Hauptmenü

 

Ihre Werbung hier

 

 

 

 

(c) Pester Lloyd / 31 - 2010  GESELLSCHAFT 10.08.2010

 

Mord nach Plan

Ermittlungen wegen Mordserie an Roma in Ungarn abgeschlossen

Die polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen einer Mordserie an ungarischen Roma, die in den Jahren 2008 und 2009 europaweit für Entsetzen sorgte, sind abgeschlossen. Das Nationale Ermittlungsbüro NNI hält alle vier, im September 2009 verhafteten Männer für schuldig, der Prozess wird im Herbst stattfinden. Die Ermittler konnten Verbindungen zu rechtsextremen Organisationen aufdecken, konkretisierten diese aber nicht.

Der Tatort in Tataszentgyörgy. Hier starben 2009 ein Vater mit seinem Sohn.
Sie wurden erschossen als sie aus ihrem brennenden Haus flohen.

Der Vertreter der Ermittlungsbehörde, Zoltan Csizner, sagte am Montag vor Pressevertretern, dass "die Anschlagsserie auf Romafamilien einen außerordentlichen Fall krimineller Brutalität darstellen. Nicht nur in Ungarn, sondern in ganz Europa." Die Gruppe habe insgesamt 78 Schüsse an neun verschiedenen Orten abgegeben, in sieben Häuser haben sie zusätzliche Brandsätze geworfen. Bei den Angriffen in Nagycsecs, Tatarszentgyörgy, Kisleta and Tiszalok starben sechs Menschen, darunter ein fünfjähriges Kinde, fünf andere Personen wurden schwer verletzt, auch darunter ein Kind. Insgeamt wurde durch die Anschläge Leib und Leben von 55 Personen direkt gefährdet. Es handelte sich durchweg um Angehörige der Roma, der größten ethnischen Minderheit in Ungarn. Die Angegriffenen wohnten meist in abgelgeneren Häusern am Rande der "Ghettos", wie sie in vielen Orten vor allem im Nordosten des Landes existieren.

András Docs, einer der leitenden Kriminalisten des NNI, sagte, dass gegen drei der vier Untersuchungshäftlinge Mordanklage erhoben werde, während dem vierten, als Fahrer Mittäterschaft zur Last gelegt wird. Für alle Vorwürfe lägen klare forensische und andere Beweise vor, die die Täterschaft der Verdächtigen belege. Es handele sich um systematisch geplante Anschläge, die Ermittlungen hätten zudem ergeben, dass bereits drei weitere Anschläge in Dörfern in Zentral- und Ostungarn geplant gewesen sind.

Einige Monate vor dem Mordanschlag marschierte die rechtsextreme “Ungarische Garde” durch denselben Ort, in Ungarn herrschte in einigen Regionen monatelang Pogromstimmung.

Zwei der vier Tatverdächtigen haben eindeutige Beziehungen zu rechtsextremen Organisationen und haben ihren Romahass bereits vor ihren Verbrechen offen zur Schau gestellt. Docs sagte jedoch nicht, mit welchen Organisationen die Täter in Verbindung gebracht werden und unterließ auch jede Mutmaßung, inwiefern die zeitgleich stattgefundenen Aufmärsche der heute verbotenen "Ungarischen Garde" durch Dörfer mit hohem Romaanteil zu dieser Pogromstimmung geführt haben könnten, die die Vier zu solchen Taten ermutigt haben könnte. Die Vier leugnen jede Schuld an den Todesfällen und gaben nur zu, an Orten gewesen zu sein, an denen zwar Anschläge stattfanden, bei denen niemand verletzt wurde.

-red.

Zum Thema:

http://www.pesterlloyd.net/2009_34/0934verhaft/0934verhaft.html
http://www.pesterlloyd.net/2009_08/0909mordanschlag/0909mordanschlag.html

 

DISKUTIEREN SIE ZU DIESEM THEMA IM GÄSTEBUCH

 

 



 

 

IMPRESSUM

 

Pester Lloyd, täglich Nachrichten aus Ungarn und Osteuropa: Kontakt