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(c) Pester Lloyd / 16 - 2010 KULTUR 23.04.2010
Nachklänge zum „Rosenkavalier“
Ebenbürtige zweite Besetzung an der Ungarischen Staatsoper
Mitte März besuchten wir die Premiere vom Budapester „Rosenkavalier“ - und waren begeistert (siehe Rezension)
. Nun, vier Wochen später, interessierten wir uns für die so genannte zweite Besetzung. Um es gleich vorweg zu sagen: Es war – bis auf ganz wenige Ausnahmen – eine der Premierenbesetzung ebenbürtige.
Insbesondere Attila Fekete überstrahlte mit seinem
Tenor in der Partie des italienischen Sängers diese Vorstellung. Seine Stimme hat in den zurückliegenden Jahren an Wohlklang enorm zugenommen. Nicht umsonst bemühen sich die großen Opernhäuser in der
Welt um diesen Tenor. Um so erfreulicher, dass er immer mal wieder an seinem Heimat-Haus das Publikum begeistert. Mit Éva Bátori erlebten wir eine eher zurückhaltende Marschallin, obwohl ihre Stimmkultur
ausgezeichnet über die Rampe kommt. Stimmstark, und auch in der deutschen Artikulation besser verständlich, der Oktavian der spielfreudigen Andrea Meláth, die im Duett des 1. Aktes den von der Regie
vermutlich so gemeinten pseudo-lesbischen Hintergrund noch besser zu vermitteln vermochte, als das in der Premierenbesetzung der Fall war.
Da die beiden Ochsen auf Lerchenau zwei grundverschiedene Typen und auch
Stimmcharaktere sind, verbietet sich hier ein Vergleich von vornherein. Mit Géza Gábor war die Figur diesmal sehr massiv-fleischig besetzt. Sein träges, aber
raffiniert-verschlagenes Spiel unterstützte den Typ dieses Wiener Barons aus der Sezession. Stimmlich gefiel er in den sicheren Tiefen, während er nicht mit dem selben
Register die Höhen angehen sollte. Was er dort oben (ab D aufwärts) zu bieten hat, bedarf vermutlich einer gesangspädagogischen Überprüfung, um die Reserven in der
Bass-Höhe zu eben solchem Wohlklang zu führen, wie er in der satten Tiefe vorhanden ist. Der Faninal des Peter Kálmán überzeugte mit einem eleganten und voluminösen
Bariton, auf den seit 1997 auch das Züricher Opernhaus aufmerksam wurde. Rita Rácz fiel als Sophie sowohl mit einer gut geführten opernsoubrettischen Stimme sowie charmanter Spilastik auf.
Bekanntlich zählt der „Rosenkavalier“ mit zu den
kompliziertesten Opern, denen sich ein ausländisches Ensemble stellen kann, wenn es noch dazu den berechtigten Ehrgeiz besitzt, das Werk in Originalsprache zu bieten. Darin ist dann aber auch
die Tücke des Objektes aufzufinden: Die Protagonisten sprechen und singen zwar alle irgendwie Deutsch, aber man merkt an vielen Stellen, dass es für sie eine komplizierte
Fremdsprache bleibt, noch dazu, wenn der Librettist, Hugo von Hofmannsthal, den Darstellern den Österreichischen Akzent abverlangt. Manche Sängerin – weniger die
Männer – helfen sich damit, dass sie auf die Konsonanten ganz verzichten und eine Art Vokalise á la Vacai über die Rampe bringen. Soll man das nun bewundern, oder lieber
die Empfehlung aussprechen, bei ähnlichen Vorhaben jeweils Muttersprachler zwecks Rat und Hilfe in die Proben zu holen...?
Bewundernswert war dagegen die musikalische Leistung des Orchesters, seine
differenzierte Spielweise und das große Einfühlungsvermögen unter der - auch für die Darsteller auf der Bühne - sicheren und sehr souveränen Leitung von István Dénes. Es
bleibt dabei: Diese Inszenierung des „Rosenkavaliers“ an der Ungarischen Staatsoper ist in jeder Besetzung ein Meilenstein dieses Hauses in Richtung großartiges europäisches Musiktheater.
g.b.s.
Klangvolle Dekadenz
Mit dem "Rosenkavalier" erreicht die Ungarische Staatsoper wieder europäisches Niveau
www.opera.hu
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