Die ungarische Regierung plant umfassende Haushaltsanpassungen, um die Staatsverschuldung zu reduzieren und Steuerreformen umzusetzen, während die Inflation und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen herausfordernd bleiben.
Budapest. Die ungarische Regierung hat umfassende Haushaltsanpassungen angekündigt, obwohl für 2026 zunächst eine steigende Staatsverschuldung und ein höheres Haushaltsdefizit in Kauf genommen werden, um die Budgetplanung an die tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklungen anzupassen und mittelfristig Konsolidierung zu erreichen. Finanzminister Kármán András präsentierte eine Modifikation des Haushaltsplans für 2026, die einen Anstieg des Haushaltsdefizits und eine mögliche Erhöhung der Staatsverschuldung auf 77,5 Prozent des BIP erwarten lässt. Gleichzeitig wird das Haushaltsdefizit auf 7,5 Prozent des BIP angehoben. Die Wachstumsprognose wurde von 4,1 Prozent auf 2 Prozent gesenkt.
Der Haushalt für 2026 wurde offiziell geändert, wobei das Defizit auf 7110 Milliarden Forint angehoben wurde, verglichen mit zuvor 4218 Milliarden Forint. Diese Anpassung wird als notwendig erachtet, um die finanziellen Herausforderungen zu bewältigen, die durch die Erbschaft einer hohen Staatsverschuldung entstanden sind. Um das Haushaltsdefizit von 7,5 Prozent im Jahr 2026 auf 4,9 Prozent im Jahr 2027 zu senken, plant die Regierung Ausgabenkürzungen in Höhe von 1018 bis 1020 Milliarden Forint.
Datentabelle
| Wert | Veränderung zur Vorwoche |
|---|---|
| BUX | −0,9 % |
| WIG 20 | −0,6 % |
| ATX | −4,4 % |
| DAX | −1,7 % |
| Euro Stoxx 50 | −2,2 % |
| S&P 500 | −0,5 % |
| Shanghai Composite | −0,7 % |
Steuerreformen und Unterstützung für Haushalte
Die ungarische Regierung hat zudem Steuerreformen angekündigt, die darauf abzielen, die Steuerlast für Geringverdiener zu senken, während gleichzeitig große Unternehmen stärker belastet werden sollen. Ministerpräsident Magyar Péter kündigte im Parlament eine Senkung der Einkommensteuer auf 9 Prozent für Einkommen bis zur Mindestlohngrenze an. Zudem wird die Familienbeihilfe ab 2027 verdoppelt, was laut Regierungsangaben zusätzliche Kosten in Höhe von 300 Milliarden Forint verursachen wird.
Im Rahmen der Steuerreformen plant die Regierung eine Erhöhung der Unternehmenssteuerbelastung für Firmen mit einem Jahresumsatz von über 180 Milliarden Forint auf etwa 11 Prozent. Darüber hinaus wird die Werbesteuer von 0 auf 3,75 Prozent angehoben, was zusätzliche Einnahmen für den Haushalt generieren soll. Für den neuen Haushalt 2027 ist vorgesehen, dass große Unternehmen stärker belastet werden: So soll die effektive Körperschaftsteuerbelastung für Firmen mit einem Jahresumsatz von über 180 Milliarden Forint auf etwa 11 Prozent steigen, und für sehr große Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 500 Millionen Euro ist ein Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent geplant. Es wird zudem mit einer relativ geringen Inanspruchnahme der vorgesehenen staatlichen Unterstützungen für Wohnungsrenovierungen gerechnet.
Forint und Inflation – Geldpolitik der MNB
Die ungarische Nationalbank (MNB) hat entschieden, den Leitzins bei 5,5 Prozent zu belassen und damit ihre vorsichtige Geldpolitik angesichts hoher externer Inflationsrisiken fortzusetzen. Nach den Ausführungen von Präsident Varga Mihály entsprach die Beibehaltung des Zinsniveaus den zuvor geäußerten Markterwartungen. Diese Maßnahme reflektiert die Herausforderungen, die durch hohe Energiepreise und Unsicherheiten auf globalen Märkten entstehen.
Zuletzt lag der Forint am Abend bei 364,1 Forint pro Euro, was einem leichten Rückgang von rund 0,3 Prozent im Vergleich zum Vortag entsprach. Gegenüber dem US-Dollar stieg der Forint in dieser Tagesbewegung um etwa 0,1 Prozent auf rund 323 Forint.
