DK-Chefin Klára Dobrev spricht von Druck auf Parteikandidaten, bleibt jedoch Details schuldig
Budapest. Die Vorsitzende der Demokratikus Koalíció Klára Dobrev hat in einem Interview mit ATV erneut Vorwürfe gegen Vertreter der Tisza-Partei bekräftigt, wonach diese versuchten, Kandidaten der DK durch Druck zum Rückzug zu bewegen. Konkrete Beispiele oder überprüfbare Details zu den angeblichen „Erpressungen“ wollte sie jedoch trotz mehrfacher Nachfrage nicht nennen.
Dobrev verwies stattdessen auf interne Umfragedaten, die ihre Partei bei 6 bis 7 Prozent sehen, während öffentliche Erhebungen lediglich Werte zwischen 2 und 5 Prozent ausweisen. Ihr erklärtes Ziel sei ein zweistelliges Ergebnis, da nur so ein Regierungswechsel realistisch sei. Es existiere eine erhebliche Wählerschaft, die zwar einen Machtwechsel wünsche, jedoch nicht bereit sei, die Tisza-Partei zu unterstützen.
Parteiinterne Eskalation
Auslöser ist der Rückzug der DK-Kandidatin Rita Kopping im Wahlkreis Bács-Kiskun 1.
Kopping begründete ihren Schritt mit der Notwendigkeit oppositioneller Kooperation, um einen erneuten Sieg der Fidesz zu verhindern.
Ihre Partei reagierte umgehend mit scharfen Vorwürfen und sprach von Erpressung seitens der Tisza. In einer Stellungnahme hieß es, Kopping habe Position und Geld über das Ziel eines Regierungswechsels gestellt. Zudem wurde angekündigt, sie aus der Partei auszuschließen. Parallel veröffentlichte Dobrev einen offenen Brief an Péter Magyar, in dem sie von wochenlangen Druckversuchen gegenüber DK-Kandidaten sprach sowie illegale Methoden seitends der Tisza nahelegt.

Kopping selbst wies sämtliche Vorwürfe zurück und betonte, keinerlei Verbindung zur Tisza-Partei zu haben. In einem Interview äußerte sie zudem deutliche Enttäuschung über ihre frühere Partei, der sie über ein Jahrzehnt angehört hatte.
Auch die lokale Organisation Szövetség a Hírös Városért, über die Kopping in Kecskemét ein Mandat erlangt hatte, wies die Anschuldigungen entschieden zurück. Die Vorwürfe entbehrten jeder sachlichen Grundlage und seien geeignet, den Ruf einer seit Jahren tätigen zivilgesellschaftlichen Initiative zu beschädigen. Man betonte ausdrücklich, weder eine politische Partei zu sein noch Verbindungen zur Tisza-Partei zu unterhalten.
Péter Magyar reagierte seinerseits mit einer scharf formulierten Stellungnahme. Er erklärte, die Mehrheit der Bevölkerung würdige jene Politiker, die durch Rückzug oder Nichtantritt die Interessen des Landes über die eigene politische Existenz stellten. Zugleich wies er die Anschuldigungen als haltlos zurück und bezeichnete sie als unbeachtlich im Kontext eines angestrebten politischen Systemwechsels.
Fragmentierte Opposition
Nach dem Rückzug der Grünen Partei sowie Momentum angesichts berechtigter Unsicherheit die parlamentarische Hürde von 5% zu überwinden, ist der Disput zwischen DK, eigenen Kandidaten und Tisza verständlich – Das ungarische Wahlsystem wurde von der regierenden Fidesz über die letzten 16 Jahre erheblich zugunsten der Regierung verändert.
Tisza profitiert von einer aus den Erfahrungen vergangener gescheiterter Wahlergebnisse der Opposition gewonnenen Erkenntnis der Bevölkerung: eine fragmentierte Opposition deren Parteien an der 5% Hürde scheitern hilft der regierenden Partei.
Dobrevs Kritik an der Tisza Linie ist strategisch berechtigt: es erscheint demokratisch müßig von Magyar zu betonen die Tisza müsse alle oppositionellen Stimmen vereinen und Konkurrenten sollten sich bestenfalls zugunsten der Nation aus der Wahl heraus halten – in unabhängigen Umfragen führt Tisza ohnenhin komfortabel auf Fidesz, während der Einzug der verbleibenden Oppositionsparteien DK, MKKP, MH unsicher ist, trotz Rückzug von Momentum und Grünen.
Quellen: 444.hu
Photo: Kopping Rita via Facebook






