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MOL überprüft Aktivitäten und Investements

(c) Pester Lloyd / 27 – 2009 WIRTSCHAFT 06.07.2009

MOL überprüft Unternehmensziele und Investitionen Schlagabtausch mit Russen geht weiter

MOL, das sind längst nicht nur Tankstellen, neben der OMV ist man der größte Raffineur der Region und betreibt Anlagen in Ungarn, der Slowakei, Kroatien und sogar Italien. Man bohrt und gräbt vom Irak und bis Sibirien, wo man jetzt Ärger mit einer Lizenzbehörde hat. Dennoch ist eine Konzentration der Aktivitäten auf den Westbalkan zu bemerken, letztlich geht es um die Macht in der gesamten CEE/SEE-Region.

Krisen haben auch Gutes. Unternehmen beurteilen ihre Aktivitäten und Investments nicht nur nach ihren Möglichkeiten, sondern auch danach, ob sie langfristig sinnvoll sind. Manche hochfliegenden und daher riskanten Pläne weichen dann soliderem Gebaren. Wenn eine Unternehmung von der „Straffung seiner Aktivitäten“ spricht, dann heißt das für den geübten Beobachter, Abbau, Einsparungen und Einschränkungen. Und so lässt es aufhorchen, wenn eines der wichtigsten Unternehmen Ungarns, MOL, in Person seines Vorstandschefs Zsolt Hernádi (Foto), von „Überprüfungen“ und „Einsparungen“ redet. So geschehen in der Magyar Nemzet am Samstag. Der MOL-Chef sprach darüber, dass man „alle Beteiligungen überprüfen werde“, da sich „Möglichkeiten auf den Märkten verringern“. „Zum Zweiten haben wir unsere Investitionen zu überprüfen“, sagte Hernádi weiter. MOL, das sind längst nicht nur Tankstellen, neben der OMV ist man der größte Raffineur der Region und betreibt Anlagen in Ungarn, der Slowakei, Kroatien und sogar Italien. Erst kürzlich übernahm man mit 47% die Macht im kroatischen INA-Konzern, was langfristig auf eine Konzentration der Aktivitäten auf dem Westbalkan hinweist. Für Mittelosteuropa bremst der Firmenchef zwar die Erwartungen: „In Mittelosteuropa werden wir unsere Position allein nicht weiter ausbauen können, hier ist die Zeit für Kooperationen gekommen.“ Letztlich geht es aber um die Macht in der CEE-Region. Im Explorationsgeschäft ist die MOL auch im Nahen Osten tätig und hat sich, gemeinsam mit OMV und anderen im Nordirak eingekauft, um die Quellen der Nabucco-Einspeisungen zu überwachen und versucht sich ansonsten als Marktführer zwischen Leitha und russischer Grenze zu etablieren.

Gute Entwicklungsmöglichkeiten sieht der Manager bei Infrastruktur und Verteilung im Erdgasmarkt. Hier ist die MOL mit Gazprom bei zwei Projekten (einem riesigen Gaslager und dem ungarischen Abschnitt der South Stream Pipeline) in Kooperation, obwohl man die Russen sonst eher fürchtet, vor allem der Einstieg der vom Kreml kontrollierten Surgutneftegas mit 21,2% (das Paket gehörte zuvor der OMV) wird als Anzeichen feindlicher Übernahmeaktivitäten betrachtet. Der neue Großaktionär wurde bisher bewusst ignoriert, bzw. sogar boykottiert, in dem man den Russen den Zugang zur Hauptversammlung versagte. Gerichte sind schon tätig.

Als eine Art Revanchefoul sieht man da den drohenden Entzug einer eigentlich bis 2016 gültigen Förder- und Erkundungslizenz für ein Ölfeld in Westsibirien. Rosnedr, die staatliche Autorisierungsbehörde kündigte eine Überprüfung an, da es Ärger um die Verwertung des bei der Ölforderung anfallenden Erdgases gibt. Im Hintergrund geht es um einen Streit zweier Firmen (Rosneft und Rusneft) um einen Ex-Anteil der vom Staat geschluckten Yukos, die 50% an dem MOL-Feld hielt. Russland, so fürchtet MOL, könnte die Lizensmacht nutzen, um seinen Einfluss auf MOL zu erhöhen.

Ungarn bezieht rund 80% seines Gasbedarfs aus Russland. Während der Gaskrise zu Anfang des Jahres, gelang es der MOL durch cleveres Lagermanagement (auch gemeinsam mit einer E.ON-Tochter) dennoch, Bosnien, Serbien und die Slowakei mit Hilfslieferungen zu unterstützen. Vor einigen Tagen vereinbarte man auch mit Slowenien eine Verbesserung der Vernetzung. Langfrsitiges Ziel sei die Schaffung eines regionalen Gasmarktes. Auch mit Polen ist man im Gespräch. Hernádi sieht für Ungarn hierbei dei Rolle des zentralen Gas-Hubs, MOL als dessen Hauptoperator. Immerhin soll neben South Stream dann auch Nabucco durch Ungarn laufen. Achja, und 100 Tankstellen in Österreich wollte man auch eröffnen, darum ist es aber verdächtig still geworden.

MOL-Parteitag

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