Auswirkungen globaler Entwicklungen auf Ungarn
Globale Entwicklungen, insbesondere steigende Rohstoffpreise und wirtschaftliche Unsicherheiten in der Eurozone, haben direkte Auswirkungen auf die ungarische Wirtschaft. Der Preis für Brent-Öl lag zuletzt bei 111,7 Dollar pro Barrel, was im Wochenvergleich einem Anstieg von 1,7 Prozent entspricht und den höchsten Stand seit Dezember 2022 markiert. Dieser Anstieg wird durch die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten sowie die damit verbundenen Ängste vor weiteren militärischen Auseinandersetzungen angetrieben.
Zudem verzeichnete der Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Euro-Raum im Oktober einen Rückgang auf 51,9 Punkte, den niedrigsten Stand seit vier Monaten. Diese Verlangsamung wird auf steigende Energiekosten und politische Unsicherheiten in Frankreich zurückgeführt.
Datentabelle
| Datum | Erdgas TTF (EUR/MWh) |
|---|---|
| 25.9.2026 | 72,07 |
| 30.9.2026 | 72,36 |
| 5.10.2026 | 73,51 |
| 8.10.2026 | 78,85 |
| 13.10.2026 | 87,22 |
| 16.10.2026 | 87,55 |
| 21.10.2026 | 87,43 |
| 23.10.2026 | 93,85 |
Börse und Märkte
Der BUX-Index verzeichnete in der vergangenen Woche einen Rückgang von 0,9 Prozent und schloss bei 142.049 Punkten. Auch der WIG 20 fiel um 0,6 Prozent auf 4.167,1 Punkte, während der ATX mit einem Minus von 4,4 Prozent auf 6.270,3 Punkte abschloss. Diese Entwicklungen spiegeln die allgemeine Unsicherheit wider, die die Märkte derzeit prägt.
In der Budapester Börse zeigten sich von 14 Einzelwerten 7 im Plus und 7 im Minus. Die OTP Bank fiel um 3,1 Prozent auf 40.350 HUF, während MOL um 4,6 Prozent auf 4.820 HUF zurückging. Im Gegensatz dazu verzeichnete Richter Gedeon einen Anstieg von 3,6 Prozent auf 13.170 HUF, und Magyar Telekom stieg um 1,0 Prozent auf 2.686 HUF.
Im Bereich der Rohstoffe stieg der Preis für Erdgas TTF im Wochenvergleich um 7,2 Prozent auf 93,85 EUR/MWh. Der Preis für Brent-Öl lag zugleich bei 111,7 USD/Barrel, ein Plus von 1,7 Prozent im Wochenvergleich.
Indizes
| Wert | Punkte | Woche |
|---|---|---|
| BUX Budapest | 142.049 | ▼ −0,9 % |
| WIG 20 Warschau | 4.167,1 | ▼ −0,6 % |
| ATX Wien | 6.270,3 | ▼ −4,4 % |
| DAX Frankfurt | 25.182 | ▼ −1,7 % |
| Euro Stoxx 50 Euroraum | 6.068,2 | ▼ −2,2 % |
| S&P 500 New York | 7.623,7 | ▼ −0,5 % |
| Shanghai Composite Schanghai | 3.690,5 | ▼ −0,7 % |
Budapester Wertpapierbörse
| Wert | Kurs | Woche |
|---|---|---|
| OTP Bank HUF | 40.350 | ▼ −3,1 % |
| MOL HUF | 4.820,0 | ▼ −4,6 % |
| Richter Gedeon HUF | 13.170 | ▲ +3,6 % |
| Magyar Telekom HUF | 2.686,0 | ▲ +1,0 % |
| 4iG HUF | 1.590,0 | ▲ +2,5 % |
| Opus Global HUF | 208,0 | ▼ −3,7 % |
| Waberer’s HUF | 4.170,0 | ▲ +0,2 % |
| AutoWallis HUF | 122,0 | ▲ +1,2 % |
| Alteo HUF | 3.530,0 | ▼ −6,6 % |
| Masterplast HUF | 2.830,0 | ▼ −0,4 % |
| ANY Biztonsági Nyomda HUF | 6.170,0 | ▼ −0,5 % |
| Zwack Unicum HUF | 29.300 | ▲ +1,0 % |
| Rába HUF | 3.120,0 | ▼ −1,6 % |
| Graphisoft Park EUR | 15,00 | ▲ +1,0 % |
Rohstoffe und Energie
| Wert | Kurs | Woche |
|---|---|---|
| Brent-Öl USD/Barrel | 111,7 | ▲ +1,7 % |
| Erdgas TTF EUR/MWh | 93,85 | ▲ +7,2 % |
| Gold USD/Unze | 4.007,9 | ▼ −4,1 % |
Devisen (EZB-Referenzkurse)
| Wert | je 1 Euro | Woche |
|---|---|---|
| EUR/HUF Forint | 366,7 | ▲ +1,0 % |
| EUR/PLN Złoty | 4,395 | ▲ +0,6 % |
| EUR/CZK Krone (CZ) | 24,327 | – +0,0 % |
| EUR/RON Leu | 5,349 | ▲ +0,3 % |
| EUR/USD US-Dollar | 1,1193 | ▼ −0,5 % |
| EUR/CHF Franken | 0,9227 | ▼ −0,5 % |
Schlussstände, Veränderung zur Vorwoche. Bei den Devisen bedeutet ein Plus einen festeren Euro und damit eine schwächere Landeswährung. Quellen: Yahoo Finance, EZB-Referenzkurse (frankfurter.dev). Stand: 25. Oktober 2026, 17:05 Uhr. Alle Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.
