Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Hatvanpuszta im Wahlkampf: Hadházy mobilisiert zur Besichtigung des Orbán-Anwesens

Hadházy mobilisiert vor der Wahl zur Besichtigung des Symbols systemischer Korruption

Hatvanpuszta. Zwei Wochen vor der Parlamentswahl organisiert der unabhängige Abgeordnete Ákos Hadházy eine politische Exkursion – eine „letzte Reise vor den Wahlen“. Ziel ist jener Ort, der wie kaum ein anderer für den Zustand des ungarischen Systems steht: Hatvanpuszta. Die Frage, die Hadházy stellt, ist bewusst schlicht formuliert: „Luxusschloss oder landwirtschaftlicher Betrieb?“

Der Hatvanpuszta Zoo von Győző Orbán

Die für den 29. März angesetzte Fahrt beginnt in Zugló, mit Zwischenhalt in Kelenföld. Teilnehmer können kostenlos per Bus anreisen oder individuell mit dem Auto folgen. Treffpunkt ist am frühen Nachmittag direkt vor dem Anwesen, das offiziell als „majorság“ firmiert. Von dort aus führt die Route weiter zu Vater Győző Orbáns Golfclub sowie nach Felcsút – zum Stadion, zur Schmalspurbahn, zu jenen Bauwerken, die Hadházy sarkastisch als „In Beton gegossene Symbole des Systems der nationalen Zusammenarbeit“ beschreibt.

Die Inszenierung ist kalkuliert: Hadházy setzt nicht auf abstrakte Kritik, sondern auf physisches Anschauen. Wer teilnimmt, soll sehen, nicht glauben. Bereits in früheren Aktionen hatte er versucht, das Gelände öffentlich zugänglich zu machen – stets begleitet von Polizeipräsenz.

Im Gespräch mit dem Pester Lloyd im Oktober 2025 formulierte Hadházy die zentrale These, die auch hinter dieser Aktion steht:

„Korruption ist nicht nur unschön – sie tötet das Land.“

Hatvanpuszta sei kein Einzelfall, sondern ein sichtbarer Knotenpunkt eines weit verzweigten Systems.

EU-Gelder, Oligarchen und familiäre Netzwerke

Die Brisanz des Ortes ergibt sich aus den Recherchen, die Hadházy und Mitarbeiter in den vergangenen Jahren vorgelegt hat. Offiziell wird das Anwesen dem Vater des Ministerpräsidenten Viktor Orbán, Győző Orbán, zugeschrieben. Die Finanzierungsstruktur wirft schwer legal zu beantwortende Fragen auf.

Im Pester-Lloyd-Interview verwies Hadházy auf auffällig hohe Gewinnmargen im Steinbruchgeschäft von Győző Orbán – deutlich über dem Branchendurchschnitt. Seine Schlussfolgerung: Ein erheblicher Teil der verwendeten Materialien sei über staatlich geförderte Projekte finanziert worden, die wiederum mit EU-Mitteln kofinanziert sind. Die Aufträge gingen häufig an regimenahe Unternehmer wie Lőrinc Mészáros, wodurch sich ein Kreislauf bilde, an dessen Ende private Vermögensbildung stehe – mit öffentlichen Geldern.

„Das heißt: Der Staat bekommt EU-Mittel, die Aufträge gehen an Oligarchen – und diese kaufen wiederum bei Orbáns Vater ein“, so Hadházy. Der Landsitz erscheine nicht als privat finanziertes Projekt sondern als Resultat politisch gesteuerter Umverteilung von öffentlich zu privat.

Neue Details – etwa der Einsatz von Maschinen aus dem Firmenimperium Mészáros oder dokumentierte Zahlungsgarantien – verstärken diesen Eindruck. Selbst ein moderater Preisnachlass beim Bau würde laut Hadházy bereits den Tatbestand erheblicher Korruption erfüllen.

Wahlkampf gegen Korruption

Die Reise nach Hatvanpuszta ist Teil eines Wahlkampfes, der unter strukturell ungleichen Bedingungen stattfindet. Hadházy selbst äußerte im Interview erhebliche Zweifel an der Fairness der bevorstehenden Abstimmung. Ein System aus staatlich dominierter Medienlandschaft und massiver Regierungspropaganda verhindere, dass breite Teile der Bevölkerung überhaupt von Fällen wie Hatvanpuszta erfahren. Das von der Regierung mit öffentlichen Mitteln betriebene Framing der Opposition als Kriegstreiber habe mit Plakatwäldern auch bei der Letzten Wahl erheblichen Einfluss gehabt.

Deshalb wohl eine Strategie der direkten Mobilisierung: die Besichtigung ist Gegenöffentlichkeit.

In einem Land, in dem laut Hadházy jährlich zig Millionen Euro in die Regierungspropaganda fließen, bleibt der unmittelbare Blick auf die Realität ein seltenes Gut.

Quellen: Facebook-Post von Ákos Hadházy, Interview mit Ákos Hadházy im PL
Photo: Envagyokabela / Eigenes Werk / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons.

0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
© Alle Inhalte Copyright 2026 Pester Lloyd
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x