(c) Pester Lloyd / 50 – 2010 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.
Wohnungsmarkt in Ungarn vor langsamer Erholung
15.12.2010 · Wirtschaft
Geht alles nach Plan und Wunsch, dürfte die Zahl der fertiggestellten Wohnungen und Wohnhäuser in Ungarn im nächsten Jahr bereits wieder spürbar anziehen. Das Forschungsinstitut DEM prognostiziert dem Immobilienmarkt 2011 29.500 Einheiten, für 2012 sogar 31,500. Doch selbst dann ist der Stand von vor der Krise noch nicht erreicht, 2009 wurden 32.000 Einheiten übergeben, über Jahre gab es auf dem Wohnungsmarkt eine regelrechte Immobilienblase, die mit der Finanzkrise und der Krise der oft leichtfertig vergebenen Fremdwährungskredite platzte. Rund 750.000 ungarische Haushalte können Kredite nicht mehr bezahlen, die Ausfallrate der Banken liegt im Schnitt bei ca. 10%, die Quadratmeterpreise sackten zwischenzeitlich um bis zu 40% weg. Für dieses Jahr wurden bisher lediglich 13.340 neue Eigenheime gemeldet, bis Jahresende werden es wohl höchstens 16.000-18.000.
40 Jahre Haft für Bankräuber von Mór
16.12.2010 · Nachrichten
Der Banküberfall auf eine Filiale der Ersten Bank in der 60 km südwestlich von Budapest gelegenen Stadt Mór im Jahre 2002, schockierte damals das ganze Land. Die brutalen Täter erschossen dabei acht Menschen, es war das blutigste Verbrechen dieser Art, das Ungarn bis dato erlebt hatte. Die Täter erbeuteten damals umgerechnet nicht einmal 3.000 EUR. Im Zuge der Ermittlungen kam es zu einer Reihe von Pannen, es schaltete sich dann sogar das FBI ein. Einer der Täter kam kurz danach bei einem anderen Überfall in der Slowakei ums Leben, die anderen wurden nach und nach gefasst. Der Haupttäter, Róbert Weiszdorn, wurde nun, acht Jahre nach der Tat, von einem Budapester Gericht rechtskräftig zu einer Haftstrafe von 40 Jahren wegen mehrfachen, gemeinschaftlichen Mordes, bewaffneten Überafalls und weiterer Delikte verurteilt.
Erste Bank Ungarn schließt 17 Filialen
16.12.2010 · Wirtschaft
Erste Bank Ungarn schließt Filialen
Nach der Raiffeisen 2009 wird wohl jetzt auch die ungarische Division der Erste Bank (Erste Group) einige Filialen in Ungarn schließen. 17 der derzeit 202 Standorte werden nach Informationen eines ungarischen Wirtschaftsportals aufgegeben, gleichzeitig werden mindestens 180 Stellen gestrichen, zuvor waren 250 im Gespräch. Bei der Bank spricht man lieber von „Straffung“ und „Kosteneinsparungen“ und der „Schaffung eines operativen Designs, das langfristig Bestand hat“. Gemeint ist, dass die Bankensondersteuer mächtig ins Kontor schlägt und da sie über die Bilanzsumme eingehoben wird, kann sie praktisch (und vorerst) nur über die Kostenseite und die Verbesserung der Kreditportfolios kompensiert werden. Letzteres liegt jedoch weniger in der Hand der Bank selbst. Die Erste bleibt drittgrößte Bank in Ungarn. Auch die belgische KBC, in Ungarn mit der K&H Bank vertreten, plant Entlassungen von um die 200 Personen, die UniCredit (Bank Austria) hingegen will massiv ausbauen, allein in Ungarn 120 neue Filialen schaffen, eine Ankündigung, die in Branchenkreisen mit staunendem Entsetzen zur Kenntniss genommen wurde.
