(c) Pester Lloyd / 4 – 2009 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.
Ungarns Budget ist schon wieder Makulatur
18.01.2009 · Politik
_______________________________________________________
Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány hat angekündigt, dass angesichts der weiteren Verschlechterung der Weltwirtschaftslage Ungarn seinen Jahreshaushalt umschichten und weitere Maßnahmen ergreifen wird.
Der Premier, der vergangene Woche in Budapest mit dem Generaldirektor des IWF, Dominique Strauss-Kahn konferiert hatte, rief für den 29. Januar eine außerordentliche Parlamentssitzung ein, um über die geplanten Maßnahmen zu beraten. In der Opposition wird er dafür kaum einen Partner finden: Der Fidesz beharrt weiterhin darauf, dass die Lösung der Probleme in Wahlen und der Ablösung der „inkompetenten“ Regierung bestünde.
Nach einer zweitägigen Beratung der Parteiführung hinter verschlossenen Türen erklärte der Premier, dass das BIP anstatt der früher projizierten 0,9 Prozent im Jahr vermutlich um zwei bis drei Prozent sinken werde. Dies und die Tatsache, dass die Inflation niedriger als erwartet ausfallen werde, rissen eine Budgetlücke zwischen 100 und 200 Mrd. Ft. Die Regierung wolle weitgehend am Budgetdefizit von 2,6 Prozent festhalten – ein wesentlich größeres Defizit könne sich das Land nicht erlauben. Er beauftragte Finanzminister János Veres, entsprechende Maßnahmen auszuarbeiten, die dann dem Parlament vorgelegt werden sollen.
Gyurcsány betonte, eine allgemeine Steuersenkung sei nicht möglich, doch könnten Umschichtungen vorgenommen werden. Experten gehen davon aus, dass die Regierung eine Anhebung des Mehrwertsteuersatzes vorschlagen könnte, während gleichzeitig die Tarife für Krankenversicherung und Sozialabgaben gesenkt würden.
(c) Pester Lloyd IHRE MEINUNG IST GEFRAGT – KOMMENTAR ABGEBEN
Köver bezeichnet Strauss-Kahn als Bandenmitglied
18.01.2009 · Politik
_______________________________________________________
Neuerliche Ausfälle eines Fidesz-Führers
Der IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn „gehört zur selben Bande wie Ferenc Gyurcsány – sie können sich gut und gerne als Genosse anreden“. Das sagte der Vorsitzende des Fidesz-Parteiausschusses, László Kövér, auf einer Veranstaltung seiner Partei in Makó.
Der führende Fidesz-Politiker (Abb: Wikipedia) , der für seine zügellose Rhetorik bekannt ist, meinte zudem, dass die rechtsradikale Jobbik Partei eine Kreation der Sozialisten sei, um den Fidesz zu schwächen. „Gibt es nicht genug derartige Parteien, kreiert die MSZP eine“, so Kövér, der die einstige Zentrumspartei und das jetzige MDF als solche einstufte. Jobbik hatte dieser Tage bei einer Nachwahl in der Hauptstadt acht Prozent erreicht. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Rechtsradikalen bei der Europawahl ein Mandat erringen. Jobbik-Vorsitzender Gábor Vona, der einst zum Bürgerkreis um den Fidesz-Chef Viktor Orbán gehörte, bezeichnete die Äußerungen Kövérs als empörend und rief diesen auf, sich bei der Jobbik zu entschuldigen. Laut Vona sei die Distanz zwischen dem „anständigen, antikommunistischen“ Jobbik und dem Fidesz größer, als zwischen der MSZP und dem Fidesz.
(c) Pester Lloyd IHRE MEINUNG IST GEFRAGT – KOMMENTAR ABGEBEN
Streiks am Flughafen Budapest werden fortgesetzt
19.01.2009 · Wirtschaft
_______________________________________________________
Wieder Streik am Flughafen Budapest
Seit Montag, 16.00 Uhr wird am Budapester Flughafen wieder gestreikt. Die beiden beteiligten Gewerkschaften, LESZ und RDSZSZ sagten, dass beide Terminals in Ferihegy davon betroffen sein werden.
Die Flüge von Terminal 1 werden derzeit mit über Terminal 2 abgefertigt. Bereits im Dezember legten Arbeitskampfmassnahmen tageweise den Betrieb am Flughafen still, bzw. behinderten die Abfertigung stark, so dass es zu vielen Verspätungen kam.
Die Gewerkschaften fordern Änderungen in ihrem Kollektivvertrag, einen Kündigungsstopp und nachträgliche Zahlungen für Überstunden. Das Management, des im Besitz der deutschen Hochtief AG befindlichen Flughafen, geißelte den erneuten Streik als unfair, habe man doch abgesprochen, während laufender Verhandlungen, nicht zu solchen Maßnahmen zu greifen. Die Gewerkschaft bezichtigt die Manager hingegen, auf Zeit zu spielen, außerdem ist man wegen des kürzlichen Einsatzes griechischer Streikbrecher erbost.
