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(c) Pester Lloyd / 19 - 2010  KULTUR 12.05.2010

 

Milchkaffee hat keine Vorurteile

Mit Witz und Verstand gegen den Rassismus gegen Roma in Ungarn

Mit der grotesk-romantischen Actionkomödie "Mocha Frapuchino" kämpft eine Gruppe Aktivisten gegen Vorurteile gegenüber den Roma in Ungarn und anderswo in Europa an. Die Vorführungen der Filme sind gleichzeitig Benefizveranstaltungen für ganz konkrete Hilfpsrojekte. Am Samstag ist in Budapest Premiere. Die Initiative zeigt, wie wirkungsvoll es sein kann, wenn die Bürger ihre Stimme erheben.

Der in Budapest lebende österreichische Zahnarzt Ajang Farid hat sich mit zwei Freunden, Nadji Hedjazi und Hans Peterson zusammengetan und eine Off-Filmcrew der besonderen Art gegründet. Der Film handelt ganz grundsätzlich vom Rassenvorurteil zwischen "den Ungarn" und der größten ethnischen Minderheit im Lande, den Roma, einem Thema also, dass als eines der Schlüsselprobleme der ungarischen Gesellschaft angesehen werden kann und in den letzten Jahren, auch und vor allem durch das Erstarken des Rechtsextremismus eskalierte und bereits Todesopfer udn Verletzte forderte.

Die Crew beweist mit ihrem Film, dass man das eigentlich düstere Thema der Rassenvorurteile durchaus in einer Komödie, gepaart mit Romantik und Aktion, angehen kann, Augen und Ohren der Zuschauer sind so leichter zu erreichen als durch sture Parolen der political correctness. Wie anders kann man den tatsächlich lächerlichen Vorurteilen begegnen als durch befreienden Humor? Natürlich, das Thema ist ernst und es ist komplexer als man glauben mag, doch wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass es keine politische Scheininitiatve ist, noch ein EU-Programm, sondern eine echte Bürgerinitiative, die etwas gegen Misstände in ihrem Umfeld unternommen hat. Davon wünscht man nicht nur Ungarn noch viel mehr.

Ajang Farid weiß durchaus was es bedeutet, einer kulturellen und religiösen Minderheit anzugehören. Er ist Mitglied der Bahá’í-Gemeinde, einer kleinen monotheistischen Religionsgemeinschaft mit Wurzeln im heutigen Iran und dem religiösen Zentrum in Haifa, Israel. Seine Glaubensbrüder sind derzeit wieder im Iran massiven, lebensbedrohenden Repressalien ausgesetzt.

Mocha Frapuchino Trailer from Mocha Frapuchino on Vimeo.

 

 

In dem hochwertigen Amateurfilm verliebt sich ein Roma-Rechtsanwalt in die Schwester der ungarischen Verteidigungsministerin. Das Mädchen hat aber kein Interesse an ihm, da sie ziemlich rasisstisch gesinnt ist. Eine interessante Wendung ergibt sich jedoch als beide von einer Terroristenzelle im Austausch für ein Lösegeld entführt werden. Sofort wird durch die Antiterroreeinheit, bekannt unter dem Namen ATU, eine Operation eingeleitet, bei dem die Einheit von einem Abenteuer in das nächste gleitet, um die Beiden zu befreien. Dabei werden nicht nur ethnische Klischées, sondern auch etliche filmische bedient, um sie ad absurdum zu führen, vom amerikanischen Vorstadtkrimi bis Bollywood.

Sehr deutlich vor Augen geführt wird die Tatsache, dass eine Gesellschaft dann aufblüht, wenn Minderheiten nicht nur formal respektiert, sondern auch integriert werden. Produzent Ajang Farid hat dabei versucht, die Roma in gesellschaftlichen Schlüsselpositionen darzustellen, wie zum Beispiel als Rechtsanwalt, Agent oder als Berater der Ministerin. „Roma werden allgemein in Filmen als einfache Menschen dargestellt. Wir haben versucht eine neue Realität abzubilden, in der Roma angesehenen Berufen nachgehen“, sagt Farid, der mehr Roma in den ungarischen Medien und Universitäten sehen möchte. „Mocha Frapuchino“ ist eine Art Milchkaffee, Kaffee und Milch kennen schließlich keine Vorurteile und die Sache schmeckt erst gut, wenn beide Komponenten ordentlich gemischt werden.

Am Samstag, 15. Mai 2010, hat der Film im größten Kinosaal von Budapest (Palace MOM Park, 18:00 Uhr) Premiere (in englischer Sprache). Die Erlöse der verkauften Tickets gehen an den International Women´s Assosciations Charity Fund, der warme Mahlzeiten für verarmte Kinder in Budapest organisiert. Neben den vielen Freunden, die sich während der Dreharbeiten gefunden haben, werden interessierte Zuschauer, aber auch Journalisten, Politiker, Schauspielerkollegen und andere Gäste aus 10 Ländern erwartet.

Michel Zarif, -red.

Weitere Informationen zum Film gibts hier:
www.mochafrapuchino.com

Zahlreiche Beiträge zu den Roma in Ungarn finden Sie auf unserer Themenseite
http://www.pesterlloyd.net/2009_52/52antiziganismus/52antiziganismus.html
 

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