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Nach WM-Aus: Ernüchterung statt Aufbruch – Ungarns Nationalelf im Zwischenraum

Nach dem Aus bei der Weltmeisterschaft beginnt für das Team von Marco Rossi eine Phase der Neujustierung – sportlich, taktisch und mental

Budapest. Die Enttäuschung sitzt tief, auch wenn sie öffentlich nur gedämpft artikuliert wird. Die ungarische Nationalmannschaft hat ihr Minimalziel klar verfehlt. Nachdem Ungarn in der Qualifikationsgruppe F den dritten Platz belegte, ist der Weg zur Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko offiziell beendet. Nun folgt eine Serie von Testspielen zur Selbstvergewisserung.

Das Ausscheiden ohne Perspektive auf die Playoffs markiert einen Rückschritt für eine Mannschaft, die sich in den vergangenen Jahren unter Marco Rossi schrittweise Respekt verschafft hatte. Intern wird die Analyse deutlich nüchterner ausfallen als die offiziellen Verlautbarungen des Verbandes.

Das nächste Spiel gegen Slowenien am 28. März in der Puskás Aréna bildet den Auftakt einer Reihe von Freundschaftsspielen: eine Bewährungsprobe für Struktur und Personal. Es folgt Griechenland wenige Tage später am 31. März, im Juni dann Finnland in Budapest und Kasachstan auswärts.

Die sportliche Ausgangslage ist ambivalent. Ungarn verfügt weiterhin über eine funktionierende Grundstruktur, die auf Disziplin, Kompaktheit und schnellem Umschaltspiel basiert. Dieses Modell trug das Team durch die erfolgreichen Phasen der Nations League und einzelne Achtungserfolge gegen Topnationen. Doch in der jüngsten Qualifikation wirkte das System berechenbar. Gegner stellten sich auf die tief stehende Fünferkette ein, während im Offensivspiel die Variabilität fehlte – trotz Kapitän Dominik Szoboszlais enormen Impact.

3 Neue im Kader

Genau hier setzt die aktuelle Kaderentscheidung an. Mit Márk Csinger, Tamás Szűcs und Áron Yaakobishvili beruft Rossi drei Neulinge, die bislang außerhalb des engeren Nationalmannschaftsgefüges standen. Ergänzt wird der Kader durch Rückkehrer wie Redzic und Bárány, die nach längerer Abwesenheit wieder berücksichtigt werden. Es ist ein vorsichtiger personeller Umbau ohne Bruch, eher eine schrittweise Öffnung. Auffällig ist dabei, dass Rossi nicht allein auf kurzfristige Form setzt, sondern bewusst Spieler integriert, die perspektivisch eine Rolle spielen könnten – ein Hinweis darauf, dass der Umbruch intern längst eingeplant ist.

„Wir beobachten diese Spieler seit sehr langer Zeit. Deshalb haben wir uns entschieden, sie nicht nur aufgrund ihrer aktuellen Form einzuladen, sondern auch auf Basis unserer langfristigen Bewertungen. Leider gibt es einige etablierte Nationalspieler, die derzeit nicht in der nötigen Form sind. Das eröffnet uns eine sehr gute Gelegenheit, mehreren bislang unberücksichtigten Spielern eine Chance zu geben. Gleichzeitig wollen wir auch Redzic und Bárány wieder im Training und in diesen Spielen sehen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt – auch mit Blick auf die Juni-Spiele -, um herauszufinden, ob einer von ihnen der Nationalmannschaft langfristig helfen kann.“

Insbesondere im zentralen Mittelfeld offenbarte sich ein strukturelles Problem. Die Verbindung zwischen Defensive und Angriff blieb zu oft Stückwerk, das Spiel nach vorne hing an wenigen Akteuren. Dominik Szoboszlai bleibt der kreative Fixpunkt, doch die Abhängigkeit von seiner Form ist offensichtlich. Fällt er aus oder wird neutralisiert, verliert das Spiel der Ungarn an Dynamik und Idee.

Die Chancenverwertung war über weite Strecken unzureichend, das Positionsspiel im letzten Drittel zu statisch. Rossi setzte weiterhin auf physische Präsenz und zweite Bälle, doch gerade gegen defensiv organisierte Gegner fehlten Lösungen im Kombinationsspiel.

Der Kader mit 3 Neuen und zwei Rückkehrern

Die kommenden Testspiele bieten daher die Gelegenheit, taktische Anpassungen vorzunehmen. Denkbar ist eine vorsichtige Abkehr vom strikt reaktiven Ansatz hin zu mehr Ballbesitzphasen – zumindest gegen gleichwertige Gegner. Ebenso wird die Integration jüngerer Spieler eine Rolle spielen. Der Kader wirkt in Teilen überspielt, Alternativen wurden bislang nur zögerlich eingebaut.

Die Stimmung rund um das Team ist entsprechend verhalten. Während die Öffentlichkeit dem Trainer weiterhin Vertrauen entgegenbringt, wächst intern der Druck, eine erkennbare Weiterentwicklung einzuleiten. Die Nations League im Herbst, mit Gegnern wie Ukraine, Georgien und Nordirland, wird zur echten Standortbestimmung.

Der Blick richtet sich daher weniger auf Ergebnisse in den kommenden Wochen als auf Prozesse. Kann Ungarn sein Spiel weiterentwickeln, ohne seine defensive Stabilität aufzugeben?

Die kommenden Partien im Überblick:

28.03.2026 – Slowenien – Puskás Aréna, Budapest – 18:00- Freundschaftsspiel
31.03.2026 – Griechenland – Puskás Aréna, Budapest – 18:00 – Freundschaftsspiel
05.06.2026 – Finnland – Puskás Aréna, Budapest – Freundschaftsspiel
09.06.2026 – Kasachstan – Auswärts – Stadion noch offen -Freundschaftsspiel

25.09.2026 – Ukraine – Heimspiel, Puskás Aréna, Budapest) – UEFA Nations League
28.09.2026 – Nordirland – Auswärts, Stadion offen – UEFA Nations League
02.10.2026 – Georgien – Heimspiel, Puskás Aréna, Budapest – UEFA Nations League

Kader

Tor:
Péter Szappanos (Puskás Akadémia)
Balázs Tóth (Blackburn Rovers)
Áron Yaakobishvili (FC Andorra)

Verteidigung:
Botond Balogh (Kocaelispor)
Bendegúz Bolla (Rapid Wien)
Márk Csinger (ETO FC)
Márton Dárdai (Hertha BSC)
Milos Kerkez (Liverpool)
Loic Nego (Le Havre)
Willi Orbán (RB Leipzig)
Attila Osváth (Ferencváros)
Kornél Szűcs (Vojvodina)

Mittelfeld:
Péter Baráth (Sigma Olomouc)
András Schäfer (Union Berlin)
Callum Styles (West Bromwich Albion)
Dominik Szoboszlai (Liverpool)
Tamás Szűcs (Debreceni VSC)
Alex Tóth (Bournemouth)
Milán Vitális (ETO FC)

Angriff:
Donát Bárány (Debreceni VSC)
Damir Redzic (RB Salzburg)
Dániel Lukács (Puskás Akadémia)
Roland Sallai (Galatasaray)
Szabolcs Schön (ETO FC)
Barnabás Varga (AEK Athens)

Quellen: MLSZ, kicker.de
Photo: MLSZ.hu

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