Die Fluglinie Malév kündigte an, zumindest am Montag und Dienstag noch alle angesetzten Flüge durchführen zu wollen und zu können, bittet die Passagiere aber mindestens zwei Stunden vor Abflug da zu sein und mit Verspätungen zu rechnen.
(c) Pester Lloyd IHRE MEINUNG IST GEFRAGT – KOMMENTAR ABGEBEN
0904leitzins
19.01.2009 · Wirtschaft
_______________________________________________________
Zentralbank senkte Leitzins auf 9,5%
Die ungarische Zentralbank reduzierte auf ihrem regulären Meeting am Montag den Leitzins um 50 Basispunkte auf 9,5% und blieb damit im Rahmen der Erwartungen. Damit korrigert man nun schrittweise die Hau-Ruck-Intervention vom 22. Oktober als man sich mit einem 3-Prozentpunkt-Schritt gegen einen Angriff von Spekulanten auf die nationale Währung Forint wehren musste.
Auch jetzt befindet sich die Zentralbank in einer dauernden Zwickmühle. Einerseits will sie die ohnehin zähflüssige Kreditvergabe nicht zu stark verteuern, um der Wirtschaft Investitionskapital über die Banken zuzuführen, andererseits sorgen niedrige Zinsen für wenig attraktive Einlagerenditen und könnten wiederum einige internationale Finanzzocker zu Spielchen einladen.
Experten geben dem Zinssatz aber durchaus noch Spielraum nach unten, auch wenn der Forint jetzt fast täglich an neuen Rekordtiefs kratzt, mittelfristig richtet man sich ohnehin auf eine längst fällige Abwertung des HUF ein. Zudem gibt die Teuerung (zwangsweise) positive Zeichen. Die Zentralbank schätzt, dass 2009 die ungarische Wirtschaft um 1,7% schrumpfen wird.
(c) Pester Lloyd IHRE MEINUNG IST GEFRAGT – KOMMENTAR ABGEBEN
Entlassungen in Südungarn
20.01.2009 · Wirtschaft
_______________________________________________________
Elcoteq entläßt fast über tausend Arbeiter
Der finnische Zulieferer für die Elektroindustrie Elcoteq wird weltweit rund ein Viertel seiner Mitarbeiter entlassen. Das südungarische Komitat Baranya (Pécs) trifft es dabei besonders hart, 1.150 Menschen verlieren hier ihren Job, darunter 250 „fest“ Angestellte sowie 900 Leiharbeiter. Das Unternehmen beschäftigte bisher rund 5.400 Mitarbeiter in drei Werken in Südungarn. Ein Unternehmenssprecher wollte die Entlassungen mit der normalen jährlichen Fluktuation erklären, die in den letzten Jahren 4.500 bis 7.000 Personen betroffen habe, da seine Branche sehr anfällig für kleinere Konjunkturschwankungen sei. Das „Sack-O-Meter“ des Newsportals index.hu, dass seit Ausbruch der Krise die offiziell angekündigten Entlassungen vermerkt, steht mittlerweile bei 18.000.
(c) Pester Lloyd IHRE MEINUNG IST GEFRAGT – KOMMENTAR ABGEBEN
Forint erreicht neues Allzeittief
20.01.2009 · Wirtschaft
_______________________________________________________
Forint markiert neues Rekordtief
Am Dienstag sackte der Kurs des Forint gegenüber dem Euro auf 287,50 (Forint/EUR) und markierte damit ein neues Allzeit-Tief, der letzte Tiefststand war am 26. Oktober 2008 mit 286,40.
Analysten erwarten binnen Kürze ein weiteres Absacken unter die 290er Marke. Die Gründe für den Verfall sind vielschichtig. Zum einen fehle das Vertrauen in die ungarische Wirtschaft und die Gegenmaßnahmen zur Krise seitens der Regierung. Auch die gestrige Zinssenkung der Zentralbank wird teilweise für das Rekordtief verantwortlich gemacht. Auch die Dollar-Euro-Relation und Zockereien von Spekulanten werden angeführt. Erste Analysten sehen – bei der derzeitigen zurückhaltenden Interventionspolitik – den Forint ab März/April bei unter 300 HUF/EUR.
EUR – HUF – Umrechnung zum Tageskurs (und alle anderen Ostwährungen)
(c) Pester Lloyd IHRE MEINUNG IST GEFRAGT – KOMMENTAR ABGEBEN
Unser monatlicher Nachrichtenspiegel: die wichtigsten Meldungen aus Ungarn und Mitteleuropa, einmal im Monat per E-Mail. Kostenlos, kein Spam, jederzeit abbestellbar.
Nachrichtenspiegel kostenlos abonnieren




