(c) Pester Lloyd / 37 – 2013 KULTUR 13.09.2013
„Wir fahren nicht!“ Unter dieser Überschrift erklärte das Wiener Burgtheater, eine der bedeutendsten Spielstätten deutschsprachiger Dramatik, in einer Aussendung am Freitag, die Einladung des Ungarischen Nationaltheaters zu einem Gastspiel anlässlich dessen 1. Internationalen Festivals im Frühjahr 2014 nicht anzunehmen. Weiter heißt es: „Die Erfahrungen mit Kulturpolitikern der derzeitigen ungarischen Regierung, darunter Minister Zoltán Balog und Attila Vidnyánszky, haben gezeigt, dass diese unsere Begegnungen anschließend oft anders darstellten, als sie sich zugetragen haben. Wir wollen nicht zulassen, dass der gute Ruf des Burgtheaters erneut benützt wird, um den beschädigten Ruf der ungarischen Kulturpolitik zu reparieren. Daher nehmen wir die Einladung nicht an.“ Szene aus einer “Liliom”-Inszenierung (Ferenc Molnár) an der Wiener Burg.
Man wolle andererseits aber „den Diskurs über die Entwicklung der Kulturpolitik in Ungarn fortsetzen und eine differenzierte Diskussion ermöglichen“. Aber, „Das geht zur Zeit besser in Wien als in Budapest.“ Das Burgtheater erwägt, ein Theaterfestival mit aktuellen Aufführungen aus Ungarn zu organisieren, „sofern die finanziellen Mittel aufgebracht werden können.“ Bei diesem Festival „soll eine unterschiedliche Auswahl ungarischer Inszenierungen gezeigt werden. Sowohl unabhängige Theatergruppen, die sich durch die Kulturpolitik der Regierung geschädigt fühlen, als auch das Budapester Nationaltheater, das nach der neuen Besetzung dem nationalkonservativen Lager zugerechnet werden muss, sollen dort zu sehen sein.“ Im Februar 2013 schloss sich das Burgtheater, unter Intendanz des Deutschen Mathias Hartmann, einem Protestbrief gegen die Orbánsche Kulturpolitik an. Dieser wurde von Ungarn als Einmischung in innere Angelegenheiten scharf zurückgewiesen. In einem am 1. Februar vor den Vorstellungen auf Wiener und anderen europäischen Bühnen wurde ein Memorandum verlesen, das zu Toleranz, Vielfalt und Solidarität für die Schwächeren im eigenen Umfeld aufruft. „Wenn 200 Kilometer von Wien Kultureinrichtungen ins Mittelalter geführt werden, müssen auch bei uns die Alarmglocken läuten“, warnte damals der Kultursprecher der Grünen Wien, Klaus Werner-Lobo.
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Aus dem Pester Lloyd von 1930 Siegfried Loewy: Ungarische Dichter auf Wiener Bühnen http://www.pesterlloyd.net/html/1930loewyungdichteraufwienerbu.html red.
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