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(c) Pester Lloyd / 12 - 2010  WIRTSCHAFT 25.03.2010

 

Gestutzter Blätterwald

Springer und Ringier werfen ihr Geschäft in Osteuropa in einen Topf

Die zwei Verlagsriesen Ringier und Axel Springer verkündeten am Mittwoch ein Joint venture, in dem sie ihre jeweiligen Zeitungsaktivitäten in fünf osteuropäischen Ländern zusammenfassen. Mit hunderten Zeitungs- und Magazintiteln und einem Umsatz von über 400 Mio EUR pro Jahr entstünde der größte Medienkonzern der Region, was automatisch die Kartellwächter auf den Plan ruft. Einige Titel könnten vakant werden, schwächelnde Blätter vor dem Aus stehen, die Qualität der Medienlandschaft wird sich aber kaum bessern, zumal der gemeinsame Blätterwald börsenreif gestuzt werden soll.

Die beiden Konzerne aus der Schweiz und Deutschland werden je zur Hälfte an der neuen, gemeinsamen Unternehmung mit Sitz in Zürich beteiligt sein, teilte Ringier heute in einer Aussendung mit. Springer bringt seine Zeitungen in Polen, Tschechien und Ungarn ein, Ringier seine Beteiligungen ebenfalls aus Ungarn, Tschechien, sowie der Slowakei und Serbien. Da Springer in dieser Allianz das kleinere Portfolio beisteuert, zahlen die Deutschen 125 Mio EUR Kompensation an die Schweizer, zusätzlich zur Einlage von 50 Mio EUR. Nimmt man die Ergebnisse von 2009 zur Grundlage würde der neue Ost-Zeitungs-Konzern einen Jahresumsatz von rund 410 Mio EUR mit über 100 Titeln repräsentieren.

Buntes Einerlei. Das Portfolio des
Ringier-Verlages in Ungarn..., Abb: ringier.hu

Seit der Wende in Ungarn aktiv

Ringier ist seit fast 17 Jahren in Ungarn aktiv. Das bekannteste Projekt der Schweizer ist das Boulevardblättchen Blikk, seit 1994 auf dem Markt. Neben dem Erwerb von Anteilen an der größten seriösen Tageszeitung des Landes, Népszabadság (von Springer) und dem Kauf der Sportzeitung Nemzeti Sport, brachte Ringier etliche Magazine an den Markt. Noch früher stieg Axel Springer in Ungarn ein, bereits im Wendejahr 1990 sicherte man sich den Zugriff auf die größten Regionalzeitungen des Landes, wovon neun im Bestand geblieben sind, auch die Wirtschaftszeitung Világgazdaság gehört zum Paket. Springer ist Marktführer im Bereich der Wochenzeitungen und Magazine in Ungarn.

Bestätigt werden muss der Deal freilich noch von der Europäischen Kartellbehörde sowie den jeweiligen Wettbewerbsbehörden der Ämter, in Ungarn bestehen zum Beispiel Bedenken, dass der neue Zeitungsriese durchaus in einigen Marktsegment eine marktbeherrschende Stellung erlangen könnte. Es gibt Gerüchte, wonach einige Beteiligungen, bzw. Teile davon, in vorausschauender Rücksicht auf die Kartellprüfung an den Markt gelangen könnten. Gleichzeitig könnte man sich so von einigen defizitären Titeln verabschieden. So könnte z.B. die Népszabadság, zu etwas mehr als einem Viertel in Besitz der Medienholding der Sozialistischen Partei, einen neuen Teilhaber finden.

Leser- und Umsatzverluste im Krisenjahr

Springer und Ringier erwarten sich von der Zusammenlegung des CEE-Geschäftes deutliche Kostenvorteile und Synergien bei der Vermarktung. Dass das Portfolio dann in einigen Jahren an die Börse kommt, heißt nichts anderes, dass beide Verlage einen eleganten Weg suchen, um das eigentlich lästige und nicht mehr sonderlich profitable Ostgeschäft loszuwerden und dabei noch einen schönen Batzen Geld zu verdienen.

Fast alle Zeitungs- und Magazintitel litten in den letzten Jahren unter Leser- und Abonenntenverlusten, im Krisenjahr kamen noch heftige Einbrüche bei den Anzeigenumsätzen hinzu. Die Népszabadság, als größte Tageszeitung des Landes, verlor binnen eines Jahres fast ein Fünftel ihrer Leser und kommt nun noch auf eine tägliche Auflage von 84.000 Stück (früher deutlich über 100.000).

Das viel größere Manko der Presseszene ist aber ihre weitgehend fehlende politische und publizitäre Seriosität. So kann man von einer vielfältigen Medienlandschaft im Interesse der Öffentlichkeit kaum sprechen, die meisten Zeitungen dienen direkt einer politischen Partei oder Richtung als Sprachrohr, den europäischen Medienkonzernen ist das offenbar relativ egal, so lang die Renditepläne erfüllt werden. Der Rest ist buntes Einerlei. Die Konzentration in einer neuen Medienholding ist jedenfalls keine Maßnahme, welche die journalistische Qualität verbessern wird, man kann schon froh sein, wenn sie diese nicht verhindert, wo sie (noch) vorhanden ist.
 

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