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Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 22/2010 (II)

(c) Pester Lloyd / 22 – 2010 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.

Spekulationen um massive Gaspreiserhöhung in Ungarn

01.06.2010 · Nachrichten

Die ungarischen Privatkunden müssen sich ab Juli auf Gaspreiserhöhungen von 15-20% einstellen, berichtet die eher linksliberale Tageszeitung „Népszabadság“. Als Begründung für diesen enormen Preisschritt könnten, so die Zeitung, die Versorger den Wertverfall des Forint gegenüber dem US-Dollar angeben. Die regierungsfreundliche „Magyar Nemzet“, die im Wahlkampf ebenfalls schon den Teufel der Preiserhöhung an die Wand malte, schreibt nun, dass die neue Regierung bereits in Gesprächen mit den großen Versorgern ist, um Tarifsenkungen durchzusetzen, schätzt aber, dass man wohl bei 0-10% Plus landen wird. In Ungarn werden Gaspreiserhöhungen von den Unternehmen bei der staatlichen Energieagentur eingereicht und müssen von dieser genehmigt werden. Dazu dienen diverse Berechnungsschlüssel, die Vorgängerregierung hatte so gut wie alle Anträge genehmigt, zuletzt gab es im April einen knapp 10%igen Anstieg der Preise. Besonders heikel ist zudem, dass die abgelöste Regierung für das zweite Halbjahr keine Mittel für die sog. Energiepreiskomoensation eingeplant hat, mit der man die Energiekosten für die Ärmsten bisher abgefedert hatte.

Lange Nacht der Museen in Budapest am 19. Juni 2010

01.06.2010 · Kultur

Lange Nacht der Museen in Budapest am 19.Juni

Bei der ersten der beiden diesjährigen Langen Nächte der Museen, können die Besucher zu einem Pauschalpreis von 1300 Forint (, ca. 4,70 EUR, ermäßigt 600.- HUF) beinahe sämtliche Museen der ungarischen Hauptstadt von 18 Uhr an fast die ganze Nacht besuchen. Üblicherweise bieten viele Museen zu diesem allseits beliebten Ereignis Sonderprogramme, besondere Führungen, Musik an ungewöhnlichen Orten und andere Einlagen. Die offizielle Webseite der Museumsnacht www.muzeumokejszakaja.hu ist jedoch noch in Bearbeitung, bekannt ist jedoch schon das Programm im Millenáris Park in Buda. Er bietet einen Mix aus Kunst, physikalischen Experimenten und Musik. Bis spät in die Nacht wird im Palast der Wunder eine Wissenschafts-Show zu bewundern sein. Für passende musikalische Untermalung von progressive Rock, Folk bis hin zu Weltmusik sorgen die Kerekes Band und Napra.

Daneben lädt das, durch visuelle Projektionen erleuchtete, Parkgelände zum nächtlichen Spaziergang ein. Der Millenáris Park zeichnet sich tagsüber stets durch ein vielfältiges Kinderprogramm aus. An diesem Tag zu später Stunde kommen auch die Älteren nicht zu kurz, denn ab 0:30 wird Laci Gulyás Geschichten für Erwachsene zum besten geben. Weitere Infos: www.millenaris.hu , www.muzeumokejszakaja.hu

Musikakademie Franz Liszt in Budapest endlich vor Renovierung

01.06.2010 · Kultur

Musikakademie in Budapest vor Renovierung

Die Renovierung der renommierten Franz Liszt Musikakademie in Budapest nimmt langsam konkrete Gestalt an. Für die Renovierung und den Ausbau des Jugendstilbauwerks von 1907 hat die Akademie jetzt eine Ausschreibung über 4 Milliarden Forint (knapp 15 Mio EUR) gestartet. Darin sind neben Schönheitsarbeiten auch die Vergrößerung der Nutzflächen von derzeit 9.300 auf 11.000 Quadratmeter vorgesehen. Gebote werden bis 5. Juli angenommen, am 28. Juli soll eine Entscheidung verkündet werden.

Besonders der große Konzertsaal ist ein Schmuckstück des Jugendstil, mit aufwendiger Ornamentierung und einer gewaltigen Orgel. Zsolnay-Keramiken und zahlreiche Fresken zieren Säle und Gänge (auf dem Foto das zentrale Foyer). An der Akademie lernten, lehrten und musizierten u.a. Béla Bartók, Zoltán Kodály, Leo Weiner und Georg Solti. Zwar gab es Ende der 90er eine Art Renovierung, doch diese stellte lediglich die Fassade wieder her und richtete das absolut nötigste im Innern. Viele Räume, vor allem aber die Infrastruktur und Haustechnik, aber auch Instrumente sind in einem erbarmungswürdigen Zustand, es fehlte an Geld und auch am politischen Willen. Dennoch konnte das Haus stets qualitätvolle Konzerte mit vielen Größen der Musikwelt sowie zeitgleich den umfangreichen Lehrbetrieb aufrecht erhalten. Während der Bauarbeiten ziehen die Studenten in nebenliegende Provisorien sowie in die alte Musikakademie von 1875.

