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Scheidende Orbán-Regierung gibt ukrainisches Gold und Bargeld überstürzt zurück

Die überraschende Rückgabe der im Wahlkampf beschlagnahmten ukrainischen Millionenwerte stellt zentrale Behauptungen der Orbán-Regierung infrage

Budapest/Kyiv. Nur einen Tag vor der Vereidigung von Premierminister Péter Magyar hat Ungarn die im März beschlagnahmte ukrainische Geld- und Goldlieferung überraschend an die Ukraine zurückgegeben. Die politische Brisanz des Falls reicht weit über einen juristischen Vorgang hinaus. Das Analyseinstitut Political Capital spricht offen von einem „vollständig konstruierten Vorfall“ und stellt damit die zentrale antiukrainische Erzählung des Fidesz-Wahlkampfs infrage.

Die Rückgabe erfolgte laut HVG noch unter der amtierenden Regierung von Viktor Orbán. Dies geschah überraschend, da ein eigens von dieser Regierung verabschiedetes Gesetz die Rückgabe zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich untersagte.

Der Rechtsanwalt Horváth Lóránt, der in dem Verfahren die ukrainische Staatsbank Oschadbank sowie die Ukraine vertritt, erklärte gegenüber HVG, dass das Gesetz II/2026 eindeutig festgelegt habe, dass beschlagnahmte Vermögenswerte frühestens 60 Tage nach Inkrafttreten einer Regierungsverordnung zurückgegeben werden dürften. Selbst bei Wegfall der Beschlagnahmung hätte deren Aufhebung bis mindestens 8. Mai ausgesetzt bleiben müssen.

Zerfall einer Wahlkampferzählung

Die Affäre gehörte zu den zentralen außenpolitischen Eskalationen des ungarischen Wahlkampfs. Regierungsnahe Medien und Fidesz-Politiker hatten den ukrainischen Konvoi als möglichen Beweis für illegale ukrainische Einflussnahme dargestellt. Im politischen Raum wurde suggeriert, ukrainische Akteure könnten indirekt die Kampagne der oppositionellen Tisza-Bewegung unterstützt haben.

Political Capital argumentiert nun, die Rückgabe der Transportwerte sei der endgültige Beweis dafür, dass die damaligen Vorwürfe substanzlos gewesen seien. Bereits eingebrachte Anzeigen müssten nun klären, wer politische und rechtliche Verantwortung für den Vorgang trage.

Der Thinktank verweist zudem darauf, dass antiukrainische Aussagen aus der Kommunikation führender Fidesz-Politiker seit der Wahlniederlage nahezu verschwunden seien. Die aggressive Rhetorik lebt nur noch vereinzelt in Fidesz-affinen Medien weiter, allerdings deutlich abgeschwächt. Über die Rückgabe der beschlagnahmten Werte hätten viele Fidesz-nahe Organe kaum berichtet.

Rund 72 Millionen Euro und neun Kilogramm Gold

Pester Lloyd hatte bereits Anfang März über den Fall berichtet, als ungarische Behörden zwei gepanzerte Geldtransporter stoppten, sieben Ukrainer festnahmen und Vermögenswerte beschlagnahmten. Die Ladung bestand aus 35 Millionen Euro und 40 Millionen US-Dollar in bar (Gesamtwert ca. 72 Mio. Euro) sowie neun Kilogramm Gold. Damals sprach Kyiv von einer „staatlichen Geiselnahme“ und warf Budapest illegales Vorgehen vor.

Die damalige Berichterstattung von Pester Lloyd:
Ungarn beschlagnahmt Geldtransporter und nimmt sieben Ukrainer fest vom 6. März 2026.

Quellen: hvg.hu
Photo: Foto über die Facebook-Seite von Viktor Orbán

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Peter Schmidt
Peter Schmidt
1 Monat zuvor

Ein russischer Spion rekrutierte seit Jahren die ungarische Elite.

Ungarn hat den russischen Diplomaten Arthur Sushkov heimlich ausgewiesen . Er wurde als Offizier des russischen Auslandsgeheimdienstes identifiziert, der jahrelang die rechtsgerichtete Elite des Landes infiltriert hatte, berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf eine Untersuchung von VSquare.

Laut der Veröffentlichung musste Artur Sushkov, 36, der dritte Sekretär der russischen Botschaft, Budapest am 4. Mai 2026 wegen Aktivitäten verlassen, die mit seinem diplomatischen Status unvereinbar waren.

Die ungarischen Behörden identifizierten ihn als verdeckten Agenten, der Informanten anwarb und Informationen von regierungsnahen Denkfabriken sammelte.

Die Sicherheitsbehörden hatten vorgeschlagen, den Diplomaten bereits im Februar 2026 auszuweisen, doch die Regierung des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban blockierte diese Entscheidung aus politischen Gründen während des Wahlkampfs.

Die Aktion konnte erst nach Orbáns Wahlniederlage abgeschlossen werden, als die politischen Hindernisse für die Spionageabwehroperation beseitigt waren.

Der russische Geheimdienstagent versuchte, Daten über die ungarische Innenpolitik und die Pläne für das Kernkraftwerksprojekt Paks-2 zu erhalten und sammelte außerdem Informationen über die Beziehungen Budapests zur Ukraine.

Zu den bevorzugten Zielen gehörten Institutionen, die dem politischen Direktor von Ministerpräsident Balázs Orbán nahestanden, insbesondere das Matthias Corvinus Collegium (MCC) und das Ungarische Institut für Internationale Beziehungen

Der Agent rekrutierte ihn mit teuren Geschenken und dem Versprechen von Geldprämien für die Aushändigung offizieller Dokumente.

Darüber hinaus ergaben die Ermittlungen, dass Tonaufnahmen die Koordination zwischen dem ungarischen Außenminister Peter Szijjártó und Sergei Lawrow belegten , um den Beitritt der Ukraine zur EU zu verhindern.

Trotz Sushkovs Ausweisung befinden sich weiterhin Dutzende identifizierte Geheimdienstmitarbeiter unter diplomatischer Tarnung in der russischen Botschaft in Budapest.

Experten weisen darauf hin, dass die vorherige ungarische Regierung die Maßnahmen gegen russische Spione oft gelockert hat, wodurch das Land zu einer attraktiven Plattform für feindliche Operationen gegen NATO- und Schengen-Staaten wurde.

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