(c) Pester Lloyd / 12 – 2010 POLITIK 25.03.2010

Der für sein nationalistisches Gepolter bekannte Chef der Slowakischen Nationalpartei SNS, Jan Slota, hat einmal mehr eine verbale Attacke gegen die Nachbarn geritten und der Kette von gegenseitigen Provokationen eine weitere Perle hinzugefügt. Er sorgt sich um die „Kampffähigkeit der slowakischen Streitkräfte“, vor allem da „ein Angriff seitens Ungarns“ zu fürchten ist, das laut SNS „militärisch auf das Gebiet seiner Nachbarländer vordringen will, um den Grenzverlauf zu verändern, der im Friedensvertrag von Trianon festgelegt wurde.“
Die SNS, übrigens als Koaltionspartner der SMER Teil der Regierung des linkspopulistischen Sozialdemokraten Robert Fico, stützt ihre Ängste auf Äußerungen der rechtsextremen und nationalistischen Partei Jobbik im ungarischen Wahlkampf. Diese hat immer wieder eine „Revision von Trianon“ gefordert. Ein Kandidat forderte eine Volksabstimmung darüber, freilich nur in Ungarn: „Wenn es notwendig wird, kann im betreffenden Fall mittels Volksbefragung auch eine Grenzänderung durchgeführt werden. Dafür brauchen wir auch ein starkes Heer“, so zitierte Slota sein ungarisches Gegenstück. Er beklagte sich weiterhin darüber, dass die nationalistischen Ungarn die Slowaken als „Völkermischung ohne Ursprung“ verhöhnen und führte als Beweis dafür einige wackelige Videos aus dem Internet vor. Da Jobbik demnächst ins Parlament einzieht sei Gefahr im Verzug, Slota forderte eine umgehende Erhöhung der Kampfbereitschaft der slowakischen Armee… Lange Kette von Respektlosigkeiten und Beleidigungen
Hüben und drüben haben nationalistische Töne im derzeitigen Wahlkampf Hochkonjunktur, sind aber nichts Neues. Seit Jahren ereifern sich nicht nur Extremisten, sondern auch national ge- und verstimmte Politiker verschiedener politischer Herkunft lassen sich häufig zu Ruppigkeiten verleiten. Die Beziehungen beider Länder sind seit Jahren miserabel. In der Slowakei sind es immer wieder Sticheleien gegen die ungarische Minderheit, wie zur Zeit mit dem Sprachengesetz und ein schäumender, aber relativ lächerlich ankommender von oben verordneter Patriotismus. Herr Slota ist sich auch nicht zu fein dafür, die Ungarn in der Slowakei schon mal als Krebsgeschwür im Nationalkörper der Slowakei zu bezeichnen.
Von ungarischer Seite gibt es neben den Ultranationalisten eine breite Schicht Bürger, die sich von der trianesischen Propagandaorgel, u.a. auch des Fidesz häufig beschallen lassen. Die nationalkonservative Partei des künftigen Regierungschefs Viktor Orbán begreift sich sehr wohl als Vertreter der „Ungarn im Karpatenbecken“, die nationale wie kulturelle Einheit „aller Ungarn“ zu beschwören, gehört zur Pflichtübung eines jeden „guten Ungarn“. Der konservative Staatspräsident befeuert diese Stimmung regelmäßig durch eigenartige Auftritte bei den ungarischen Ethnien in den Nachbarländern zu den unpassendsten Terminen, erst kürzlich verlautbarte er wieder, dass die Ungarn in der Slowakei durchaus slowakisch lernen sollten, – als Fremdsprache, was den Nationalisten drüben wiederum Anlass für übelstes Wehklagen gab.
Ersatzbefriedigung fürs Stimmvieh
Das Grundproblem liegt, wie so oft, in der Instrumentalisierung ethnischer Fragen durch Parteien für den Stimmengewinn. Gerade bei einfacheren Gemütern zieht diese Karte leider immer noch, wie das Erstarken von Jobbik und der Einfluss der SNS bis in die Regierungspolitik beweist. Doch auch „normale“ Parteien, wie eben die Sozialdemokraten in der Slowakei und die Rechtskonservativen in Ungarn, nutzen nationalistische Wallungen quasi als Ersatzbefriedigung gegen den alltäglichen Frust des impotent gehaltenen Stimmviehs. Nationalismus wird bei ihnen zum Kalkül. Bei beiden, Slowaken und Ungarn kommt ein geradezu pathologisches Minderwertigkeitsgefühl hinzu, das, weil es eben eine gezüchtete Krankheit ist, gern in Größenwahn umschlägt: während die Ungarn den Verlust ihres Territoriums nach dem Ersten Weltkrieg als historisches Unrecht ansehen, dass es zu korrigieren gilt, leiden die Slowaken als noch junger Staat unter mangelnder Anerkennung ihres Nationenanspruchs. Ob dies wirklich Kinderkrankheiten der „jungen Dmeokratien“ sind oder ausgewachsene Fehlbildungen, wird die Zeit zeigen.
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