Kaum Regen, ausgetrocknete Böden und anhaltende Hitze setzen der Landwirtschaft zu
Kecskemét/Szeged. Ungarns landwirtschaftliche Flächen leiden unter einer sich weiter verschärfenden Dürre. Zwar kam es in der vergangenen Woche nahezu täglich zu einzelnen Schauern und Gewittern, doch die Niederschläge blieben räumlich begrenzt und fielen meist zu gering aus, um die anhaltende Trockenheit wirksam zu lindern. Nach Angaben des staatlichen Wetterdienstes HungaroMet erhielten nur kleinere Gebiete im Transdanubien, im Raum Budapest sowie vereinzelt im Nordosten mehr als zehn Millimeter Regen.
In weiten Teilen des Landes blieb der Niederschlag dagegen nahezu aus. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich das Defizit auf 20 bis 60 Millimeter gegenüber dem langjährigen Durchschnitt. Im Zeitraum der vergangenen drei Monate erreicht der Fehlbetrag regional bereits 70 bis 120 Millimeter.
Die Bodenfeuchte befindet sich auf kritischem Niveau. Lediglich im Südwesten konnte sich die obere Bodenschicht durch die jüngsten Niederschläge etwas regenerieren. In den meisten Regionen sind die oberen 50 Zentimeter des Bodens jedoch extrem trocken. Im gesamten ersten Meter des Bodens fehlen nach Angaben von HungaroMet inzwischen Wassermengen, die rund 150 Millimetern Niederschlag entsprechen würden.
Hinzu kamen überdurchschnittlich hohe Temperaturen. Die Tageshöchstwerte lagen während der vergangenen Woche meist um 30 Grad Celsius, am Freitag und Samstag örtlich sogar bei rund 35 Grad. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen übertrafen die klimatischen Mittelwerte um drei bis fünf Grad.
Welche Kulturen sind besonders betroffen?
Besonders kritisch entwickelt sich die Lage für Mais und Sonnenblumen. Die Sonnenblumenbestände haben ihre Blüte größtenteils bereits abgeschlossen. Satellitendaten zeigen jedoch, dass ihre Biomasse außergewöhnlich gering ausfällt und vielerorts sogar unter dem Niveau des extremen Dürrejahres 2022 liegt.
Beim Mais ergibt sich ein stark regional unterschiedliches Bild. Während bewässerte oder begünstigte Flächen, insbesondere im südlichen Transdanubien, noch vergleichsweise gute Bestände aufweisen, sind unbewässerte Felder in weiten Teilen des Landes stark geschädigt. Nach Einschätzung von HungaroMet hat die seit Beginn der Vegetationsperiode nahezu ununterbrochen anhaltende Dürre vielerorts irreversible Ertragsschäden verursacht.
Auch die satellitengestützten Vegetationsindizes bestätigen die Entwicklung. Der aktuelle NDVI-Wert, der die Vitalität der Vegetation misst, liegt in weiten Landesteilen unter den Vergleichswerten von 2022. Der DMP-Index, der die oberirdische Pflanzenbiomasse erfasst, zeigt Anfang Juli nahezu landesweit deutlich geringere Werte als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
HungaroMet stuft derzeit den Großteil Ungarns als von schwerer landwirtschaftlicher Dürre betroffen ein. Seit dem 1. April herrschten während 77 Prozent des bisherigen Vegetationszeitraums auf mindestens 30 Prozent der Landesfläche mindestens mittlere Dürrebedingungen. Besonders häufig wurden Dürretage in den Komitaten Pest und Hajdú-Bihar registriert.
Für die kommende Woche erwartet HungaroMet zwar etwas wechselhafteres Wetter und etwas niedrigere Temperaturen, sieht jedoch kaum Chancen auf flächendeckenden Landregen. Einzelne Schauer und Gewitter werden voraussichtlich erneut nur lokal nennenswerte Niederschläge bringen.
Quellen: met.hu
Foto: met.hu
Aus dem Archiv von 2009:
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Diese Krise zeigt einmal mehr, dass wir die Lebensmittelversorgung nicht dem freien Markt überlassen dürfen. Wenn der staat jetzt entschlossen in solidarische, genossenschaftliche Bewässerungssysteme investiert, werden wir diese Herausforderung gemeinsam meistern und die Zukunft unserer Bauern sichern.
Das ist der absolute Widerspruch in sich selbst. Bewässerungskanäle usw. wurden gerade vom Staat vernachlässigt. Ein Staat, der mehr auf Grundwasser setzte als auf Erhalt vorhandener Strukturen. Überschwemmungen und Dürre hätten ohne diese staatliche Verweigerung gemildert werden können. Abgesehen von wenigen Ausnahmen ist dieses System nach wie vor im staatlichen Besitz und wo Unternehmer zuständig sind haben die im Eigeninteresse nichts verfallen lassen. Jetzt nach dem Staat statt dem Markt zu rufen ist widersinnig. Ein endlich einmal überlegtes Handeln des Staates zu fordern, das nicht auf Ideologie, sondern auf wissenschaftlichen und technischen Rat basiert ist Gebot der Stunde.