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(c) Pester Lloyd / 04 - 2010 KULTUR 30.01.2010
Die Blutgräfin
Báthory - der Film. Ein blutrünstiges Mittelalterspektakel mit nationalistischen Anwandlungen.
Es ist ein Spektakel aus viel Blut, außerehelichem Sex und klischéebeladenen Einblicken ins mittelalterliche Ungarn. Im neuesten Kinofilm des Slowaken Juraj
Jakubisko wird das Schicksal der vom Guiness Buch der Rekorde zur "größten Massenmörderin der Geschichte" stilisierten Gräfin Báthory, bearbeitet, dass die
Fetzen fliegen. Historische Sichtweisen versinken im Blut, zwei slawische Mönche als Sendboten der Aufklärung machen den Film zu einer absurden
Leinwandshow. Überall ist Renaissance, doch Ungarn verharrt im Mittelalter.
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Um Erzsébet Báthory, eine ungarische Gräfin aus dem 16. Jahrhundert ranken sich
zahlreiche Mythen und Legenden. Vor allem junge Mädchen soll die Dame gefoltert und ermordet haben, was aber nur mäßig belegt ist. Die Zahlen schwanken von 36
bis 650 Frauen. Fakt ist, dass Báthory offiziell und auch vom ungarischen König Matthias dem Zweiten verurteilt wurde. Ihr Adel rettete sie vor dem Tod, ihre Helfer
landeten auf dem Scheiterhaufen. Seit dieser Zeit wird sie immer wieder aufgegriffen, mal als Sinnbild des Grauens, dann als arme, getriebene, kranke Frau.
In der neuesten tschechisch/slowakischen Verfilmung des Stoffes hält sie als machtgeile Bestie hin, die durch den Mord an jungen Frauen ewige Jugend erhalten will.
Regisseur Juraj Jakubisko beschreibt seine
Motivation zu dem Film so: “Ich entschied, diesen Film zu machen, weil Gräfin Elizabeth Báthory die bekannteste österreichisch-ungarische Aristokratin war, die
dor tlebte, wo heute die Slowakei ist." Im übrigen glaube er nicht an die ganzen blutrünstigen Legenden, die man über sie erzählt, daher habe er seine eigene Legende
geschaffen, meint Jakubisko, die aber letztlich auch blutbeladen ist. Er beschreibt seinen Film als Genremix, mit Krimi- und Komödienelementen eingebettet in einen
historischen Rahmen. Er hätte auch sagen können, nichts Halbesund nichts Ganzes.
Großartige Aufnahmen und interessante Hintergründe
Aufgewachsen in einer Zeit des ungarischen Abwehrkampfes gegen die Osmanen,
hineingeboren in habsburgische Intrigen und Glaubenskonflikte, ist Blut und Gewalt der Alltag in den meisten Teilen des königlichen Ungarn. Diese Komponente wird
auch entsprechend ausgewalzt. Zunächst wirkt das Werk noch wie ein gut aufgemachter Historienfilm. Dieser mit 10 Millionen EUR teuerste Film, den sich die
Slowakei und Tschechien je geleistet haben, protzt mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen und üppigen Kostümen. Auch manche zeithistorische
Konflikte werden mitreißend dargestellt, z.B. der um den Kampf zwischen refomatorischen Adelshäusern und den erzkatholischen Habsburgern.
Misslungenes Experiment - nationalistische Slapstickeinlagen
Was aber die Geschichte der Gräfin Báthory selbst und die zahlreichen
Nebengeschichten angeht, so versagt der Film völlig. Völlig unmotiviert überfällt den Zusschauer Blut und Sex in teilweise völlig konstruierten Szenen. Das
Schockempfinden des Zuschauers wird bald überreizt und das können auch seltsam eingeblendete blaue Rosen und verschleierte Träume der Gräfin nicht kompensieren.
Angetrunkene, brüllende Adelige und ergebenes Bauernvolk mit Striemen und Narben am ganzem Körper sind die Haupteindrücke, so dass die Morde der Báthory in
diesem Meer des Schreckens mehr und mehr an Schrecken verlieren. Um die Handlung nicht völlig in Gemetzeln untergehen zu lassen, greift Regisseur Juraj
Jakubisko pseudo-historische Ideen auf, wie die Vorstellung, dass die Báthory auch ihre engsten Vertrauten, wie ihren zu allem Überfluss schwulen italienischen Maler, entblößte und verhöhnte.
Es ist klar, dass ein Film, der auf eine
Begebenheit bzw. Legenden des 16. Jahrhunderts zurückgeht, nicht immer historisch sein kann, dass es aber ausgerechnet zwei slawische Mönche sein müssen, die in aufklärerischer Frische durch
das Geschehen schreiten, bringt das Fass zum überlaufen. Auf der einen Seite also blutrünstige ungarische Adelige, die das Volk aussaugen und das alles besetzende Habsburg, aber auf der
anderen schimmert leise der allen bekannte weltläufige slawische Geist in Person von zwei Mönchen á la Name der Rose durch die Geschichte. Sollen die uns klar machen, dass
dieser Teil Ungarns erst in slawischer Hand zu einem menschenfreundlichen Pflaster werden konnte? Zum Glück ist der Film langatmig und überladen genug, sonst wäre er mit den beiden
slawischen Helden-Mönchen nur noch unfreiwillig komisch und absichtlich nationalistisch. Vielleicht war der Einschub der slawischen Sendboten eine Anordnung
des Kulturministeriums in Bratislava? Immerhin seht die Behörde auf der Liste der Finanziers. Interessanterweise beteiligte sich aber auch eine ungarische
Produktionsgesellschaft an dem 10 Millionen EUR-Projekt, damit dem teuersten Film aus CZ/SK.
Der Film leistet weder eine historische Aufarbeitung, noch ist er als Vertreter des
Action-Genres besonders gelungen. Das historische Ambiente, manche Charakterisierung haben ihren Reiz, insgesamt ist der Film aber eher eine
Enttäuschung. Regisseur Jakubisko resümiert, dass die Tragik der Gräfin darin besteht, in eine falsche Zeit hineingeboren zu sein. Dieses tragische Schicksal, so
resümieren wir, teilt sie mit dem Film über sie.
Tibor Wilhelm Benedek
Wo und wann läuft der Film?
Offizielle Webseite des Films
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