Der Freispruch von Yorgen Fenech nach dem Mord an Daphne Caruana Galizia empört viele.
Valletta. Der Freispruch des maltesischen Unternehmers Yorgen Fenech hat auf Malta und international für Empörung gesorgt. Fenech wurde von dem Vorwurf freigesprochen, den Mord an der investigativen Journalistin Daphne Caruana Galizia in Auftrag gegeben zu haben. Der Mord, der sich im Oktober 2017 ereignete, hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt und die Aufmerksamkeit auf Korruption und kriminelle Machenschaften in Malta gelenkt. Fenech wurde von einer Jury freigesprochen. Bei einer Verurteilung wäre eine lebenslange Haftstrafe wahrscheinlich gewesen.
Zahlreiche Pressefreiheitsorganisationen äußerten ihre Besorgnis über die Signalwirkung des Urteils. Das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit bezeichnete das Urteil als „beunruhigende Botschaft“ an diejenigen, die Journalisten angreifen. Reporter ohne Grenzen forderte „vollständige Gerechtigkeit“ und kritisierte das Versagen der maltesischen Behörden, den Drahtzieher zu identifizieren. Die Europäische Journalisten-Föderation verurteilte das „Versagen der maltesischen Justiz“ und nannte das Urteil eine Verweigerung von Gerechtigkeit. Die maltesische NGO Repubblika betonte, dass ernsthafte Reformen gegen Korruption notwendig seien.
Die maltesische Regierung rief nach dem Urteil zu Ruhe und Zurückhaltung auf. In der Hauptstadt Valletta reagierten Hunderte Menschen mit Protesten. Die oppositionelle Nationalistische Partei organisierte eine „stille Demonstration“ vor dem Amtssitz von Premierminister Robert Abela. Parteichef Alex Borg erklärte, der Mord sei aus diesem Gebäude heraus geplant worden. Hunderte Menschen demonstrierten gegen den Freispruch, und Fenech verließ den Gerichtssaal unter „Mörder“-Rufen der Demonstranten. Die Nationalistische Partei forderte zudem eine Sondersitzung des Parlaments zu dem Fall.
Daphne Caruana Galizia war eine prominente Kritikerin der maltesischen Regierung und hatte an Enthüllungen über Korruption und illegale Geschäfte gearbeitet. Ihr Tod führte zu politischen Unruhen in Malta und zu verstärkter internationaler Aufmerksamkeit für den Fall. Der damalige Regierungschef Joseph Muscat trat 2020 zurück, nachdem ihm vorgeworfen wurde, bei den Ermittlungen Freunde und Verbündete schützen zu wollen. Eine Untersuchung hatte aufgezeigt, dass institutionelle Versäumnisse den Mord an der Journalistin ermöglicht hatten und dass diese bis heute nicht vollständig aufgearbeitet und behoben sind.
Die Familie von Caruana Galizia fordert weiterhin Gerechtigkeit und eine umfassende Aufklärung des Mordes. Ihr Sohn Matthew Caruana Galizia kritisierte auf Facebook die Entscheidung der Geschworenen als „schrecklich“ und betonte, dass Malta verhindern müsse, dass weitere Menschenleben verloren gehen. Caruana Galizias Schwester Corinne Vella äußerte sich schockiert über die Folgen des Urteils und warnte, dass es signalisiere, dass man Journalisten straflos töten könne. Der Fall bleibt ein Symbol für den Kampf gegen Korruption und für die Sicherheit von Journalisten weltweit.
Quellen: ORF, Der Standard
Photo: Dans / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
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