Saurier mit Migrationshintergrund in Ungarn gefunden

01.06.2010 · Forschung

Die ungarische Wissenschaftswelt freut sich über die Entdeckung von fossilen Überresten eines Dinosauriers im nördlich des Balaton gelegenen Iharkút. Der Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, József Pálinkas, meint sogar, dass man nun die Frühgeschichte, zumindest auf biogeographischem Gebiet, umschreiben müsse. Der Fund zeigt einen etwa 85 Millionen Jahre alten gehörnten Saurier, einen Ceratopsian, dessen versteinerte Knochen man im Sommer des Vorjahres freilegte. Zuletzt berichtet das amerikanische Fachblatt Nature vor 35 Jahren über einen urzeitlichen Fund auf ungarischem Gebiet. Damals fand man in Rudabanya, im Nordosten des Landes, einen Dryopithecus, einen Baumaffen, der als Verwandter der heute bekannten Primaten gilt.

Der jetzt gefundene Saurier ist mit geschätzten 25-30 kg Lebendgewicht eher ein Leichtgewicht und war rund 1,5 Meter lang. Die Bedeutung des Fundes liegt vor allem darin, dass man anhand des Fundortes die Wanderungsrouten dieser Saurierart verfeinern kann. Bisher dachte man vor allem an eine Ausbreitung in Asien und Nordamerika, nicht aber an eine Migration in das heutige Mittelosteuropa. Dass es sich aufgrund der Dickköpfigkeit bei Ceratopsian um den ersten Ungarn gehandelt haben könnte, wollte die Fachwelt zunächst nicht bestätigen.

Trianon-Gedenktag offiziell beschlossen

01.06.2010 · Nachrichten

Trianon-Gedenktag in Ungarn offiziell beschlossen

Mit 302:55 Stimmen, bei 12 Enthaltungen beschloss das Ungarische Parlament bei seiner Sitzung am Montag, den 4. Juni zum Nationalen Gedenktag in Erinnerung an das „Friedensdiktat von Trianon“ zu machen. An diesem Tag vor 90 Jahren unterschrieben die ungarischen Vertreter – gezwungenermaßen – den Vertrag, der Ungarn einen Großteil seines Staatsterritoriums kostete und damit auch Millionen Ungarn ausbürgerte. Die 55 Gegenstimmen kamen fast alle aus der Fraktion der MSZP. In der beschlossenen Deklaration heißt es u.a., dass dieser Tag „sowohl jeden Bürger als auch die Gemeinschaft der Ungarn, die unter die Autoriät anderer Staaten gestellt wurde, daran erinnert, dass sie Teil einer einigen ungarischen Nation sind, dass ihr Zusammenhalt hinter den Staatsgrenzen Realität ist und dass dieses Ereignis (Verträge von Trianon) eine ihre Identität einschränkende Komponente darstellt.“ Der Gedenktag ist Teil einer lautstarken und verschärften nationalistischen Gangart der Fidesz-Alleinregierung in Ungarn. Mehr zu diesem Thema:

Nationaler Traumatag

Fidesz macht den Kampf gegen „Trianon“ in Ungarn zur Staatsdoktrin – MIT KOMMENTAR „Es geht nicht um Trianon“

Nationalautokratie

Viktor Orbán und der Versuch der nationalen Gleichschaltung in Ungarn – MIT KOMMENTAR “Vorbild Putin”

Verhaftungen an Universität Pécs

01.06.2010 · Nachrichten

Verhaftungswelle an Universität von Pécs

Acht Mitarbeiter der Janus Pannonius Universität in Pécs, alle in der Verwaltung der namhaften Lehr- und Forschungseinrichtung beschäftigt, wurden am Montag wegen des Verdachts der gemeinschaftlichen Hinterziehung und Vorteilsnahme verhaftet. Die Leitung der Ermittlungen hat die Generalstaatsanwaltschaft übernommen. Im Zuge der Verhaftungen wurden mehr als zwanzig Büros an der Uni durchsucht und dabei sowohl „Vermögenswerte“ wie andere Beweismittel sichergestellt, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörden. Unter den Verdächtigen, die vorläufig in Haft genommen worden sind, gehören nach Angaben der Nachrichtenagentur MTI auch der Chef der Public Relations und Marketingabteilung, der IT-Direktor sowie der IT-Personalchef und Verantwortliche für die Beschaffung. Bereits Anfang Mai gab es an der Uni Pécs Durchsuchungen wegen fingierter Rechnungen.

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