Regierung reagiert auf Dürrekrise und jahrelange Kritik an Orbáns Forstpolitik
Die neue ungarische Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar hat einen ersten sichtbaren Kurswechsel in der Umweltpolitik eingeleitet. Umweltminister Gajdos László kündigte am Mittwoch ein sofortiges Moratorium für die Abholzung geschützter Wälder an.
„Wir stoppen die Abholzung geschützter Wälder und verschärfen die industriellen Sanktionen“, erklärte Gajdos auf Facebook. Der Minister sprach von einem notwendigen Paradigmenwechsel im staatlichen Forstmanagement. Profitinteressen dürften nicht länger Vorrang vor ökologischen Gesichtspunkten haben.
„Wir können weitere Kahlschläge nicht zulassen. Unsere Wälder bedeuten nicht nur Holz, sondern unsere Zukunft und die Unversehrtheit unseres Landes“, schrieb der Minister.
Die Entscheidung markiert eine deutliche Distanzierung von der Forstpolitik der früheren Orbán-Regierungen. Bereits während der Energiekrise 2022 hatte die damalige Regierung per Dekret erleichtert, auch in naturschutzrechtlich sensiblen Gebieten Holzschläge vorzunehmen. Im vergangenen Jahr wurden die Regeln zusätzlich gesetzlich abgesichert. Fachverbände, Umweltorganisationen und Wissenschaftler hatten die Maßnahmen scharf kritisiert.
Wissenschaftlicher Widerstand gegen Kahlschläge in Natura-2000-Gebieten
Besonders kontrovers war die Öffnung von Schutzwäldern mit heimischen Baumarten für wirtschaftliche Nutzung. Nach Medienberichten verweigerte die biologische Sektion der Ungarische Akademie der Wissenschaften ihre Unterstützung für die damaligen Gesetzespläne. Die Wissenschaftler argumentierten, dass wirtschaftliche Nutzung in Natura-2000-Wäldern und naturschutzrechtlich priorisierten Gebieten ausschließlich im Rahmen ökologisch nachhaltiger Forstwirtschaft zulässig sein dürfe.
Auch die Europäische Vereinigung der Forstwirte warnte vor den Folgen großflächiger Kahlschläge. In ihrer Stellungnahme hieß es, dass bestimmte selektive Verfahren wie Plenterwirtschaft oder schrittweise Verjüngungsschnitte mit Biodiversität und dauerhaftem Walderhalt vereinbar seien. Kahlschläge dagegen könnten nicht als ökologisch nachhaltige Bewirtschaftungsform gelten.
Der politische Vorstoß erfolgt in einer Phase zunehmender klimatischer Belastungen. Bereits Anfang Mai hatte Péter Magyar seinen Umweltminister aufgefordert, einen sofortigen Aktionsplan gegen die sich verschärfende Dürrekrise auszuarbeiten. Der Premier verwies auf „15 bis 20 Jahre versäumter Investitionen“ in Wasserwirtschaft, Naturschutz und Klimaanpassung.
Quellen: index.hu, facebook
Photo: Bélapátfalva, Nationalpark Bükk. (Horvabe / CC BY-SA 3.0)






