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(c) Pester Lloyd / 20 - 2010 GESELLSCHAFT 22.05.2010
Seifenblasen gegen Homophobie...
Schwul-lesbischer Aktivismus im Vorfeld der Gay Pride Parade
Am vergangenen Montag fand eine Kurzdemonstration unter dem Motto „Mit Seifenblasen gegen Homophobie“ auf dem Vörösmarty tér statt, organisiert von
dem Team, das sich auch für die alljährliche schwul-lesbische Großdemonstration Budapest Pride verantwortlich zeichnet.
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Zugegeben, Seifenblasen sind nicht gerade eine spektakuläre Art und Weise, um auf
sich und seine Rechte aufmerksam zu machen. Aber es ist wohl gerade dem Spaßfaktor zu verdanken, dass die Kurzdemo doch zu einem kleinen Erfolg wurde. Im Rahmen des
„Internationalen Tags gegen Homophobie und Transphobie“ am 17. Mai 2010 (mehr Infos: www.dayagainsthomophobia.org) hatten sich kurz vor 18 Uhr knapp 50
Menschen auf dem Vörösmarty tér versammelt, jeder von ihnen bekleidet in einer anderen Farbe des Regenbogens, um gemeinsam für 3 Minuten bunt schillernde
Seifenblasen in die Stadtluft zu pusten und somit für mehr Toleranz und ein friedliches Miteinander zu werben. Obwohl sich die Passanten eher weniger für die Aktion
interessierten, waren die Organisatoren dennoch zufrieden, hatten sie es doch vor allem darauf angelegt, mehr Schwule und Lesben für ein wenig Aktivismus zu begeistern.
Grund zu verhaltenem Optimismus ist durchaus angebracht, wenn man sich vor Augen
führt, wie es um den schwul-lesbischen Aktivismus in Ungarn ansonsten bestellt ist. Es ist nämlich keineswegs so, dass die Homosexuellen, die zu einem großen Teil auf ein
hohes Bildungsniveau und eine weitgehende Integration in die Mehrheitsgesellschaft zurückgreifen können, sich stark für die Anerkennung ihres Lebensstils einsetzen
würden. Im Gegenteil, es hat sich eine weitgehende politische Apathie breit gemacht. Die Teilnehmerzahl der alljährlich im Sommer stattfindenden Budapest Pride blieb in
den letzten Jahren immer auf einem konstant niedrigen Niveau.
Die Furcht um Leib und Leben ist dabei wohl der größte Faktor. Während die
Demonstration in den ersten Jahren immer recht zivilisiert über die Bühne ging, änderte sich die Stimmung 2006 mit der berüchtigten „Lügenrede“ des sozialistischen
Ex-Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány und der sich anschließenden allgemeinen Radikalisierung gegen alles „Unungarische“ schlagartig. Keine Pride-Demonstration seit
2007 ist daher ohne umfassenden Polizeischutz ausgekommen und Eier- und Steinwürfe (vereinzelt sogar Molotov-Cocktails!) bei den Gegendemonstranten wurden zur
Normalität. Da verwundert es nicht, dass sich die Betroffenen auch im Alltag in der Zurschaustellung ihrer sexuellen Präferenz stark zurückzunehmen, um schlicht in Ruhe gelassen zu werden.
Teilweise scheint es aber auch so, dass einige Betroffene sogar damit einverstanden
sind, dass man sie als „Bürger zweiter Klasse“ behandelt. Das mag paradox klingen, wird aber nachvollziehbarer, wenn man bedenkt, dass Schwule und Lesben selbst auch
mit den Vorurteilen der Mehrheitsgesellschaft –dass ihr Verhalten pervers, unchristlich etc. sei– aufwachsen und diese nach und nach verinnerlichen. Wenn dann noch die
allgemeine Politikverdrossenheit hinzukommt, die in Ungarn immer stärker um sich greift, dann wird es zunehmend schwieriger Betroffene für eine gemeinsame Sache zu mobilisieren.
Vor diesem Hintergrund sandte die friedliche Seifenblasen-Aktion vom Montag ein
wichtiges Signal an die Betroffenen, sich stärker als bisher einzubringen und in einer starken Gemeinschaft für die eigenen Rechte zu kämpfen. Am 10. Juli 2010, zur 15.
Budapest Pride-Parade wird sich zeigen, ob dieses Signal auch tatsächlich angekommen ist.
Christian Pasche
Hintergrund:
Mehr Informationen zur Budapest Pride und zum
schwul-lesbischen Film- und Kulturfestival (4.-11. Juli 2010): www.budapestpride.hu/en
Für ein kurzes Video der Seifenblasen-Aktion: http://www.budapestpride.hu/en/bubbles-against-homophobia
Zum Thema:
Homosexuelle im Eierhagel Massive Ausschreitungen beim zwölften „Gay Pride Day“ in Budapest
Jenseits von Gloria Gaynor Emanzipation von Schwulen und Lesben in Ungarn
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