Freiwillige Sparmaßnahmen enden, Wasserstände steigen leicht – Regierung kündigt Aufarbeitung „verpasster“ Investitionen an
Budapest. Nach tagelangem Ausnahmezustand durch Hitze, Wassermangel und Stromknappheit gibt Premierminister Péter Magyar Entwarnung: Ab Freitag entfallen die freiwilligen Energiesparaufrufe für Unternehmen, Kommunen und Privathaushalte, das Notfall-Homeoffice im öffentlichen Dienst endet, ausgesetzter Güterzugverkehr wird wieder aufgenommen und die Zierbeleuchtung öffentlicher Gebäude darf zurückkehren. Die dritte Hitzewarnstufe wird ab Samstag auf die zweite gesenkt.
Grund für die Entspannung: Regen im Donaueinzugsgebiet lässt die Pegel steigen – bei Paks um 3 cm binnen 24 Stunden, insgesamt 13 cm seit Sonntag, mit weiteren 20 cm in den kommenden Tagen erwartet. Die Erleichterung dürfte allerdings nur vorübergehend sein, da für die Zeit nach Samstag kein weiterer Regen vorhergesagt ist.
Paks – „Verbessert, aber weiterhin schwierig“
Trotz der positiven Signale bleibt die Lage am Atomkraftwerk Paks angespannt. Von acht Turbinen läuft weiterhin nur eine, die Leistungsreduktion beträgt 1.770 MW – statt 2.000 MW werden derzeit nur 230 MW erzeugt. Die Wassertemperatur an der Kühlwasserentnahme lag am Freitag bei 28,2 Grad. Magyar kündigte an, eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe solle langfristige Lösungen erarbeiten, falls Niedrigwasser das Kraftwerk auch künftig beeinträchtigt.
Kritik an jahrelanger Vorbereitungslücke
Auffällig deutlich äußerte sich Außenministerin Anita Orbán: Ungarn habe die Wetterextreme der vergangenen 16 Jahre nicht ausreichend vorbereitet, notwendige Investitionen seien verschleppt worden. Die lange gehegte Annahme, Ungarns Süßwasserreserven allein böten ausreichend Sicherheit, sei „eindeutig falsch“ gewesen. Sie will das Thema beim nächsten C5-Treffen (Österreich, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn) auf die Agenda setzen. Auch Magyar selbst kündigte an, der Verteidigungsrat werde aufarbeiten, welche Investitionen versäumt wurden und wo die größten Schwachstellen liegen – Klimawandel sei „längst Realität“.
Budapest hält an Sparmaßnahmen fest
Bürgermeister Gergely Karácsony erklärte, die Hauptstadt werde ihre Energiesparmaßnahmen – reduzierte Taktung im öffentlichen Verkehr, abgeschaltete Zierbeleuchtung, stillgelegte Brunnen – vorerst beibehalten. Die Trinkwasserversorgung sei stabil. Zudem ließ die Stadt gemeinsam mit dem Energieversorger MVM Next einen kontaminierten Donauabschnitt beim ehemaligen Óbudaer Gaswerk einzäunen und mit der Neutralisierung der austretenden Schadstoffe beginnen – rechtzeitig vor dem Sziget-Festival. Karácsony betonte, unter der Vorgängerregierung sei trotz eindeutiger Zuständigkeit „absolut nichts“ zur Sanierung des Areals unternommen worden.
Sziget: Kein Strom- oder Wassermangel erwartet
Festivalgründer Károly Gerendai gab für das am 11. August startende Sziget-Festival Entwarnung: Diesel-Notgeneratoren würden voraussichtlich nicht benötigt, ergänzende Sprinkleranlagen und Wassertanks seien vorsorglich installiert. Wegen der „Katastrophenstimmung“ durch Hitze und Energiedebatte hätten sich die Ticketverkäufe zwar verlangsamt, ein Besucheransturm auf die maximal zulässigen 95.000 Personen pro Tag gilt angesichts der trockenen, staubigen Bedingungen ohnehin als unwahrscheinlich.
Die akute Krise scheint fürs Erste abgewendet, dank Regen mehr als dank struktureller Lösungen. Dass sowohl Magyar als auch die Außenministerin explizit versäumte Investitionen und mangelnde Vorbereitung ansprechen, deutet an, dass die Debatte über Ungarns Klimaresilienz – anders als frühere Sommer – nicht mit dem Ende der Hitzewelle verebben dürfte.
Quellen: kormany.hu, MTI, Facebook – Gergely Karácsony
Photo: Sziget Festival 2024, Wikicommons






