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Eigenes Bildungsressort geplant: Magyar nominiert Judit Lannert als Ministerin

Rückkehr zur Eigenständigkeit durch strukturelle Zentralisierung

Budapest. Péter Magyar hat die Besetzung des Bildungsressorts seiner künftigen Regierung bekannt gegeben. Judit Lannert soll das Ministerium für Kinder- und Bildungsangelegenheiten übernehmen. Die Personalie ist präzise, ihre strukturelle Tragweite entscheidend: Erstmals wird Bildung wieder als autonomes Ressort konzipiert.

Die bisherige Ordnung war fragmentiert. Hochschulen unterstanden zuletzt der politischen Aufsicht von Balázs Hankó. Die öffentliche Bildung wurde durch Staatssekretär Zoltán Maruzsa gesteuert. Diese Aufsplitterung war kein Zufall, sondern Teil einer administrativen Logik, die Zuständigkeiten verteilt und politische Verantwortung entkoppelt.

Historisch markiert die Ankündigung eine Rückkehr zu einer klaren Ressortstruktur. Zuletzt existierte ein solches Ministerium zwischen 2006 und 2010 unter István Hiller. Danach wurde Bildung in Sammelministerien integriert, zunächst im Nationalen Ressourcenministerium, später im Ministerium für Humanressourcen. Diese Konstruktionen bündelten Kompetenzen, reduzierten aber die Sichtbarkeit bildungspolitischer Prioritäten.

Magyars Entscheidung greift genau hier an. Sie ist kein bloßer Personalakt, sondern eine organisatorische Neujustierung. Ob daraus tatsächliche Steuerungsfähigkeit entsteht, bleibt offen. Die Ankündigung selbst enthält keine Angaben zu Kompetenzen, Budget oder institutioneller Reichweite des neuen Ressorts.

Mehrere Schlüsselressorts sind bereits benannt, darunter Finanzen, Gesundheit und Infrastruktur; zudem wurde Anita Orbán als stellvertretende Ministerpräsidentin und Außenministerin nominiert. Am 9. Mai tritt das Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen, auf Einladung von Staatspräsident Tamás Sulyok. Dort erfolgt die Wahl des Ministerpräsidenten und der Regierung.

Judit Lannert’s Profilanalyse

Judit Lannert ist Ökonomin und Sozialpolitikerin, ergänzt durch eine Promotion in Soziologie. Seit 1990 arbeitet sie kontinuierlich im Feld der Bildungsforschung. Diese langjährige Fachexpertise steht einer bislang fehlenden Erfahrung in exekutiven Regierungsämtern gegenüber.

Ihre Karriere ist eng mit staatlichen Forschungsinstitutionen verbunden. Am Országos Közoktatási Intézet und dessen Nachfolgeorganisation, dem Oktatáskutató és Fejlesztő Intézet, durchlief sie zentrale Positionen. Vom wissenschaftlichen Mitarbeiter stieg sie zur Forschungsdirektorin und später zur stellvertretenden wissenschaftlichen Generaldirektorin auf. Ein zentraler Beitrag ist die Initiierung der Reihe Jelentés a magyar közoktatásról. Diese Berichte prägten über Jahre die bildungspolitische Debatte.

Thematisch konzentriert sich Lannert auf Bildungsungleichheit, Leistungsfähigkeit des Schulsystems und Lehrerpolitik. Diese Felder gehören zu den strukturellen Problemzonen des ungarischen Bildungssystems.

2008 gründete sie das T-Tudok Bildungsforschungszentrum. Dort leitete sie nationale und internationale Projekte. In den letzten Jahren verschob sich ihr Fokus auf Kreativitätsförderung im Unterricht. Programme wie die aus England adaptierte Initiative Kreative Partnerschaften wurden unter ihrer Mitwirkung in ungarische Schulen übertragen. Ihr jüngstes Buch Kreatív tanulás, gemeinsam mit Szilvia Németh verfasst, bündelt diesen Ansatz. Es argumentiert für eine Transformation des Lernens durch Kooperation und kreative Methoden.

Quellen: index.hu
Photo: Peter Magyar / Facebook

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