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Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 5/2012

(c) Pester Lloyd / 5 – 2012 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.

Nächste Runde im Chaos um Flat tax in Ungarn

30.01.2012 · Wirtschaft

Bis Ende Januar wird das Wirtschaftsministerium Ausschreibungen für Lohnzuschüsse auf den Weg bringen. 21 Mrd. Forint Haushaltsmittel sind dazu vorgesehen, denjenigen Unternehmen Lohnzuzahlungen (über Steuer- bzw. Abgabengutschriften) zu ermöglichen, die die Gehälter ihrer untersten Einkommensbezieher (alle unter 218.000 HUF brutto im Monat) mehr als 5% anheben, damit diese keine Einbußen durch die flat tax (Superbrutto, Wegfall der Steuerbemessungsgrenze für Geringverdiender) erleiden müssen. Um das zu erreichen hatte die Regierung bereits andere, zum Teil haarsträubende Übergangsregelungen eingeführt, welche die ohnehin zweifelhafte Idee der flat tax ad absurdum führten. Ein zweites Schema sieht vor, auch jenen Unternehmen, die diese Löhne "nur um 2-3% anheben" können, mit Zuschüssen zu helfen, "die 5% zu erreichen", womit die Verwirrung komplett wäre. Zudem muss die Lohnerhöhung rückwirkend zum 1. Januar durchgeführt werden. Zuvor hatte die Regierung all jenen Unternehmen, die sich nicht auf staatliche "empfholene" Lohnanhebungen einlassen wollten, gedroht, sie von öffentlichen Aufträgen auszuschließen

Die flat tax ist eines der heißesten Eisen in den Verhandlungen Ungarns mit dem IWF um einen neuen Notkredit. Der Multinationenbank geht es dabei aber nicht in erster Linie um die sozialen Ungerechtigkeiten darin, sondern die Eskalation im Steuerwettbewrb in Europa sowie die Ausfälle für den Staatshaushalt, die sich auf knapp 400 Mrd. Forint im Vorjahr summierten. Mehr zur chaotischen Einführung der flat tax hier

Ungarn: "Grounding" der Malév nur noch Frage von Tagen

01.02.2012 · Wirtschaft

Wie hier bereits vermutet , bereiten sich ungarische Regierung und Malév-Management bereits aktiv auf ein mögliches, baldiges „Grounding“, sprich die soforitge Einstellung des kompletten Flugbetriebes, der Airline vor. „Die Regierung bereitet vorbeugende Maßnahmen für einen möglichen Betriebsstopp der nationalen Fluggesellschaft“ Malév vor, hieß es in einer knappen Mitteilung aus dem Ministerium für Nationale Entwicklung, das die staatlichen Verkehrsunternehmen verwaltet, am Dienstag.

Am Montagabend unternahm der Vorstandschef einen ziemlich hilflosen Versuch, Geschäftspartner und Kunden zu beruhigen, als er auf die bevorstehende Zahlungsunfähigkeit wegen einer unterlassenen Kapitalspritze mit den Worten reagierte „Wir fliegen heute und ich hoffe, wir fliegen auch noch morgen.“ CEO Berenyi meinte, es gäbe schließlich auch andere Airlines, die unter Insolvenzverwaltung gut weiterarbeiten könnten. Die Ankündigungen der Regierung lassen ein „Grounding“ sogar in den nächsten Stunden oder Tagen vermuten, heißt es doch: „Die Regierung möchte sicherstellen, dass strandenden Passagieren geholfen wird.“ und stellte dafür auch einen Notfonds in Aussicht. Die Rückholung ist in Abkommen mit der IATA, der internationalen Passagierflugvereinigung geregelt. Die Hintergründe zu den aktuellen Ereignissen rund um die Malév finden Sie in unserem gestrigen Beitrag .

Ungarischer Käse als Verkaufsschlager im Nahen Osten

08.02.2012 · Wirtschaft

Am Wochenende fand die Grundsteinlegung für eine neue Produktionshalle der Wassim Käserei in Hajdúböszörmény statt. Die Gesellschaft wird zum Großteil durch den ungarischen Geschäftsmann libanesischer Abstammung, Riad Naboulsi, gehalten. Die 1.700 Quadratmeter große Halle soll die schon bestehende Produktionshalle ergänzen und mit den neusten technischen Produktionsmaschinen ausgestattet werden

Die neue Produktionshalle soll neue Arbeitsplätze und den Lebensunterhalt für 100 Menschen und ihre Familien mit sich bringen. Mit der neuen Anlage, die bis Mitte 2013 fertiggestellt sein wird, soll ein Produktionsmaximum von 1500-2000 Tonnen Käse pro Jahr sichergestellt werden. Die Gesamtkosten für das Projekt in Höhe von 850 Mio. HUF, etwa 2,83 Mio. EUR, wurden durch den Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) mit einer Summe von 425 Mio. HUF, rund 1,42 Mio. EUR, gefördert. Die Wassim Gesellschaft ist sehr erfolgreich bei dem Vertrieb ihrer Produkte im Nahen Osten, so sind verschiedene Arten von ungarischem Käse beliebte Nahrungsmittel in Ländern wie Libanon, Jordanien, Saudi-Arabien oder den Arabischen Emiraten. Diese Meldung wurde prominent auf der offiziellen Regierungswebseite platziert und stach dort etwas heraus, offenbar weil sie den gewünschten neuen “strategischen Partnerschaften” im Osten dient.

100 Ärzte verlassen jeden Monat Ungarn

16.02.2012 · Nachrichten

Zwar war eine große Kündigungswelle von Ärzten zu Jahresanfang, wie zuvor in Tschechien und der Slowakei, in Ungarn wegen einer Übergangslösung in letzter Minute zwischen Ärztevertretern und Gesundheitsbehörden abgewendet worden, doch der Aderlass im Gesundheitswesens bleibt bestehen. Der Forschungschef der Budapester Semmelweiß Universität schlug jetzt Alarm und rechnete vor, dass rund 100 Ärzte pro Monat das Land verlassen – weil sie weder eine auch nur annähernd adäquate Bezahlung, noch akzeptable Arbeitsbedingungen vorfinden. Mittlerweile würden rund 1/3 der ungarischen Medizinabsolventen gleich ins Ausland gehen, seit 2006 habe Ungarn insgesamt 4.000 Ärzte weniger. In vielen Bereichen schtößt das Gesundheitswesen bereits an seine Grenzen, der Professor warnte, dass weitere Ausfälle u.a. bei Intensivmedizinern unmittelbare Auswirkungen auf die Lebensrettung haben müssten

Die strukturellen Probleme im ungarischen Gesundheitswesen sind nach wie vor ungelöst, woran auch die Zentralisierungsbestrebungen bei Krankenhäusern, u.a. durch die Übernahme der Komitatseinrichtungen geändert haben, eher wurde die Verunsicherung gesteigert. Kürzungen bei der Medikamentenzuzahlung haben die Kosten für die Patienten weiter erhöht. Die Mitarbeiter des Gesundheitswesens hatte man Ende letzten Jahres mit einer Prämie aus den Erlösen der “Chipssteuer” zu befrieden versucht, eine Einmalzahlung zwischen 80 und 400 EUR, die jedoch kaum jemanden zum Bleiben veranlassen dürfte. red.

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