(c) Pester Lloyd / 12 – 2009 WIRTSCHAFT 19.03.2009
Die Malév bleibt irgendwie am Leben
Die Fluglinie Malév kann sich – formal – wieder „ungarisch“ oder wahlweise VEB nennen. Seit letzter Woche hat die ungarische Unternehmerin Magdolna Költö zumindest numerisch die Mehrheit von 51% am Malév-Besitzer AirBridge Zrt. übernommen. 10 Mio EUR Kapitalspritze beschlossen.
Die anderen 49% an der AirBridge, die nur noch pro forma dem einstigen Privatisierungsgewinneroligarchen Boris Abramowitsch gehörten, werden nun von der russischen „Staatsbank“ Vnyeshekonombank (VEB) kontrolliert, die aber die operative Ausübung der Kontrolle an die ebenfalls bei der VEB gehaltene Aeroflot übergeben hat. Klingt alles kompliziert, ist aber letztlich ganz einfach: Abramowitsch hatte sich mit der Malév und anderen Abenteuern übernommen und seine Anteile an die VEB verpfändet, da die seinen Malévausflug finanziert hatte. VEB hat die Ungarn, jetzt nurmehr Frau Költö, aus ganz praktischen Erwägungen im Boot. Mit dem 51%igen Nennanteil in ungarischer Hand bleibt die Malév nämlich eine EU-Fluglinie, was ihr nicht nur die sonst extrem umständlich zu erlangenden und teuren Landerechte in der EU gewährt, sondern auch Zugang zu Staatshilfen. Intern, so ist man sich sicher, wird die Mehrheit des Stimmrechts von den Russen ausgeübt.
Gleichzeitig erhielt die flügellahme Ente eine weitere Finanzspritze in Höhe von über 10 Mio EUR, was ungefähr einem Sechstel der geschätzten Schulden entspricht. Die Gabe hält sie zumindest für eine Weile weiter betriebsfähig.
Interessant sind die Hintergründe von Frau Költö. Sie ist Direktorin und Gesellschafterin der Beteiligungsfirma Resonator, der u.a. wesentliche Anteile der Traditionsbetriebe Ganz und Transelektro gehören. Witzigerweise war Magdolna Költö, die beim Kaufhaus Skala ihre ersten Gehversuche machte, in den 90er Jahren als Kreditchefin der CIB-Bank ganz massiv an etlichen Privatisierungsprojekten beteiligt. Ihr werden beste Beziehungen in die Politik nachgesagt, viel mehr sollte man vielleicht gar nicht wissen wollen. Einer der Mitstreiter bei ihrer jetztigen Firma ist z.B. Kálmán Kiss, ein pensionierter General der ungarischen Grenzwache, von diesem übernahm sie Anfang des Monats die restlichen Anteile an der AirBridge, was sie nun – wie erläutert, eher auf dem Papier – zur Mehrheitseignerin der Malév macht.
Die Zukunft der Malév bleibt indes im wahrsten Sinne in der Schwebe. Dass sich von den jetztigen Investoren einer zu großem Engagement bereit erklärt, ist unwahrscheinlich. Schon viel eher werden die Aeroflot-Manager die Malév als unkomplizierten und billigen Zugang zum EU-Markt schätzen und nutzen. Dazu passend hat Malév einen Tag vor der letzten Vorstandssitzung eine neue Strecke nach St. Petersburg ins Programm genommen. Immerhin könnte der russische Hintergrund dennoch für das Überleben der Airline garantieren, auch wenn das nackte Überleben weniger ist als die einst erträumte Entwicklung hin zu einem CEE-Carrier. Sollte Malév je wieder Gewinne machen, werden diese wohl eher nur abgeschöpft als reinvestiert. Vielen anderen CEE-Fluglinien blüht im derzeitigen Marktumfeld ein weit ungünstigeres Schicksal.
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