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(c) Pester Lloyd / 21 - 2009
WIRTSCHAFT 18.05.2009 _______________________________________________________
Kristallkugelschauen
Wirtschaftsleistung in Osteuropa sank drastisch
Selbst schuld, wer überhaupt noch etwas erwartet hatte: In CEE/SEE ist der BIP-Rückgang im ersten Quartal 2009 deutlich höher als Bloomberg, IWF und
andere Experten erwartet hätten. Die Zahlen aus Ungarn, Tschechien, Slowakei, Bulgarien, Rumänien sind durchgehend schlecht. Ungarn verhandelte
schon mal vorbeugend über ein höheres Defizit und sogar weitere Kreditlinien.
Ungarn hat schon einmal nachgeforscht, wie die
Europäische Kommission auf eine höhere Überziehung des zulässigen Staatsdefizits reagiert. Dazu trafen sich Delegationen der EU und des IWF mit Regierungsvertretern in Budapest. Ministerpräsident
Bajnai sagte, es sei noch zu früh, um einschätzen zu können, wie das Defizit am Ende des Jahres wirklich ausschaue. Auch die etwaige Ausweitung der
Hilfskreditlinien werden verhandelt, es ist möglich, dass 20 Milliarden nicht reichen werden, um Ungarns Stabilität zu garantieren.
Grund für die hektischen Verhandlungen sind auch aktuelle Zahlen aus
Ungarn und Mittelosteuropa: Der Einbruch des Bruttoinlandsproduktes in Ungarn im ersten Quartal betrug dann doch 5,8%, das ließ die Alarmglocken läuten, immerhin hatte
man in bösen Prognosen erst mit bis zu 5% gerechnet. Damit einher gehen werden: eine noch höhere Arbeitslosigkeit, sprich Kosten für die Sozialbudgets, weitere
Steuerausfälle bei Unternehmen und der Mehrwertsteuer sowie ein weiterer Rückgang bei Export und Binnennachfrage. Für Ungarn tippen die meisten
Wahrsager derzeit auf -6,5% beim BIP für das Gesamtjahr 2009.
In der Slowakei
beträgt der Rückgang im ersten Quartal (zum Vorjahreszeitraum) 5,4%, hier war die böse Überraschung noch größer, hatte man in Bratislava auf "nur"
-2% gehofft. Die Industrieproduktion ging im gleichen Zeitraum um 22,6% zurück. Hier stehen die Prognosen für das Gesamtjahr bei -2,1 bis -3%. Die Slowakei hat
zwar mit der Autoindustrie einen riesigen Klotz am Bein, doch andererseits ist das Land Mitglied der Eurozone, Kopfzerbrechen über die Währungsschwankungen, die in
Ungarn wie ein Damoklesschwert über dem Land hängen, gibt es hier nicht mehr.
Tschechiens
BIP schrumpfte 3,4%, doppelt so viel, wie prognostiziert, die Industrieproduktion schrumpfte um 21%. Das Land steht als einen Hauch besser da
als die Slowakei oder erst recht Ungarn. Tschechien hatte gehofft, einiges an Exporteinbußen über den Konsum im Inland abfedern zu können, was sich
weitgehend als Trugschluss herausstellte, dafür stieg die Sparquote an, was für die Tschechen spricht, aber den Zahlen nicht viel hilft. Ebenso wie in der Slowakei,
wollte auch die tschechische Regierung ihren Bürgern noch vor kurzem einreden, ihre Länder könnten sogar mit einem leichten Wachstum rechnen. Nun erwartet man auch in Prag bis zu 3% Minus für 2009.
Rumäniens
BIP sackte im ersten Quartal 2009 um 6,4% ab. Wenn man bedenkt, dass das Land 2008 noch ein Wachstum von 7,1% (im letzten Quartal immerhin noch fast
3%) hinlegte, kann man ungefähr den Einschlag ermessen, den diese Zahlen im realen Leben der Rumänen bedeutet. Der IWF hofft schon fast, dass das Land mit
4% Minus 2009 hinkommt und 2010 auf diesem Level stagniert. Die internationalen, weitblickenden Analysten kritisieren, dass viele der Länder in CEE-SEE darauf gesetzt
hätten, sich mit ihrer Niedriglohnsituation schon aus der Krise heruashalten zu können, oder gar als Gewinner daraus hervor gehen könnten.
Bulgarien
"schaffte" ein Minus von 3,5%, das gleiche hatte man im Vorjahr, jedoch als Plus verbuchen können. Auch hier der Vorwurf, die Regierung ahbe geglaubt, ihre
Wirtschaft sei von der Weltkrise weitgehend isoliert. Ansonsten steht das Land erstaunlich gut da. Zwar hat die Politik des festen Wechselkurses des Lev zu einer
ziemlichen Überbewertung der Währung geführt, doch der Staatshaushalt ist einem viel besseren Zustand als jener vieler anderer Länder, was der Regierung mehr
Spielraum gibt. Ob davon was bei den Krisenopfern ankommt, ist (nicht nur) in Bulgarien bekanntlich ein ganz anderes Problem.
(c) Pester Lloyd
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