Kurz notiert
Ungarn
- Mo., 19. Okt. CATL erhält 129 Milliarden Forint staatliche Unterstützung Das chinesische Unternehmen CATL wird für den Bau seines Akkumulatorwerks in Debrecen insgesamt 129 Milliarden Forint an staatlicher Unterstützung erhalten, die aus dem ungarischen Haushalt finanziert wird. Die gesamte Investition wird auf 2848 Milliarden Forint geschätzt. Staatliche Unterstützung 129 Mrd. Forint · Gesamtinvestition 2848 Mrd. Forint Quelle: Index
- Mo., 19. Okt. Bruttolöhne in Ungarn steigen um 8,4 Prozent Die Bruttolöhne in Ungarn sind im August um 8,4 Prozent auf 740.600 Forint gestiegen, während die Nettolöhne um 10 Prozent auf 519.900 Forint zugenommen haben. Die realen Löhne sind um 8,6 Prozent gewachsen, was teilweise auf erhöhte Steuervergünstigungen für Familien zurückzuführen ist. Bruttolöhne 740.600 HUF · Nettolöhne 519.900 HUF · Reale Löhne 8,6% gestiegen Quelle: Budapest Business Journal
- Do., 22. Okt. Arbeitslosenquote in Ungarn bei 4,6% im September Die Arbeitslosenquote in Ungarn beträgt im September 4,6%, wobei die Zahl der Arbeitslosen im Alter von 15 bis 74 Jahren durchschnittlich 230.000 betrug. Die Beschäftigungsquote blieb mit 75,6% weitgehend unverändert. Arbeitslosenquote 4,6% · Durchschnittliche Arbeitslosenzahl 230.000 Quelle: Budapest Business Journal
- Do., 22. Okt. Forint schwächt sich weiter, erreicht niedrigsten Stand seit zwei Wochen Der Forint hat sich in den letzten drei Tagen kontinuierlich abgeschwächt und erreichte mit fast 367 Forint pro Euro den niedrigsten Stand seit zwei Wochen. Analysten führen die Schwäche auf Unsicherheiten bezüglich des Beitritts zum ERM-2 und steigende Ölpreise zurück. Forint 367 EUR · Forint 327 USD Quelle: HVG
EU-Ebene
- Do., 22. Okt. Commerzbank prognostiziert Euroeinführung bis 2032 Die Commerzbank schätzt, dass Ungarn bis 2032 der Eurozone beitreten könnte, was langfristig das Verschwinden des Forint zur Folge haben könnte. Die ungarische Regierung hat sich klar für die Einführung des Euro ausgesprochen, was die Risikoprämien des Landes verringern könnte. Prognose Euroeinführung 2032 Quelle: Világgazdaság
Alle Wirtschaftsartikel dieser Woche
- Di., 20. Okt. Ölpreise steigen auf Fünfmonatshoch – Unsicherheit im Nahen Osten treibt Märkte
- Mi., 21. Okt. Ex-Nationalbankchef Matolcsy festgenommen – Verdacht auf Wirtschaftskriminalität
- Do., 22. Okt. PHP2Shell legt Ungarn lahm – Schwere Sicherheitslücke in Programmiersprache PHP legt Staatsservice auf Eis
Die Wirtschaftswoche fasst die Meldungen der Woche zusammen; die verwendeten Quellen sind bei den Kurznotizen einzeln verlinkt. Kurse: Yahoo Finance, Schlussstände der abgelaufenen Handelswoche. Devisen: EZB-Referenzkurse. Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Text ist Wirtschaftsberichterstattung und keine Anlageberatung. Hinweise auf Fehler bitte an [email protected] – wir korrigieren transparent.
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