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Ausgabe 50 / 2008
10. bis 16. Dezember

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(c) Pester Lloyd / Nr. 05 - 2008 WIRTSCHAFT 26.01.2008
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Die Jungen übernehmen das Ruder

Ein Besuch bei Zwack Unicum in Budapest

Was macht den Unicum eigentlich so "einzigartig" und wie behauptetet sich ein mittleres ungarisches Familienunternehmen auf dem hart umkämpften und von Multis bestimmten Spirituosen-Markt in Mittelosteuropa? Bei einem Besuch der traditionsreichen Zwack-Unicum-Fabrik in Budapest führte uns Generaldirektor Frank Odzuck durch die heiligen Hallen.
 

Was macht den Unicum denn so "einzigartig"? - Die Antwort kommt prompt und wird, beim Rundgang durch die Produktions- und Lagerhallen des gründlich renovierten Stammhauses an der Soroksári út in Budapests 9. Bezirk durch eine den Atem beraubende gewürzkräuterschwangere Luft illustriert. Hier fließen aus Silos die speziellen Kräutermischungen, mit über 100 Gewächsen aus 5 Kontinenten zusammen: "Es ist vor allem der hohe Anteil an Destillaten, die hohe Kräuterdichte und die sorgfältige Extraktion.", sagt Frank Odzuck (Foto), die den Unterschied machen. Viele Kräuterschnäpse werden sonst nur mit Alkohol "angesetzt", hier wird quasi der Jus, das Parfum herausdestilliert. Verschiedene Zwischenstufen, Ruhephasen und eine lange Lagerung in uralten Weinfässern komponiert dann diese genussvolle "Medizin", die 2008 das 125. Jubiläum ihrer Patentierung feiern kann. Das Rezept? Schlaue Frage. Das ist natürlich streng geheim. Nur die Familie hat Zugang zu der uralten Rezeptur und: "...für den Fall der Fälle liegt ein Exemplar beim Erzbischof der Abtei von Pannonhalma unter Verschluss." Ein Hauch von Mystik mischt sich zwischen den Destillendampf.

Generaldirektor Frank Odzuck im Gespräch mit dem Pester Lloyd Autor
Marco Schicker, im Hintergrund: Firmenerbe Sándor Zwack auf einem
del-Pálinka-Plakat Fotos: Évi Fábian


"Ich bin zwar kein Ungar, aber Budapester"

Der aus Norddeutschland stammende Manager kennt Ungarn schon lange und gut, er studierte hier, arbeitete als Geschäftsführer bei Tchibo-Kaffee später bei Schöller bzw. Nestlé. Seine zwei Töchter gehen hier zur Schule. "Ich bin noch kein Ungar, aber durchaus ein Budapester geworden", beschreibt er sich selbst und seine Rolle in der weltläufigen Zwack-Familie, in der, im Gegensatz zum Rest des Landes, die junge Generation schon längst die Initiative ergriffen hat. Die Tochter des Firmenpatriarchen Péter Zwack (80), Izabella (Foto), kümmert sich in erster Linie um die Weinaktivitäten des Unternehmens und betreibt ein eigenes Weingut im Tokaj. Auch in den Society-Spalten des Boulevards ist die fesche Dame zu Hause, ob nun gewollt oder nicht. Sohn Sándor hat sich auf die Edel-Pálinkas (Nemes Pálinka) spezialisiert, die in der Manufaktur in Kecskemét gefertigt werden und an den einstigen Ausspruch des Prinzen Edward: "Mit Eis ist er besser als Whisky, im Tee besser als Rum." anknüpfen. Obwohl er, ihre königliche Hoheit mag verzeihen, pur, genauso wie auch der Unicum, wirklich am besten schmeckt.

"Die Ungarn sind - glücklicherweise - auch bei ihren Trinkgewohnheiten echte Patrioten und ihren angestammten Gewohnheiten weitgehend treu geblieben.", stellt Odzuck fest. Doch kein Grund, sich zurückzulehnen. Der Markt ist doch launisch, Moden wechseln sich ab, "...eine große Herausforderung war auch der Wegfall von Importzöllen durch den EU-Beitritt und auch der immernoch starke Forint habe einzelne Importmarken bereits preiswerter gemacht, als Produkte aus dem eigenen Hause."

Wie wirkt sich die Wirtschaftspolitik der Gyurcsány-Regierung auf die Geschäftssituation des Unternehmens aus? Die Bilanz sagt, die Steuerbelastung ist gestiegen... "Das stimmt, aber das 'Hauptproblem ist die mangelnde Steuermoral in Ungarn. Würden alle Unternehmen und Bürger die Steuern zahlen, könnte der Staat die Steuer- und Abgabenquote irgendwann senken. Die hohe Steuerlast wirkt sich natürlich durch den Verlust an Realeinkommen auf die Kaufkraft auf. Wobei wir bei Zwack Unicum noch Glück haben, da wir überwiegend im Premiumsegment zu Hause sind."