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Straßburg-Urteil zu Verbot von Hausgeburten in Ungarn
16.12.2010 · Nachrichten
Straßburg verurteilt Ungarn wegen Verbot von Hausgeburten
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat Ungarn wegen des Verstoßes gegen ein Grundrecht verurteilt, bei dem sich im Lande die Geister scheiden. Als eines der wenigen europäischen Länder, sind Hausgeburten in Ungarn prinzipiell verboten, Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen, die bei solchen Aktivitäten erwischt werden müssen Berufsverbot und sogar Haftstrafen befürchten. Das Europäische Gericht hat nun den Fall einer Frau behandelt, die vor einem Jahr offiziell eine Hausgeburt anmelden wollte. Als dieses Begehren abgelehnt wurde, klagte sie. Das Urteil könnte Bewegung in den Fall von Ágnes Geréb bringen, einer Hebamme, die als die Aktivistin in Sachen Hausgeburt in Ungarn gilt und als „Wiederholungstäterin“ seit zwei Monaten in Untersuchungshaft sitzt und auf ihren Prozess wartet, der u.a. auch auf Verletzung der medizinsichen Ethik hinausläuft, da sie, so der Vorwurf, dringend notwendige medizinische Betreuung bei Neugeborenen unterbunden habe. Die Unterstützer von Geréb sehen darin nur eine weitere Farce, um ihre Aktivistin zu diffamieren. Gegen Geréb wurde bereits auch ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Das Straßburger Gericht benannte Ungarn den Verstoß, belegte das Land mit Gerichtskosten in Höhe von 1.250.- EUR. Einspruch ist möglich.
http://www.pesterlloyd.net/2010_41/41hebamme/41hebamme.html
23% mehr Internetzugänge in Ungarn
16.12.2010 · Wirtschaft
Zahl der Internetkunden in Ungarn auf Kosten der Erlöse stark gestiegen
Die Zahl der Internetzugänge in Ungarn sind binnen eines Jahres um 21,3% angestiegen. Ende September lag die Zahl der Verträge bei 3,1 Millionen, wobei 52,4% davon klassische Breitbandangebote sind, deren Anteil zu Gunsten mobiler Angebote um knapp 8% sanken. Mobiles Internet haben 37,3 der Kunden, +7,8%. Der Anstieg beim mobilen Internet beschleunigte sich und erreichte ein Plus von 46,3% innerhalb eines Jahres. Internet Service Provider in Ungarn melden einen Gesamtzumsatz von 34,04 Milliarden Forint im dritten Quartal des Jahres (ca. 125 Mio EUR), 0,7% mehr als in Q2, allerdings 4,2% weniger als vor einem Jahr. Immerhin war der kleine Anstieg der erste Quartalsanstieg seit Ende 2008. In Ungarn bieten rund 400 Firmen Internetzugänge an, 23 mehr als vor einem Jahr, allerdings konzentrieren sich 90% der Marktanteile in Händen von nur 15 Unternehmen.
TI lobt und kritisiert Justizreform in Ungarn
16.12.2010 · Politik
Transparency International lobt und kritisiert Justizreform in Ungarn
Die Organisation Transparency International (TI) unterstützt „viele der Regierungsmaßnahmen zur Reform des ungarischen Justizssystems“, hieß es seitens des ungarischen TI-Büros in dieser Woche. Viele der Maßnahmen beinhalten längst überfällige Standardisierungen und verpflichtende Schulungen für Justizmitarbeiter. Auch die Maßnahmen zur Erhöhung der Transparenz und Geschwindigkeit von Prozessen werden grundsätzlich unterstützt. Ganz negativ sieht man hingegen die Einführung von „Ausnahmen bei der Verhinderung von Interessenskonflikten“, wie sie in einem jetzt vorliegenden Gesetzentwurf erkenntlich sind. TI schlägt vor, solche zweifelhaften Fälle sofort öffentlich zu verkünden, um nachträgliche Verwerfungen zu verhindern und die Möglichkeiten der Korruption so einzuschränken. Bedenken hat man auch mit einem geplanten Bewertungssystem für die Effizienz von Richtern, dieses könnte die Garantie der Unabhängigkeit der Richter unterminieren. Weiterhin fehlt ein Ethikcodex für Richter. Auch der Ausbau der elektronischen Dokumentenverabreitung in der Justiz zur Beschleunigung der Abläufe wird nicht berücksichtigt, so TI.
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