recht auf Adoption sowie die Aufhebung des sogenannten „Anti-Pädophilie-Gesetzes“, das die Darstellung queerer Menschen in Bildungsmaterialien und Schulbüchern einschränkt. Wir haben bereits Hinweise gehört, dass dieses Gesetz möglicherweise abgeschafft wird, und das wäre ein sehr wichtiger Schritt nach vorn.

Information: Mit dem Gesetz Nr. 33, das vom ungarischen Parlament im Mai 2020 als Teil eines umfassenderen Sammelgesetzes verabschiedet wurde, schaffte die Regierung unter Viktor Orbán die rechtliche Anerkennung des Geschlechts für transgeschlechtliche und intergeschlechtliche Menschen faktisch ab.

Quellen: qLit, Budeszentrale für politische Bildung, Amnesty International                                                       
Photos: Anna Katharina Breitling

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