 

Vier Zielregionen werden Stück für Stück erobert

Innovation folgt Tradition: Die Entwicklung des "Unicum Next", einer Variante des magenfreundlichen Klassikers, die man im Gegensatz zum Ur-Unicum auch mal on the rocks trinkt und die etwas zitrusfruchtiger daherkommt, wurde durch ein umfassendes Engagement in der Gastronomie und clubbing-Szene des Landes ein echter Erfolg bei der jungen Generation. Mit dem Vertrieb zahlreicher internationelr Premiummarken, u.a. Johnnie Walker hat man sich ein weiteres Standbein aufgebaut. Vor allem aber verstärkte Exportaktivitäten sollen die Zukunft der Zwacks sichern. Überstürzt wird dabei nichts. Der Slogan "Think global, act local" hat gerade für ein Mittelstandsunternehmen existentielle Aussagekraft, denn einfach mal eben die Welt erobern zu können, wäre eine selbstmörderische Illusion.

"Wir setzen auf vier Schwerpunktregionen", erläutert Odzuck seine Strategie. "Traditionell stark vertreten sind wir im italienischen Markt, nicht zuletzt auch, weil die Zwack-Familie dort bis zur Wende überwiegend lebte und daher über exzellente Kontakte verfügt. Zudem trinken die Italiener ohnehin gerne Kräuter, was uns natürlich hilft. Der zweite Schwerpunktmarkt sind die Nachbarländer, u.a. die Slowakei und Rumänien. Dann ist Deutschland, hier vor allem Ostdeutschland ein wichtiges Zielland, schliesslich verbinden viele dort Ungarn mit ihren Urlaubserlebnissen und dem Hauch von Freiheit, den sie hier lebten. Und schliesslich beginnen wir mit der Bearbeitung des amerikanischen Marktes."

 

"Der ungarische "Vilmos" ist in den Szeneläden von Bratislava und auf den slowakischen Skipisten gerade das Kultgetränk Nr. 1"

Aber lassen sich ungarische Erfolgskampagnen z.B. in der Slowakei einfach so wiederholen? "Natürlich müssen wir uns auf die Märkte einstellen. Das funktioniert nur mit etablierten Partnern vor Ort und - wie überall - durch sehr gute persönliche Kontakte." Interessanterweise ist der aus dem Hause Zwack kommende "Vilmos" (ein Birnen-Palinka) zur Zeit in den Szeneläden von Bratislava und auf den Skipisten (wo man ihn sogar heiss trinkt) das Kultgetränk Nr. 1. Die vielen Dienstreisen, die zahlreichen Events, das Engagement der Mitarbeiter und der Famile zahlen sich also aus. In Amerika laufen erste Feldversuche, mittelfristig könnte die Exportquote von jetzt 15% verdoppelt werden.

 

Die Zwack-Story

Als Hofarzt Zwack Joseph II. 1790 eine Medizin reichte, rief dieser: "Das ist aber ein Unicum!" So begann die bewegte Geschichte einer ungarischen Markenlegende. Vor allem József Zwack gelang im 19. und frühen 20. Jahrhundert der Aufstieg von einer feinen lokalen Schnapsbrennerei zum Weltunternehmen.

Er expandierte nach Amerika ging lohnende Kooperationen ein, wurde zum Holfieferanten in ganz Europa. Bis zu 200 Produkte stellte Zwack in der k+k-Zeit her. Zwack war das erste Unternehmen, dass in Budapest große Leuchtreklamen einsetzte, die Plakate und Werbefilme sind heute echte Klassiker.

Der Deportation entkam die jüdische Familie durch viel Glück und die Flucht nach Amerika. Die Familie verzweigte sich, aber überlebte. Ein Teil blieb in Budapest und wurde im eigenen zwangsverstaatlichten Werk gedemütigt. Auch den Kampf gegen die Billigimitate der sozialistischen Planwirtschaft wurde letztlich gewonnen. Irgendwie gab es immer Wege an das rare Original heranzukommen "Als es keinen Unicum gab, hatten wir trotzdem welchen."

Nach der Wende kaufte Péter Zwack mit Hilfe der Familie Underberg, die bis heute Anteilseigner sind, die heruntergewirtschafteten Reste des Familienstolzes auf und machte sich an einen Neubeginn, , seit 1992 ist die Firma eine AG, später kam noch eine Beteiligung durch die Selviac B.V. hinzu, 24 % befinden sich in Streubesitz. Péter Zwack war zwischenzeitlich erster US-Botschafter des freien Ungarn und einziger unabhängiger Abgeordneter im Budapester Parlament.

Sein Unternehmen führte er an die Spitze zurück und kann beruhigt die Geschäfte an die Kinder Izabella und Sándor weitergeben, die sich freuen: "...die Geschichte weiterzuschreiben". Zwack Unicum sponsort heute u.a. das Nationalteam der Wasserballer, den Opernball, das Festivalorchester und ist wirtschaftlich wie gesellschaftlich wieder an dem ihm gebührenden Platze in Ungarn und Europa.

Marco Schicker
Fotos: Évi Fábian

Weitere Informationen zum Unternehmen, der Aktie,  Betriebsergebnissen, Produkten, Besichtigungen und mehr unter: www.zwack.hu

(c) Pester Lloyd

 

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