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Neuer Direktor an der CEU Budapest

(c) Pester Lloyd / 04 – 2009 BILDUNG 18.01.2009

Salus publica suprema lex

John Shattuck wird neuer Rektor der Central European University

Ob die Menschen im ganzen sich bessern? Ich glaub´ es, denn einzeln Suche man, wie man auch will, sieht man doch gar nichts davon. Goethe und Schiller: Xenien

John Shattuck wird ab 1. August 2009 als neuer Rektor der Central European University (CEU) fungieren. Er löst Yehuda Elkana ab, in dessen 10-jähriger Amtszeit sich die Universität zu einer Institution mit internationaler Reputation entwickelt hat. „Damals hat man den Leuten noch erklären müssen, was die CEU eigentlich ist“, erzählt Leon Botstein, Vorsitzender des Kuratoriums. Als Ergebnis der langen und intensiven Suche nach einem Nachfolger fiel die Wahl schließlich auf den internationalen Fachmann für Demokratie und Menschenrechtsfragen.

Shattuck, derzeit noch CEO der John F. Kennedy Library Foundation in Boston, bringt jahrzehntelange Erfahrung und internationale Kontakte in seine neue Stellung ein. Unter der Clinton-Administration wirkte er als stellvertretender Staatssekretär für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit. In dieser Funktion arbeitete er unter anderem maßgeblich an der Errichtung eines internationalen Verbrechertribunals für den Völkermord in Ruanda und nahm an den Verhandlungen zum Dayton-Friedensbeschluss teil. Als US-Botschafter in Prag half er bei der Überarbeitung des tschechischen Rechtssystems und unterstützte zivile Ausbildungsprogramme an Schulen und Universitäten des Landes.

Vor seiner Regierungstätigkeit war er bereits Vizepräsident der Harvard-Universität und Lektor an der Harvard Law School. Zudem ist er Träger zahlreicher Ehrendoktorwürden.

Auch eine Bereicherung für Ungarn

Yehuda Elkana jedenfalls weiß die CEU in guten Händen und gibt sich überzeugt, dass sie weiter florieren werde. Im Laufe seiner Amtszeit verdoppelte sich die Studentenschaft auf etwa 1.500 aus 100 Ländern. Die CEU wurde so zu einem der internationalsten Lehr- und Forschungszentren Europas.

Ein Großteil der Studenten rekrutiert sich aus den Staaten Ostmitteleuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion. Diese Internationalität ist es auch, die Ungarn selbst zugute kommt, wie Elkana überzeugt ist. In seinen Gesprächen mit Politikern und Parteiführern machte er immer deutlich, dass die CEU auch eine Bereicherung für das Land ist. Zudem betonte er noch einmal deutlich, dass sich die CEU nicht als Konkurrent der anderen Universitäten im Land sieht, sondern als Partner. Die Kooperation sowohl mit der politischen Elite als auch mit der Zivilgesellschaft wird John Shattuck weiterführen.

„Die Stärke der Universität ist auch ein Produkt ihrer Lage in Budapest, im Zentrum zwischen West, Ost und Süd. Sie profitiert von dieser Lage, so wie das Land von ihr profitiert“, sagt John Shattuck. Als großen Verdienst der letzten Jahre sieht sein Vorgänger Elkana vor allem, dass sich die CEU als ein Ort entwickelt hat, an dem sich intellektuelle Experimente vollziehen, Ideen ausgetauscht werden und sich die Disziplinen überschneiden.

Auch Botstein ist zuversichtlich, dass aus der Universität auch in Zukunft Entscheidungsträger hervorgehen, die „auf die hässlichen Fakten“ achten und mit sozialer Verantwortung und selbstkritisch an der Entwicklung von offenen Gesellschaften beitragen. Mit diesem Auftrag wurde die CEU 1991 von einer Gruppe mitteleuropäischer Intellektueller um den bekannten Finanzier George Soros gegründet. Zunächst in Prag und Budapest ansässig zog sie 1996 vollständig nach Ungarn.

Inhalte zählen

Zwar erwartet John Shattuck nicht, dass sich die Zahl der Studenten bedeutend erhöhen wird, vielmehr setzt er sich zum Ziel, die Stärke der CEU in allen Wissenschaftsbereichen auszubauen sowie weiterhin Studenten aus aller Welt nach Budapest zu holen. „Die CEU hat die Kapazität, als ein neues Modell der internationalen Ausbildung zu dienen, als Institution, die sich den weltweiten Herausforderungen unserer Zeit stellt und sich im Sinne ihres Gründers weltweit für offene Gesellschaften engagiert.“

Niemand erwartet, dass dies in naher Zukunft realisiert wird. Allein der Transformationsprozess in Ostmitteleuropa wird mindestens zwei Generationen in Anspruch nehmen. Und den Universitäten kommt in dieser Hinsicht eine entscheidende Bedeutung zu.

Yehuda Elkana wird weiter an Konzepten für die Hochschule des 21. Jahrhunderts arbeiten. Neben Budgets, Strukturen und Bewertungen müsse mehr Wert auf die Inhalte gelegt werden. Dies ist seiner Überzeugung nach bisher vernachlässigt worden. Nach seiner 10-jährigen herausragenden Tätigkeit an der Spitze der CEU wird Elkana seine Laufbahn zunächst für ein Jahr am Wissenschaftskolleg Berlin und anschließend als Gastprofessor des Max-Planck-Instituts für die Geschichte der Wissenschaft in Berlin sowie am Israel Democracy Institute in Jerusalem fortsetzen.

Sebastian Garthoff

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