Hauptmenü

 

 

 

 

Share

 

(c) Pester Lloyd / 43 - 2010 WIRTSCHAFT 29.10.2010

 

Multis als Zahlmeister

Deutsche Firmen tragen höchsten Anteil an Krisensteuer in Ungarn

Die neue Krisensteuer der ungarischen Regierung wird deutsche Firmen am stärksten treffen, 34% der rund 650 Mio EUR pro Jahr entfallen auf sie. Rund 80% der neuen Steuern gehen auf Rechnung von Unternehmen in ausländischem Besitz. Während Handelsketten, Telekoms und Energieriesen, gebunden an den Binnenmarkt, für Ungarns Krise bluten sollen, werden “scheuere” Rehe wie die Autobranche hofiert.

Nach einer umfangreichen Analyse des Wirtschaftsmagazins Portfolio.hu entfallen auf ungarische Unternehmen rund 20% der zusätzlichen Steuerlast, aber 34% auf Firmen in überwiegend deutschem Besitz. Am härtesten werden die Magyar Telekom als Tochter der ungarischen Telekom getroffen, die rund die Hälfte der Steuern ihrer Branche (61 Mrd. HUF) alleine trägt, aber auch die großen Energieversorger E.ON, EnBW und RWE werden aufgrund ihrer Marktstellung und Umsätze viel zahlen. Die Energieunternehmen werden insgesamt nicht nur rund 70 Mrd. HUF Sondersteuer aufbringen müssen, sondern dürfen auch noch die Verlängerung der Robin-Hood-Steuer (nochmal 8% auf die Gewinne) tragen. Hier wird allerdings die MOL als umsatzstärkstes Unternehmen Ungarns überhaupt die höchsten Einzelposten zu blechen haben.

CBA darf sich heraustricksen

Auf britische Unternehmen in Ungarn kommen rund 16% Anteil zu, wobei hier vor allem Tesco das meiste zu zahlen hat, die größte Handelskette schultert rund ein Drittel der Steuern der Handelsketten (30 Mrd. HUF), danach folgdie ungarische Coop sowie Auchan und Cora (Frankreich, insgesamt 6%) sowie weitere acht deutsche Handelsketten von Aldi über Obi bis Lidl. Auf Norwegen kommen 8% der Gesamtlast, hauptsächlich durch Telnor (früher Pannon GSM). Unternehmen aus Russland, USA, Italien und Rumänien tragen jeweils rund 2-5% der Krisensondersteuer. Wie vermutet, wertet das ungarische Finanzamt die zweitgrößte ungarische Handelskette CBA als Franchiseunternehmen womit die Steuer auf die einzelnen Geschäfte heruntergerechnet werden kann. Durch die Abstufung kommt das einheimische Unternehmen daher deutlich günstiger weg, kleinere Filialen könnten sogar ganz der Zahlung entgehen.

“Ungarische Steuerpolitik ist Gift für Investitionen”

Entsprechend fallen die Reaktionen in Deutschland aus, man spricht in Wirtschafts- und Lobbykreisen von einer einseitigen "Bestrafung", hat zwar Verständnis für die Budgetnöte der Regierung, hält aber eine solche Krisensondersteuer einer langfristigen Voraussagbarkeit der Wirtschaftspolitik für abträglich, da niemand wisse, was ab 2013 auf die Unternehmen zukommt, wenn diese Steuer eigentlich ausläuft. Diese Verlässlichkeit wiederum ist jedoch die Voraussetzung für Investitionsentscheidungen. Andere sprechen von Unvereinbarkeiten mit EU-Recht, Klagen sind zu erwarten.

Rekordinvestitionen in Ungarn

Wovon die wenigsten sprechen, sind die zahlreichen Steuervergünstigungen, direkten und indirekten Investitionsbeihilfen, vor allem in den Neunziger Jahren sowie die satten Profite, die viele Unternehmen in Ungarn, vor allem die Multis, bereits realisiert und zum nicht geringen Teil auch exportiert haben. Die Orbán-Regierung hat sich für die Sonderbelastungen absichtlich solche Branchen herausgesucht, die nicht einfach den ungarischen Markt verlassen können, weil sie von ihm leben. Das "scheue" produzierende Gewerbe wurde jedoch verschont, Audi, Opel, Suzuki, Hankook und Mercedes investieren zusammen Milliarden von Euro in neue Werke. (mehr dazu hier)

Mehr zum Thema:

 

Die ausführliche Analyse finden Sie hier (engl.)
http://www.portfolio.hu/en/cikkek.tdp?k=2&i=21139

Politische Hintergründe, genaue Berechnung der neuen Krisensteuer hier

 

DISKUTIEREN SIE ZU DIESEM THEMA IM GÄSTEBUCH

 

 



 

 

IMPRESSUM

 

Pester Lloyd, täglich Nachrichten aus Ungarn und Osteuropa: Kontakt