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Ungarns Einkommensungleichheit erreicht neuen Höchststand

Eine GKI-Analyse zeigt, wie sich Einkommen und Vermögen seit 2010 zunehmend bei einer kleinen Elite konzentrieren.

Die Einkommensungleichheit in Ungarn hat sich in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten deutlich verschärft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts GKI, das im Rahmen einer Serie zu den wirtschaftspolitischen Herausforderungen der künftigen Regierung die Entwicklung von Einkommen und Vermögen untersucht hat. Die Autoren László Molnár und Miksa Török machen vor allem steuer- und wirtschaftspolitische Entscheidungen seit 2010 für die zunehmende Polarisierung verantwortlich.

Den Berechnungen zufolge verfügten die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung im Jahr 2025 lediglich über drei Prozent des gesamten Einkommens, die zweitärmste Einkommensgruppe über fünf Prozent. Gleichzeitig entfielen bereits 24 Prozent aller Einkommen auf das reichste Zehntel der Bevölkerung. Im Jahr 2010 lag dieser Anteil noch bei 20 Prozent.

Besonders stark fiel der Zuwachs an der Spitze der Verteilung aus. Das einkommensstärkste Prozent der Bevölkerung vereinte 2025 bereits 5,5 Prozent aller Einkommen auf sich, verglichen mit 3,6 Prozent fünfzehn Jahre zuvor. Nach Angaben des GKI übersteigt das Einkommen dieser kleinen Gruppe inzwischen jenes des gesamten ärmsten Einkommenszehntels um 83 Prozent. Die reichsten 20 Prozent erzielen mit einem Anteil von 39 Prozent zudem mehr Einkommen als die ärmere Hälfte der Bevölkerung zusammen, deren Anteil lediglich 31 Prozent beträgt.

Als zentrale Ursachen nennt die Studie unter anderem die Einführung der Flat Tax, die vergleichsweise geringe Besteuerung von Kapital- und Zinserträgen, die Abschaffung der Erbschaftsteuer sowie umfangreiche Steuervergünstigungen. Auch die Reform der Wohnbauförderung habe vor allem vermögendere Haushalte begünstigt. Hinzu komme, dass öffentliche Aufträge den Wohlstand einer kleinen wirtschaftlichen Elite zusätzlich vergrößert hätten.

Europäischer Vergleich offenbart niedrige Einkommen trotz ähnlicher Verteilung

Im europäischen Vergleich zeigt sich laut GKI ein differenziertes Bild. Die Einkommensverteilung der unteren Einkommensgruppen entspricht weitgehend dem Durchschnitt der Europäischen Union. Innerhalb der Visegrád-Staaten schneiden einkommensschwächere Haushalte in Ungarn bei der relativen Verteilung sogar geringfügig besser ab.

Dieser statistische Befund verdecke jedoch erhebliche Unterschiede beim tatsächlichen Einkommensniveau. So lag das durchschnittliche Jahreseinkommen am oberen Ende des untersten Einkommensdezils in Ungarn 2025 bei lediglich 4.550 Euro. In Tschechien erreichte derselbe Wert 9.230 Euro und damit mehr als das Doppelte. Auch Polen mit 7.850 Euro und die Slowakei mit 7.330 Euro lagen deutlich darüber.

Ebenso niedrig fällt die Einkommensschwelle für den Eintritt in das oberste Einkommenszehntel aus. Während in Ungarn bereits ein Jahreseinkommen von 16.670 Euro ausreichte, waren dafür in Tschechien 25.390 Euro, in Polen 23.970 Euro und in der Slowakei 21.170 Euro erforderlich.

Vermögen konzentriert sich noch stärker als Einkommen

Noch ausgeprägter sind laut der Untersuchung die Unterschiede bei den Vermögen. Zwar seien die Vermögensungleichheiten in den vergangenen zehn Jahren leicht zurückgegangen, dennoch kontrollieren die vermögendsten zehn Prozent der Haushalte weiterhin rund die Hälfte des gesamten Nettovermögens des Landes. Die untere Hälfte der Bevölkerung verfügt dagegen lediglich über zehn Prozent.

Bei den Finanzvermögen fällt die Konzentration noch deutlicher aus. Nach Daten der Ungarischen Nationalbank besitzen die reichsten zehn Prozent 71 Prozent des gesamten Finanzvermögens, während auf die untere Hälfte der Bevölkerung lediglich fünf Prozent entfallen. Weniger als fünf Prozent der Haushalte mit einem Finanzvermögen von höchstens 500.000 Forint halten Staatsanleihen. In der Vermögensgruppe mit mehr als zehn Millionen Forint Finanzvermögen liegt dieser Anteil dagegen bei rund 60 Prozent.

Die Autoren weisen darauf hin, dass finanzielle Vermögenswerte zusätzliche Zinserträge und Kapitalgewinne erzeugen, wodurch sich bestehende Unterschiede weiter verstärken. Auslandsvermögen werde in den verfügbaren Statistiken zudem nur teilweise erfasst, weshalb die tatsächliche Konzentration an der Spitze noch höher ausfallen könnte.

Nach Einschätzung des GKI könnten angekündigte Reformen einer neuen Regierung die Einkommensungleichheit verringern. Die Analyse bezeichnet deren Umsetzung als wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem ausgewogeneren und nachhaltigeren Wirtschaftsmodell.

Quelle: aktuelle Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts GKI.
Photo: AI-Generiert

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