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(c) Pester Lloyd / 28 - 2009 BUDAPEST 08.07.2009
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Ponton- statt Margaretenbrücke

Die Sanierung der Margaretenbrücke in Budapest beginnt im August

Am Dienstag erhielt ein österreichisch-ungarisches Konsortium aus STRABAG und Hídépítö den Auftrag für die überfällige Sanierung der Margaretenbrücke in Budapest für rund 92 Mio EUR. Die Ausschreibung bleibt aber preislich umstritten. Ab 21. August wird die Margaretenbrücke für den Autoverkehr gesperrt, eine Pontonbrücke könnte als Ersatz dienen. Fertigstellung ist bis Ende 2010.

Am Dienstag erhielt ein österreichisch-ungarisches Konsortium aus STRABAG und Hídépítö den Auftrag für die überfällige Rekonstruktion der Margaretenbrücke in Budapest. Die beiden Unternehmen unterbreiteten für die Totalrenovierung einer der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt ein Angebot von rund 92 Mio EUR (20,8 Mrd. HUF, netto, rund 25 Mrd. brutto). Die Entscheidung über den Startschuss fiel mit einmonatiger Verspätung, weil die sich bewerbenden Unternehmen darstellten, dass die ursprünglich veranschlagten 13 Mrd. HUF nicht reichen würden. Das führte zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien im Stadtparlament. Am Ende musste ein Zusatzhaushalt für 2009 verabschiedet werden, der die Neuverschuldung erhöhte. Die Europäische Union übernimmt rund 6 Mrd. der 25 Mrd. HUF Gesamtkosten. Das Projekt soll bis Ende 2010 abgeschlossen sein.

Das ganze Verfahren bekam mehrere Beigeschmäcker. So fehlen bis heute schlüssige Begründungen, die zu den Preisanstiegen führten, die Stadtverwaltung verweigert bisher der Wettbewerbsaufsicht eine Einsichtnahme in die Unterlagen. Dabei gibt es Anlass zur Obacht, denn beide beteiligten Unternehmen, Strabag wie Hídépítö wurden in der Vergangenheit bereits wegen Kartellabsprachen bei Autobahnprojekten bestraft. Hídépítö hat zu dem noch eine Menge Ärger mit der Abrechnung der vor Jahresfrist fertig gestellten Brücke der M0 bei Budakalász, bei der es auch wundersame Preisexplosionen gab.

Der Oberbürgermeister Gábor Demszky erstarrte vor der schieren Größe der Aufgabe und meinte, dass es ohnehin nur eine handvoll von Unternehmen gibt, die einen solchen Job verrichten könnten, daher könne man die Preisgestaltung kaum beeinflussen. Es dauerte nicht lang, bis Oppositionspolitiker den Verdacht äußerten, dass Gelder für den Bau indirekt in die Parteikassen der Sozialisten und Liberalen, aber auch des Fidesz fliessen könnten. Der Vorwurf kommt vom MDF, einer gemäßigt konservativen Partei, die um ihr parlamentarisches Überleben kämpft, genauso übrigens wie der liberale SZDSZ, der den Bürgermeister stellt und derzeit auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden und einem Rettungsplan ist.

Sperrung ab 21. August - Pontonbrücke als Touristenattraktion

Die Margaretenbrücke wird vom 21. August an für den Fahrzeugverkehr geschlossen werden, vorbereitende Gerüstarbeiten beginnen bereits ab dem 10. August, meldet eine Sprecherin des Rathauses. Mit der Vollsperrung wollte man jedoch noch bis nach dem Nationalfeiertag am 20. August warten.

Da die Sperrung für den Autoverkehr Budapest, dass ohnehin durch die Metro 4 und andere Großbaustellen gezeichnet ist, an einen Verkehrsinfarkt heranbringen könnte, wird über die Errichtung einer Pontonbrücke nachgedacht. Dieser Vorschlag führte zu erheiterten wie entsetzten Reaktionen. In der ersten Hälfte des 19. Jh., noch bevor Ketten- und andere Brücken, die damals noch selbständigen Städte Buda und Pest verbanden, gab es schon einmal eine sogenannte Sommerbrücke, die aber regelmäßig bei Hochwasser, Sturm und spätestens im Winter abgebaut werden musste. Fähren übernahmen dann die Funktion. Richard Wagner kam bei seinem ersten Besuch in Pest bei so einer Überfahrt fast zu Tode. Auch nach dem Krieg ersetzten Pontonbrücken jahrelang die zerstörten Donaubrücken.

Als Notszenario könnte eine solche Pontonbrücke aus Fertigteilen helfen, eigentlich müssten es zwei sein. Die Fahrzeuge könnten dann mit maximal 40 kmh das andere Ufer erreichen. Zu festen Zeiten müsste es aber Sperrungen geben, um den Schiffsverkehr auf der Donau zu ermöglichen. Man beruft sich bei dem Vorschlag auf ein Beispiel aus Warschau, beim Wiederaufbau der Poniatowski Brücke leistete eine von der Armee errichtete Pontonbrücke existentielle Dienste.

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