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(c) Pester Lloyd / 42 - 2010
WIRTSCHAFT 19.10.2010
Einmaleffekte oder Trend?
Realeinkommen in Ungarn gestiegen, Scheren bleiben
Von Januar bis August 2010 stiegen die Bruttogehälter in Ungarn um durchschnittlich 2,5%, die Nettoeinkommen, vor allem aufgrund neuer
Lohnsteuergesetze, sogar um 8,5% gegenüber dem gleichen Zeitraum 2009. Der Konsumentenpreisindex (CPI) stieg im gleichen Zeitraum um 5,2%. Der statistische
Anstieg der Realeinkommen wird vom Statistischen Zentralamt in Budapest, KSH mit 3,1% angegeben.
I - Die Zahl der Beschäftigten (erfasst werden alle Unternehmen mit mindestens fünf Angestellten im privaten und öffentlichen Sektor) betrug durchschnittlich knapp 2,7
Millionen, wobei der private Sektor 1,82 Mio. auswies (-1,1%), der öffentliche 771.000 (+4,1%). Trotz des Gesamtrückganges übersteigt seit Mai die Beschäftigung in der
Privatwirtschaft die Zahlen aus dem Vorjahr wieder leicht. Insgesamt stieg die Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr bis August um 0,9%.
Die gesetzlichen Mindestlöhne 2004 und 2009 im Vergleich osteuropäischer Länder (in Euro)
II - Das durchschnittliche Bruttogehalt von Vollzeitbeschäftigten stieg auf 202.000 Forint pro Monat (derzeit ca. 732.- EUR), wobei die Unterschiede zwischen
Privatwirtschaft (204.900.- HUF) und öffentlichem Dienst (199.000.- HUF) geringer geworden sind. Am besten verdiente man nach wie vor in der Finanz- udn
Versicherungsbranche mit durchschnittlich 439.500.- (ca. 1.600.- EUR), im IT Bereich mit 370.400 HUF (1.340.- EUR) sowie in der Energiebranche (352.000.- HUF). Am
unteren Ende der Durchschnittsgehälter steht die Hotel- und Gaststättenbranche und der Lebensmitteleinzelhandel mit 122.600 Forint Durchschnittsgehalt brutto pro Monat (ca. 444.- EUR).
III - Die Nettogehälter stiegen zwar durchschnittlich überproportional, dank einer ersten Senkung der Lohn- bzw. Einkommenssteuer, gestiegen, jedoch ist die Schere zwischen
manueller Arbeit und Bürotätigkeit weiter gewachsen. Während der statistische Durchschnitt netto 132.400 Forint pro Monat mit nach Hause nimmt (rund 480.- EUR),
können sich Büroarbeiter und Dienstleister über ca. 170.000 Forint freuen (616.- EUR), während Arbeiter in der Produktion und im Bau im Schnitt mit 96.600 Forint
auskommen sollen (350.- EUR). Der gesetzliche Mindestlohn beträgt 69.000 EUR und soll im nächsten Jahr auf maximal 80.000 Forint angehoben werden. Auf monatlicher Basis
gab es im August einen regelrechten Schub von 2,2% bei den Realeinkommen, der die Quasi-Stagnation der Vormonate aufhob.
Marktanalysten sehen keine besondere Beeinflussung der Infaltionsprognosen, da es sich
um steuerliche Einmaleffekte handele und das bisschen Mehreinkommen in den meisten Fällen zur Schuldentilgung oder für das Sparkonto benutzt wird. Die
Einkommenssteuerreform im kommenden Jahr soll die ungarischen Einkommen um weitere 178 Milliarden Forint (rund 650 Mio EUR) entlasten. Davon profitieren jedoch
nur Einkommen ab 300.000 Forint brutto, was nur rund 20% der ungarischen Arbeitnehmer offiziell erreichen. Einig ist man sich in der Einschätzung, dass es sich bei
den Lohnsteigerungen kaum um einen wirklichen Wachstumstrend handelt und man schon ganz zufrieden sein darf, dass es in dem angespannten industriellen Umfeld
überhaupt zu keinen größeren Verwerfungen mehr kommt.
Mehr zum Thema:
Die Detailzahlen, aufgeschlüsselt nach einzelnen Branchen, entnehmen Sie bitte diesem pdf-Dokument des Statistischen Zentralamtes KSH (ung./engl.)
Bluff, Verbrechen, Segen? - 18.10. Debatte um die neue Einkommenssteuer in Ungarn
http://www.pesterlloyd.net/2010_42/42einkommenssteuer/42einkommenssteuer.html
Von der Not getrieben - 18.10.
Orbáns Mut kann Ungarn retten oder ins Chaos stürzen - KOMMENTAR http://www.pesterlloyd.net/2010_42/42steuerkommentar/42steuerkommentar.html
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