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Russische „Novaya Gazeta“ schließt unter Druck – Letzte Bastion der Pressefreiheit fällt

Die kremlkritische Zeitung „Novaya Gazeta“ – gegründet vor rund 30 jahre von Mikhail Gorbatchev – muss nach langem Behördendruck aufgeben.

Moskau. Die renommierte russische Zeitung „Novaya Gazeta“ stellt nach mehr als 30 Jahren ihre Arbeit ein. Das Medium erklärte, die russischen Behörden und die russischen Geheimdienste hätten die Redaktion gezwungen, die Arbeit einzustellen. Die Zeitung, die seit mehr als 30 Jahren als eine der letzten kritischen Stimmen in Russland galt, sah sich mit zunehmenden schweren Repressalien konfrontiert. Am 9. November werde die Redaktion das Licht ausschalten, die Server herunterfahren und endgültig schließen, hieß es in einer Erklärung auf ihrer Website.

„Am 9. November werden wir die Lichter in unserem Haus löschen, wo wir seit 30 Jahren leben, die Server ausschalten und gehen. Die Zeitung ist nicht mehr. Die russischen Behörden und die russischen Sonderdienste zwangen die Redaktion, die Arbeit einzustellen“, heißt es in der Erklärung. Der Volltext wird auf der Website von Novaya Gazeta veröffentlicht.

Mitgründer der Zeitung, Dmitir Muratov, Friedensnobelpreisträger. Er hat Russland bis heute bewusst nicht verlassen, trotz Attentatsversuchen.

Russische Behörden hatten die Zeitung mit verschiedenen Maßnahmen unter Druck gesetzt. Am Vorabend der Ankündigung musste die Redaktion ihre Räume in Moskau verlassen. Im April wurden die Redaktionsräume stundenlang durchsucht, und im September wurde das Medium als „ausländischer Agent“ eingestuft. Zuvor war schon sein 2021 mit dem Friedensnobelpreis geehrter Gründer Dmitri Muratow als „Auslandsagent“ eingestuft worden. Mit derartigen Aktionen brandmarkt Moskau Kritiker und Kritikerinnen.

Der Gründer der Zeitung, Dmitri Muratow, der 2021 den Friedensnobelpreis erhielt, war zuvor bereits als „Auslandsagent“ eingestuft worden. „Man hat uns getötet“, lautete der Titel der Erklärung der „Novaya Gazeta“. Die Zeitung war bekannt für ihre investigativen Berichte über Korruption und Menschenrechtsverletzungen in Russland.

Am 26. Oktober, hielten Muratow und der derzeitige Leiter der Nowaja-Gazeta, Sergej Sokolow, ein Treffen mit den Mitarbeitern der Veröffentlichung im Keller eines nahegelegenen Gebäudes in Paris ab, aus Angst, dass sie im Büro gehört würden. Bei dem Treffen beschlossen sie, die Zeitung zu schließen, da sie als „extremistische Organisation“ anerkannt und Journalisten verhaftet werden konnte.

„Wir sind nicht tot, sie haben uns getötet, zusammen mit der Verfassung. Man kann nur über Artikel 29 der Verfassung lachen: „Zensur ist verboten“, sagte Muratow.

Und aus der Redaktion von „Novaya-Europe“ fügen wir hinzu:

Wir sind sicher, dass die Werte der von Michail Gorbatschow gegründeten Zeitung für die Heimat noch nützlich sein werden. Jetzt bleiben ihre Wächter Leser. Pass auf dich auf, denn eines Tages wird alles neu!

Die Schließung der „Novaya Gazeta“ hat weitreichende Folgen für die Medienlandschaft in Russland. Experten befürchten, dass dies die handvoll andere unabhängige Medien weiter unter Druck setzen wird und die Meinungsvielfalt im Land, die sich ohnehin auf einem absoluten Tiefststand befindet – Platz 187 im World Press Freedom Index – weiter einschränkt.

Eine Institution schließt ihre Türen.


Anfang des Monats jährte sich der Mord an der Reporterin Anna Politkowskaja zum 20. Mal, die für die „Novaya Gazeta“ arbeitete.

Quellen: ORF, Der Standard, vollständiges Kommunique der Redaktion: https://novayagazeta.ru/articles/2026/10/30/nas-ubili
Photo: Die letzte Redaktionssitzung. Anna Artemyev / „Novaya Gazeta“

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