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OECD mahnt tiefgreifende Reformen an – Ungarns Wirtschaft braucht neuen Wachstumsschub

Bericht sieht Risiken durch Staatsfinanzen, demografischen Wandel und Klimakrise – Wachstum bleibt vorerst verhalten

Budapest. Ungarn muss seine öffentlichen Finanzen stabilisieren, die Produktivität steigern und den Folgen des demografischen Wandels sowie der Klimakrise entschlossener begegnen. Zu diesem Ergebnis kommt die am Donnerstag veröffentlichte OECD Economic Survey of Hungary 2026. Der Bericht zeichnet das Bild einer Volkswirtschaft, die sich nach mehreren Krisenjahren zwar langsam erholt, deren langfristige Wachstumsperspektiven jedoch durch strukturelle Schwächen begrenzt werden.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt nach einem Wachstum von lediglich 0,5 Prozent im Jahr 2025 auf 1,9 Prozent im laufenden Jahr und 2,2 Prozent im Jahr 2027 steigen wird. Hauptstütze der Konjunktur bleibt der private Konsum, getragen von kräftigen Reallohnzuwächsen. Unternehmens- und öffentliche Investitionen entwickeln sich dagegen weiterhin schwach. Als Ursachen nennt die OECD hohe Finanzierungskosten, anhaltende Unsicherheit in der Handelspolitik sowie die lange Blockade milliardenschwerer EU-Fördermittel.

Wie tragfähig sind Ungarns Staatsfinanzen?

Im Mittelpunkt der Analyse steht die langfristige Belastung der öffentlichen Haushalte. Nach Einschätzung der OECD werden die Ausgaben für Renten, Gesundheitsversorgung und Pflege infolge der alternden Bevölkerung bis 2070 um rund 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Gleichzeitig gehören Ungarns Schuldendienstkosten mit 4,9 Prozent des BIP zu den höchsten innerhalb der Europäischen Union.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die OECD eine umfassende Konsolidierung der Fiskalpolitik. Dazu zählen effizientere Staatsausgaben, eine Reform des Rentensystems sowie eine Verbreiterung der Steuerbasis. Ineffiziente Steuervergünstigungen und Sonderregelungen sollten schrittweise abgeschafft werden. Außerdem regt der Bericht an, Immobilienwerte regelmäßig neu zu bewerten und die Einkommensteuer langfristig wieder stärker zu staffeln.

Der Survey verweist zudem auf zusätzliche Belastungen durch die aktuelle Haushaltspolitik. Steuersenkungen bei der Einkommensteuer, die Einführung einer 14. Rentenzahlung und Bonuszahlungen im öffentlichen Dienst dürften das Haushaltsdefizit im Jahr 2026 auf rund 6,7 Prozent des BIP ausweiten.

Auch die ausstehenden EU-Mittel bleiben ein zentraler Faktor. Rund 16 Milliarden Euro aus dem Aufbau- und Resilienzfonds sowie den Kohäsionsfonds waren seit 2022 wegen rechtsstaatlicher Bedenken eingefroren. Nach Angaben der OECD könnten diese Mittel gegen Ende des Jahres freigegeben werden, sofern die vereinbarten Reformen vollständig umgesetzt werden.

Produktivität, Arbeitsmarkt und Klimarisiken rücken in den Fokus

Neben der Haushaltspolitik sieht die OECD erheblichen Reformbedarf bei der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen. Während internationale Konzerne einen großen Teil der Industrieproduktion tragen, profitieren heimische Zulieferer bislang nur begrenzt von den ausländischen Direktinvestitionen. Die Organisation empfiehlt stabilere regulatorische Rahmenbedingungen, einfachere Unternehmensgründungen, besseren Zugang zu Finanzierungen sowie gezielte Innovations- und Weiterbildungsprogramme, damit kleinere Unternehmen stärker in internationale Wertschöpfungsketten integriert werden können.

Auf dem Arbeitsmarkt verweist der Bericht auf den schrumpfenden Erwerbspersonenpool. Um die Erwerbsquote insbesondere von Frauen zu erhöhen, empfiehlt die OECD eine Verkürzung der sehr langen Elternzeit, einen Ausbau der Kinderbetreuung sowie längere, nicht übertragbare Vaterschaftszeiten. Gleichzeitig sollten benachteiligte Schulen kleinere Klassen und zusätzliche Förderangebote erhalten, um die Bildungs- und Beschäftigungschancen junger Menschen zu verbessern.

Ein weiteres Kapitel widmet sich den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels. Wiederkehrende Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen verursachen laut OECD bereits heute erhebliche volkswirtschaftliche Schäden. Die Organisation empfiehlt unter anderem eine bessere Versicherungsabdeckung gegen Hochwasserrisiken, strengere Raumplanung sowie stärkere Anreize für private Investitionen in Klimaanpassungsmaßnahmen.

Diese Empfehlungen fallen in eine Phase zunehmender Wetterextreme in Ungarn. Pester Lloyd berichtete erst kürzlich über die sich verschärfende Dürre und ihre Folgen für die Landwirtschaft sowie über den historischen Tiefstand des Velence-Sees.

Den vollständigen Bericht der Studie können Sie hier lesen.

Quellen: OECD
Photo: OCED Logo/Tisza Facebook

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