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(c) Pester Lloyd / 22 - 2010 BUDAPEST 01.06.2010
Von Donaudampfern und Dieselloks
Ein Besuch im Verkehrsmuseum Budapest
Das Verkehrsmuseum am Budapester Stadtwäldchen reiht sich in die Liste der durchaus sehenswerten Museen von Budapest ein. Ob zu Land, zu Wasser oder in
der Luft, sämtliche Aspekte der Fortbewegung und der Verkehrsgeschichte Ungarns finden umfangreich Betrachtung. Erschwert wird Touristen der Zugang
lediglich durch die rein ungarische Homepage, die Interessierte jedoch nicht von einem Besuch abhalten sollte.
Große Loks und kleine Loks
Zumindest finden lässt sich das Museum relativ leicht. Ein Sportflugzeug auf dem Dach
und eine, aus der Gebäudefront halb herausragende Lokomotive, weisen den Weg in eine umfangreiche Ausstellungen zu sämtlichen Aspekten der ungarischen
Verkehrstechnologie. Nach Bezahlung der 1000 Forint Eintrittsgeld (Studenten und Schüler zahlen 500) geht es zuerst zur Eisenbahnausstellung im Erdgeschoss. Diese
befindet sich in einer Art Halle, welche sich in der Höhe über zwei Stockwerke erstreckt. Neben einigen Lokomotiven und Wagons in original Größe, besticht der
Raum durch eine Vielzahl an kleineren Nachbauten und eine große Modelleisenbahn.
Sogar der komplette Nachbau eines altmodischen Bahnhofgebäudes inklusive Verkaufsschalter und Büro
des Bahnhofsvorstehers, findet unter der hohen Decke Platz. Die Wände sind mit historisch interessanten Fotografien, Karten und Plänen versehen, welche in chronologischer
Reihenfolge die Geschichte der ungarischen Eisenbahn von den ersten Holzbahnen zu Beginn des 19.Jahrhunderts bis hin zum weitläufigen
Schienennetz zu Zeiten des 2.Weltkriegs verdeutlichen. Sehr positiv sticht der Umstand hervor, dass jedes der Stücke eine erklärende Bildunterschrift in Deutsch und Englisch
besitzt, die auch wirklich interessante geschichtliche Hintergrundinformationen liefert.
Der Tipp schlechthin für Kindergärten
Die Eisenbahnen faszinieren offenbar besonders die Kleinsten. Mindestens 5 komplette
Kindergärten scheinen ebenfalls den Weg in das Verkehrsmuseum gefunden zu haben und wuseln um die Lokomotiven herum. Vor dem aufgeregten Lärm flüchtend, geht es
daher weiter zur Treppe in den ersten Stock. Auf dem Weg dorthin findet sich etwas unscheinbar platziert noch ein kleines Highlight des Museums. Die offenbar originale
Landekapsel des ersten ungarischen Astronauten Bertalan Farkas aus dem Jahre 1980 hat hier ein Zuhause gefunden und lässt sich mittels eines Flachbildschirms auch virtuell erforschen.
Der erste Stock widmet sich dann der motorisierten Fortbewegung auf der Strasse. Auch die wichtigsten
Etappen der ungarischen Verkehrsgeschichte der letzten 100 Jahre, lassen sich anhand von Schautafeln betrachten. An dieser Stelle sind die Texte jedoch leider nur auf Ungarisch. Weit
interessanter wird es daher noch weiter oben. Hier werden überwiegend historische Verkehrsmittel, vom ersten Holzrad bis hin zu einer Kutsche aus Monarchiezeiten ausgestellt.
Auch die Entwicklung des Fahrrads wird anhand von Exemplaren aus jeder Epoche der
Drahtesel-Baukunst vom Laufrad, Hochrad, bis hin zum heutigen Mountainbike verdeutlicht.
Ungarns glorreiche Seefahrertradition
Da aus dem Nebenraum jedoch schon wieder die ersten schrillen Kinderstimmen zu
hören sind, geht es schnell weiter zur Geschichte der ungarischen Schifffahrt. Denn wer kennt sie nicht, die großen Entdecker unserer Zeit welche seit je her unter ungarischer
Flagge die Weltmeere unsicher gemacht haben. Nun ja. Tatsächlich widmet sich das „Közlekedési Múzeum“ auch diesem Aspekt ungarischer Verkehrsgeschichte und dafür,
dass Ungarn auf Grund seiner geographischen Lage nun wahrlich keine Seefahrernation darstellt, ist der Umfang an Gebotenem dann doch gar nicht mal so klein. Das
Beschiffen von Donau und Balaton hat im Laufe der Jahrhunderte wohl doch Einiges an historisch Interessantem hervorgebracht, auch wenn man hier natürlich keine riesigen
Seekreuzer erwarten darf.
Den Kindern scheint dieser hauptsächlich bildlich gestaltete Abschnitt allerdings eher weniger
zuzusagen, weshalb sie sich bereits bedrohlich nähern. Zeit also, um sich langsam auf den Rückweg richtung Ausgang zu begeben. Dort finden sich noch eine interessante Ausstellung alter
Motorräder und Pkw und weiterer historisch wertvoller Originale. Auch zur Luftfahrt lässt sich in dem Museum einiges entdecken. Die ausgestellten
Kleinflugzeuge runden das Bild einer durchaus betrachtenswerten Ausstellung ab. Das Kindergeschrei wird ohrenbetäubend. Höchste Zeit also für einen erholsamen Spaziergang im Stadtwäldchen.
Gregor Schemmel
www.km.iif.hu
1146 Budapest, Városligeti krt. 11. Tel: (06-1) 273-38-40
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