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(c) Pester Lloyd / 01 - 2010 KULTUR 08.01.2010
Startschuss in Pécs
Vielfältige Kulturevents und dauerhafte Stadtprojekte in der Kulturhauptstadt Pécs 2010
Mit der Eröffnungszeremonie am 10. Januar auf dem Széchenyi Platz ist die Kulturhauptstadt Pécs 2010 offiziell eröffnet. Die Vorbereitungen waren teils
chaotisch und oft improvisiert, nun ist der befreiende Startschuss gefallen. Pécs hat eine einmalige Chance sich der nationalen wie internationalen Öffentlichkeit zu
präsentieren und auch das gebeutelte Ungarn wird von den Kulturevents profitieren. Nicht nebenbei ist das Projekt Kulturhauptstadt auch ein riesiger Schub für die
städtische und kulturelle Infrastruktur, der weit über 2010 wirken wird.
Es gibt zwei Hauptsäulen, die Pécs als Kulturhauptstadt
2010 ausmachen. Die eine besteht aus den etlichen kulturellen Programmen, eine Mischung aus ungarischer Folklore und kultureller Leistungsschau,
grenzübergreifenden Kooperationen á la "Tor zum Balkan" und behauptetem "Mulitkulti" und den üblichen globalisierten Events. In einem großen, karnevalesken
Festaufmarsch prozessieren Studenten, Schau- und Puppenspieler sowie Schüler vom Zsolnay-Brunnen zum Hauptplatz der Stadt, bis zu 4 Meter hohe Figuren werden
am Sonntag, 10. Januar die vielvölkische Stadtgeschichte symbolisieren. Fehlen wird nichts: Landnahme, Türkenkriege, Donauschwaben, Industrialisierung usw.
Musik- und Lichtinstallationen, das gesamte Repertoire postmoderner Eventkultur, wird am Ende abgespult sein, um allen klar zu machen: Pécs 2010 hat begonnen. Die Eröffnungsfeier
wird am Sonntag, 10.1. live auf MTV 1 übertragen.
Alles weitere entnimmt man am besten der ausführlichen Programmbroschüre, die neben
Ungarisch wenigstens auch auf Englisch vorliegt. Es sei versichert, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. So richtig los geht es ohnehin erst Mitte März mit dem (landesweiten) Frühlingsfestival. Programmbroschüre Pécs 2010 (engl., pdf-Datei, ca. 8 MB) oder blättern Sie hier online im Programmheft:
Millioneninvestitionen in Kulturinstitutionen und städtische Entwicklung
Letztlich viel wesentlicher für die Zukunft der Stadt ist aber nicht so sehr dieses
150-Punkte-Feuerwerk, sondern werden die vielen Infrastrukturmaßnahmen, die, alles zusammengerechnet, fast eine halbe Millarde Euro an Mitteln freigesetzt haben, rund 200
Millionen direkt, der Rest durch Straßenbau und Infrastruktur, die nicht direkt mit den Kultureinrichtungen und der Stadtverschönderung anläßlich des 2010er Events zu tun haben.
Unter den wichtigsten Errungenschaften seien, neben der baldigen Fertigstellung der Autobahn Budapest-Pécs, erwähnt:
- das Konzert- und Konferenzzentrum
am Balokány-Wäldchen in Pécs, das dem ganzen Stadteil eine geistige Mitte und neue Straßen, Parkmöglichkeiten, Parks gibt. Es wird neben einem Konferenzraum auch die Pannonia
Philharmonie, das Sinfonieorchester der Region beherbergen.
- das
Zsolnay Kulturviertel. Das immobile Schmuckstück der heute im wirtschaftlichen Wartestand befindlichen Porzellan- und Keramikmanufaktur mit seinem
feinen Jugendstil, ist und wird rundum saniert, ausgebaut und als Ausstellungszentrum, Künstlerviertel, Flaniermeile, Gastronomiezentrum dienen, Quasi als
handwerklich-kreativ-urbaner Link zwischen Gestern und Morgen.
Auf 41.000 Quadratmetern Fläche sollen
jährlich bis zu 200.000 Besucher Kunst und Kultur genießen und erfahren. Darin: spezielle Projekte für für Kunsthandwerk, junge Kreative und Familien mit Kindern, dabei ein "Palast der Wunder",
Puppentheater und vieles mehr. Im Süden des Zsolnay-Viertels wird die Universität einziehen mit ihren Kunst- und Kreativfakultäten einziehen.
- die Rekonstruktion und der Ausbau der
Museumsstraße, eigentlich die Káptalan Straße ist ein weiteres Großprojekt. Darin findet sich das Zsolnay Museum, das Vasarely Museum, Renaissance-Ruinen, die Martyn Sammlung
für moderne ungarische Kunst, das Nemes Endre Museum und das berühmte Csontváry Museum. Die historischen Gebäude, darunter das alte Komitatsgebäude, werden saniert,
ein neues Architekturmuseum wird errichtet. Die Museen erhalten Gärten, die Plätze sollen zum Verweilen einladen. Die Projektkosten für die Museumsstraße werden auf 1,3
Milliarden Forint veranschlagt (rund 4,8 Mio EUR). Rund 85 Prozent der Gelder kommen dabei von der EU, den Rest teilen sich Staat und Stadt.
- Der Bau einer zentralen Bibliothek und Wissenszentrum
für Südtransdanubien. Auf 12.000 Quadratmetern entstehen eine öffentliche Bibliothek, die größte der Region, Lese-, Vortrags und Konferenzsäle. Diese Institution entsteht am Ostende des Zentrums an der
Universitätsstraße, neue Straßen und Parkmöglichkeiten sind Teil davon.
- Regenerierung von mehr als
70 öffentlichen Plätzen und Parkanalagen, darunter auch viele Randlagen wie Uránváros, Meszes, Kertváros sowie das Tettye Viertel mit
großem Park und historischen Orten. Auch in der Mache sind der Domus Park, der Indóház Platz, ein Teil des Megyer-Viertels.
www.pecs2010.hu
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Zum Thema:
Pathos und Event
Die Kultur(haupt)stadt Pécs 2010 - eine Chance zur Selbstfindung - KOMMENTAR & HINTERGRUND
Marktschreierische Übertreibungen und historische Schizophrenie, übelmeinende Medien und hauseigene
Versäumnisse. Dass Pécs 2010 überhaupt stattfindet, ist schon ein kleines Wunder, in einem Land, dass im Moment mit sich selbst vollkommen überfordert ist. Wir
sollten uns freuen, dass Pécs das Geld und die Möglichkeiten erhält, um aus seinem "Dornröschenschlaf" zu erwachen, auch wenn
die Aufwachphase länger dauert als anderswo.
ZUM BEITRAG
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