Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Milliarden in Bewegung – Ungarn stoppt die TAO-Sportgelder

Kurz bevor sie das System abschaltet, legt die Regierung erstmals offen, wohin die TAO-Sportmilliarden geflossen sind: 1.408 Milliarden Forint seit 2015/16, umgerechnet rund 3,6 Milliarden Euro. Ab 2027 zahlt der Haushalt direkt – ob das transparenter wird, muss erst gezeigt werden.

Budapest. Die Regierung hat eine interaktive „Sportförderungs-Landkarte“ ins Netz gestellt: 28.688 geförderte Programme, 3.119 Begünstigte, elf Förderperioden seit der Saison 2015/16. Zugleich kündigt das Kanzleramt das Ende des Instruments an, das diese Zahlen hervorgebracht hat: Ab 2027 wird das TAO-Sportsponsoring durch direkte Haushaltsmittel ersetzt.

TAO steht für „társasági adó“, die ungarische Körperschaftsteuer. Seit 2011 dürfen Unternehmen einen Teil dieser Steuer statt an den Fiskus an Vereine und Verbände in sechs Mannschaftssportarten überweisen – Fußball, Handball, Basketball, Wasserball, Eishockey, später auch Volleyball – und erhalten dafür eine Steuergutschrift. Dem Staatshaushalt entgeht das Geld in jedem Fall; faktisch ist TAO also öffentliche Sportförderung, über deren Adressaten private Sponsoren entschieden. Seit 2015/16 wurden Unterstützungsbescheinigungen über 1.408 Milliarden Forint ausgestellt, umgerechnet rund 3,6 Milliarden Euro.

die interaktive Sport-TAO „Landkarte“: https://kormany.hu/sporttao

Die Begründung für die Veröffentlichung liefert das Kanzleramt gleich mit: Mittel, die öffentlichen Geldern gleichzusetzen seien, müssten „transparent, fachlich begründet und ohne politischen Einfluss“ bei den Sportorganisationen ankommen; die Daten sollten auch jene Fälle sichtbar machen, deren Verwendung und Abrechnung „weitere Prüfungen“ rechtfertigen. Dazu ein bemerkenswertes Eingeständnis: Die Förderung habe „die an sie geknüpften Erwartungen in mehrfacher Hinsicht nicht erfüllt“, die gesellschaftliche Rendite stehe „nicht im Verhältnis“ zum Einsatz.

Fußball zuerst, der Rest danach

Größter Profiteur ist der Fußball. Der Verband MLSZ beziffert die TAO-Zuflüsse an die Vereine seit 2011 auf 407,7 Milliarden Forint, dazu 135,3 Milliarden für zentrale Verbandsprogramme. Der Rechnungshof ÁSZ rechnet vor, dass die TAO-Erleichterungen 2022 bis 2025 rund 15 bis 20 Prozent der gesamten staatlichen Sportausgaben ausmachten – Ausgaben, die von 38,9 Milliarden Forint im Jahr 2010 auf 441 Milliarden im Jahr 2020 gewachsen sind.

Verteilt wurde höchst ungleich. Zwar genehmigte allein der Fußball Programme in über 900 Gemeinden, und die Zahl der geförderten Organisationen stieg laut ÁSZ von 7.563 im Jahr 2011 auf 10.466 im Jahr 2024. Die großen Summen aber konzentrierten sich auf wenige, infrastrukturell hochgerüstete Standorte.

Gefördert wurde, was formal als Antrag taugte und einen Sponsor mit Steuerlast fand – Regionen mit dünner Unternehmensbasis gingen oft leer aus.

Was die Landkarte nicht zeigt

Die neue Offenheit hat Grenzen. Die Summen zeigen ausgestellte Bescheinigungen, nicht tatsächlich geflossenes oder ausgegebenes Geld; ob eine Förderung beim gelisteten Klub ankam oder über Verbände und Akademien weitergereicht wurde, ist den Tabellen nicht zu entnehmen. In 240 Fällen lässt sich laut Regierung überhaupt keine konkrete Zuwendung hinter den Papieren nachweisen. Und Ergebnisse fehlen ganz: Wie viele Kinder im Vereinssport geblieben sind, wie die neuen Hallen und Stadien ausgelastet sind – solche Daten wurden nach Befund des Rechnungshofs über Jahre nicht systematisch erhoben.

Ab 2027 sollen Sportorganisationen direkte Haushaltsmittel bekommen. Die Regierung verspricht ein System, in dem „verfolgbar sein wird, wohin das öffentliche Geld fließt, und einforderbar, wie vielen Kindern es Sportmöglichkeiten schafft“. Wie viel Geld das sein wird, sagt sie nicht – zur Orientierung: Für 2022 bis 2026 weisen die bisherigen Übersichten rund 500 Milliarden Forint TAO-Volumen aus. Ob aus der Steuerumleitung ein kontrollierbares Förderinstrument wird oder nur ein Topf mit anderem Etikett, entscheidet sich an den Vergabekriterien. Die hat bisher niemand gesehen.

Quellen: MTI, kormany.hu, asz.hu
Photo: Die Pancho Arena in Felcsút, Heimstadion des Puskás Akademia FC in Ungarn – ein Beispiel für neuere Sportinfrastruktur im Land, Schrödischröd / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Titelseite der aktuellen Pester-Lloyd-Wochenzeitung

Neu · Jeden Freitag als PDF

Der Pester Lloyd als Wochenzeitung – wie früher am Kiosk, nur digital

Ausgabe 19.–25. Oktober 2026, 16 Seiten im großen Zeitungsformat. Darin unter anderem:

• Radfahrende Studenten gegen Vučićs SNS & Korruption – Serbien vor entscheidenden Wahlen• PHP2Shell legt Ungarn lahm – Schwere Sicherheitslücke in Programmiersprache PHP legt Staatsservice auf Eis

Zeitung ansehen – 2,50 €

In eigener Sache – Ihr Kauf unterstützt unabhängigen Journalismus ohne Paywall.

0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x