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(c) Pester Lloyd / 10 - 2010 WIRTSCHAFT 08.03.2010
Dünne Luft
Massiver Stellenabbau bei der wieder staatlichen Malév
Nachdem die Rückverstaatlichung der Malév (95% der Anteile für Übernahme der Schulden bei der russischen VEB Bank) fixiert wurde, äußerte sich Ende vergangener
Woche auch der Chefmanager der Airline mit seinem Sanierungsplan zu Wort. Gegenüber der Nachrichtenagentur MTI verkündete Martin Gauss ein
Kostensparprogramm von zunächst 6 Milliarden Forint (ca. 22,5 Mio EUR) jährlich, das auch einen massiven weiteren Stellenabbau beinhaltet.
Vor der Umsetzung dieser Maßnahmen, auch das
sagte der leitende Manager des Unternehmens, müsse die Zustimmung der EU für den "Rettungs- und Restrukturierungsplan" der Malév vorliegen. Allerdings wird die Übernahme durch
den Staat als "unzulässige Staatshilfe" angefochten werden, u.a. von der ebenfalls in Ungarn ansässigen Billigfluglinie Wizz Air, aber auch vom tschechischen Charterunternehmen
Travel Service, die u.a. anführen, dass Malév Presidumping betreibt. Und auch die Rückzahlung einer fällig gestellten Staatsgarantie über 32 Mio EUR durch die russische Bank VEB
(nicht Teil des Übernahmedeals), ist noch nicht abgeschlossen, die russische Seite hat die Erledigung für diese Woche zugesagt.
Bereits 2008 wurden 200 Mitarbeiter entlassen,
weitere 300-400 Stellen, so Gauss müssten abgebaut werden, der Personalstand solle letztlich um die 1.000 Mitarbeiter betragen. Die
allgemeinen Betriebskosten sollen in den kommenden drei Jahren um 15% sinken. Einige Maßnahmen des Businessplans wirken bereits seit letztem Jahr. So wurde die Flotte von
fünf auf zwei verschiedene Flugzeugtypen bereinigt. Unter Rot-Weiß-Grün fliegen jetzt noch 18 Boeing 737 und vier Bombardier Q400.
Gauss will praktisch alle wichtigen Verträge mit Lieferanten, Service- und
Subunternehmen der Airline auf den Prüfstand stellen und neu verhandeln. Mit dem wichtigsten Partner, dem Budapest Airport (eine Hochtief-Tochter) hat man sich bereits
über einen neuen Zahlungsplan für diverse Außenstände geeinigt. Teil des russisch-ungarischen Übereinkommens ist u.a. auch die Zahlung von rund 21 Mrd. Forint
an Steuerschulden, so dass nur ein Rest von 4 Mrd. die Bilanz weiter belasten wird. Auch andere Gläubiger können nun auf Begleichung lange fälliger Rechnungen hoffen. Dazu sei
freilich eine kurzfristige Kapitalzufuhr notwendig. Zum Sanierungskonzept gehört auch die Einführung moderner Ticket-Managemeht-Systeme, von der Software für eine
Optimierung der Preiskategorien für Low-Budget-Kunden bis zu den Business-Kunden bis hin zu einer Optimierung des Online-Marketings.
Erste Erfolge kann Martin Gauss bereits vermelden, so wurden 2009 6 Milliarden Forint
weniger für Personal- und Bürokosten ausgegeben, die Fahrzeugflotte reduziert, einige ineffiziente Auslandsbüros geschlossen. Auch die Airportgebühren an einigen ausländischen
Destinationen konnten neu und günstiger verhandelt werden. Gauss betonte die Erhaltenswürdigkeit der Malév: sie sorgt für die Hälfte aller Passagiere am Flughafen
Ferihegy. Jede andere Airline, die in Budapest startet oder landet, müsste ihr Aufkommen erst vervierfachen, um diesen Wert zu erreichen
Das Ziel aller Mühen ist es, zumindest das operative Geschäft ab 2012 mit einer schwarzen
Null zu bilanzieren. Die Frage der Schuldentilgungen ist dann noch eine ganz andere, die wohl über einen neuen strategischen Investor beantwortet werden wird. Es ist nicht
auszuschließen, dass man ein Modell wie Österreich mit der Austrian Airlines über eine Übernahme durch Lufthansa finden wird. Dass Ungarn nochmal den Fehler macht, einen -
im Wortsinne - unberechenbaren Partner, wie 2006 Boris Abramwotisch und seine windige AirBridge ins Boot zu holen, ist hoffentlich auszuschließen. Wird die Malév rentabel, wird
sie interessant für den Markt, bleibt sie defizitär, wird sie eingehen, egal wie lange der Staat mit ihr und sich ringt. Die Luft für eine so kleine Airline ist in Europa jedoch sehr dünn.
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